Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

MUOLEN: Stricken um den Weltrekord

Freitags klappern jeweils die Stricknadeln im Kafi Marktstübli um die Wette. Dieses Jahr wird jedoch nicht nur für einen guten Zweck gestrickt, man lismet um den Weltrekord.
Katja Blöchlinger
Im Kafi Marktstübli in Muolen wollen Strickerinnen den längsten Schal der Welt lismen. Er soll rund 6,5 Kilometer lang werden. (Bild: Michel Canonica)

Im Kafi Marktstübli in Muolen wollen Strickerinnen den längsten Schal der Welt lismen. Er soll rund 6,5 Kilometer lang werden. (Bild: Michel Canonica)

Katja Blöchlinger

redaktiongo@tagblatt.ch

«Inesteche, umeschloh, durezieh und abeloh»: Ein Merkspruch aus dem Handarbeitsunterricht, den wohl jedes Primarschulkind ­auswendig aufsagen kann. Und natürlich kennen ihn alle strickenden Frauen, die sich am vergangenen Freitag im Kafi Marktstübli eingefunden haben. Dass am langen Tisch im Kafi am Bahnhof in Muolen Profis sitzen, wird dem ungeübten Beobachter schnell klar. Ehe man sich versieht, ist eine weitere Bahn fertig, und Socken, Kappen, Pullover und Jäckchen nehmen Gestalt an. Einige der zehn Anwesenden arbeiten auch an farbenfrohen breiten Schals – und das im Sommer? Ja, denn sie haben sich ­etwas Spezielles vorgenommen: den Weltrekord für den längsten gestrickten Schal zu brechen. Zu den Initianten des Weltrekordversuches gehört Lydia Studerus.

Rekordschal soll Bedürftigen zugute kommen

Vor drei Jahren haben Studerus und zwei ihrer Schwägerinnen die Räume am Bahnhof übernommen und in ein Café umgebaut. Vorher war es das Büro des Bahnhofvorstandes. Inspiration für einen Stricknachmittag habe sie aus einem Buch, in dem eine Amerikanerin ein Strickkafi eröffnet. «Ausserdem ist Stricken mein Hobby, und es ist schön, wenn man miteinander zusammensitzen und dem gemeinsamen Hobby frönen kann», sagt Studerus. Mittlerweile arbeitet die 57-Jährige beim Angela-Bruderer-Versandhaus in St. Gallen in der Wollenabteilung. «Von meinem Arbeitgeber kommt die Idee, diesen Weltrekord zu brechen», sagt sie. Drei Standorte in der Schweiz, darunter St. Gallen und Winterthur, machen bei der Aktion mit. Aber es geht nicht nur darum, einen Rekord aufzustellen. Die schönen Schalabschnitte, die jeweils zwei Meter lang und dreissig Zentimeter breit sind, werden direkt an Bedürftige abgegeben. Die weniger schönen Stücke werden zu Wolldecken zusammengesetzt und dann ebenfalls an Menschen in Not weitergegeben. «Solche Projekte haben wir schon unabhängig vom Weltrekordversuch unterstützt. Zum Beispiel haben wir zu Weihnachten Wollsachen an die Gassenküche St. Gallen geschickt», erzählt Studerus. Besondere Höhepunkte seien jeweils Dankesbriefe und Fotos, wie sie die fleissigen Muoler Stricker ab und an bekommen.

6,5 Kilometer Schal sind das Ziel

Damit es mit dem Weltrekord klappt, liegt aber noch einiges an Arbeit vor den Beteiligten. Der längste Schal der Welt ist 6,5 Kilometer lang. «Da müssen einige Zwei-Meter-Schals zusammenkommen.» Ein gutes Stück können sie schon beitragen: Fast 90 Schals lagern im Moment im Kafi, ungefähr 180 wollige Meter. Studerus und ihre Mitstreiterinnen und ihr Mitstreiter – ein Mann lässt hier die Stricknadeln klappern – freuen sich auch, wenn Bekannte und Unbekannte mitmachen und Schals oder Wolle im Marktstübli vorbeibringen. «Wollresten sind hier immer willkommen», sagt Studerus.

Ausgerollt und gemessen wird der lange Schal Anfang 2018 in Winterthur von einer Schulklasse. «Wenn der Schal dann ein bisschen zu kurz ist, müssen wir ihn dann halt langziehen», sagt eine der Strickerinnen. Bei der Geschwindigkeit, mit der die Frauen im Kafi stricken, dürfte dies aber nicht nötig sein.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.