MUSEUMSPARK: Umgebungsgestaltung beim St.Galler Naturmuseum fertiggestellt: Die Steinwüste lebt

Die Absperrgitter sind weg, der Park beim Naturmuseum ist jetzt öffentlich zugänglich. Noch präsentiert sich die Freifläche als Steinwüste, doch gibt es schon einiges zu entdecken.
Roger Berhalter
Bis im Frühling die Kräuter, Sträucher und Bäume ergrünen, müssen die Besucher im neuen Park beim Naturmuseum selber Farbtupfer setzen. (Bild: Ralph Ribi)

Bis im Frühling die Kräuter, Sträucher und Bäume ergrünen, müssen die Besucher im neuen Park beim Naturmuseum selber Farbtupfer setzen. (Bild: Ralph Ribi)

Man sieht vor Einfamilienhäusern häufig diese Steinlandschaften. Grau statt Grün, überall spitze Brocken, zwischen denen kein Grashalm mehr wächst. Es sind Steingärten, in denen man nicht Rasenmähen muss. Fast wirkt es so, als wollten auch die Mitarbeiter des Naturmuseums nicht mehr Rasenmähen. Zwischen dem Museum und der Kirche St.Maria-Neudorf, wo bis vergangenen Mai noch eine grüne Wiese war, ist jetzt ein Park aus Steinen angelegt.

Volle Pracht in ein bis zwei Jahren

Noch präsentiert sich die Freifläche Grau in Grau. Statt durch ein Blumenmeer spazieren die Besucher durch eine Steinwüste. Die Flora macht noch Winterschlaf, die Bäumchen ragen kahl in den Himmel, die Büsche konnten kaum Wurzeln schlagen. «Wiese und Stauden werden ein bis zwei Jahre benötigen, um sich zu etablieren», heisst es in einer Mitteilung der Stadt, die selber einräumt, dass der neue Park noch «etwas karg» aussehe. Im Frühling dürfte hier aber das Leben spriessen und Farbe ins Spiel kommen.

Die Pläne der verantwortlichen Landschaftsarchitekten jedenfalls zeigen eine ausgeklügelte Wachstumsstrategie für die Pflanzen vor Ort. Je nach Jahreszeit wird der Park anders aussehen, werden andere Arten die Hauptrolle spielen. Beispielsweise der Gingko-Baum, den es schon zur Zeit der Dinosaurier gab. Oder die Lärche, die bald wieder Nadeln austreiben wird. Allzu grosse Bäume dürfen im Park aber nicht wachsen. Direkt darunter liegt nämlich die Autobahn, an manchen Stellen ist die Erdschicht über der Tunneldecke kaum einen Meter tief. Wuchernde Wurzeln und mächtige Stämme wären hier zu gefährlich.

Schon jetzt gibt es im Park einiges zu entdecken. Die Planer haben überall Spuren ausgelegt, die zu lesen gerade Kindern Spass macht. Da, eine Muschel am Boden! Dort, ein versteinertes Fischskelett! Auf grossen Steinplatten und schmalen Kieswegen spaziert der Besucher durch den Park und stösst auf Knochen, Fossilien, Blätter. Wie Fragmente liegen die Steinplatten da, sind einmal ebenerdig versenkt, einmal ragen sie so weit aus dem Boden, dass man bei wärmeren Temperaturen gut zum Picknick Platz nehmen könnte. Bis dann dürften hier auch Singvögel zwitschern und aufgepäppelte Wildvögel erste Flugversuche wagen. Jetzt aber sind die zwei Aussengehege der Vogelpflegestation noch leer.

Weisheiten am Boden

Der Museumspark bietet dafür schon jetzt Lesestoff. In grossen Lettern sind Zitate in Steinplatten eingelassen. So wie der Satz von Charles Darwin, der jede zweite Manager-Präsentation einleitet: «Nichts im Leben ist beständiger als der Wandel.» Oder die Weisheit von Max Planck, die auf die Verbindung des Museums zur nahen Kirche verweist: «Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln.»

Es ist noch nicht die passende Jahreszeit für Parkspaziergänge. Die Terrasse des Museumscafés mit 30 Plätzen ist noch nicht in Betrieb, der neue Forschungsteich verharrt noch unter einer Eisschicht. Augenzwinkernd wirkt in dieser Kälte der Schriftzug «Tropisches Meer» auf einer Platte, die ins Wasser ragt. Hier werden jugendliche Forscher Wasserproben entnehmen und drinnen im Labor unter dem Mikroskop untersuchen können.

Wasser wird dereinst auch am Brunnen vor der Kirche plätschern, der jetzt noch ein trockenes Steinbecken ist. Daneben steht auf einem Mäuerchen ein weiterer Satz: «Gott übertrug dem Menschen die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu bewahren.» Bei der Pflege dieses Gartens kann der Mensch aber gut auf den Rasenmäher verzichten.

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