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MUOLEN: Luxusvilla für Gartenrotschwanz

Er ist ein Frühaufsteher, ein brillanter Sänger und ziemlich anspruchsvoll – der Gartenrotschwanz. Muolen ist eines seiner letzten Brutgebiete im Mittelland. Grund genug für die Vogelwarte, ein Pilotprojekt zu starten.
Corinne Allenspach
Mathis Müller (links) und Pascal Keller von der Vogelwarte Sempach helfen, die von den Muoler Viert- und Fünftklässlern selbst gemachten Nistkasten aufzuhängen. Interessiert beobachtet von Gemeindepräsident Bernhard Keller (Mitte) und Lehrerin Martina Keller. (Bild: Hanspeter Schiess)

Mathis Müller (links) und Pascal Keller von der Vogelwarte Sempach helfen, die von den Muoler Viert- und Fünftklässlern selbst gemachten Nistkasten aufzuhängen. Interessiert beobachtet von Gemeindepräsident Bernhard Keller (Mitte) und Lehrerin Martina Keller. (Bild: Hanspeter Schiess)

Corinne Allenspach

corinne.allenspach

@tagblatt.ch

3 Grad und Dauerregen. Perfektes Frühlingswetter sieht anders aus. Den Muoler Viert- und Fünftklässlern von Martina Keller kann dies aber nichts anhaben. Sie haben sich auf diesen speziellen Morgen gefreut und sind mit Regenjacke und -hose, Kappe, Gummistiefeln und Leuchtweste bestens gerüstet. Den Termin zu verschieben wäre sowieso nicht in Frage gekommen, denn schon in wenigen Tagen könnten die ersten Gartenrotschwanz-Männchen von ihrer Reise aus Afrika in Muolen eintreffen. Und dort, inmitten der weitläufigen Hochstammobstgärten, einen Brutplatz suchen, bevor sie mit ihrem schönen Gesang ein Weibchen von sich zu überzeugen versuchen.

An Brutplätzen wird es dieses Jahr nicht mangeln. Initiiert von der Vogelwarte Sempach wurden in Zusammenarbeit mit den Kantonen St. Gallen und Thurgau vergangene Woche 100 Nistkästen platziert. 40 in Egnach, 60 in Muolen, wo die Aktion Bestandteil der ökologischen Vernetzung ist. Deshalb beobachtet auch Gemeindepräsident Bernhard Keller interessiert, wie Mathis Müller und Pascal Keller von der Vogelwarte mit den Schülern und ihrer Lehrerin die selber gezimmerten Nistkästen aufhängen. «Ich finde es cool, dass wir das mit der Schule gemacht haben», sagt Sinan, der mit seinem Kollegen Gianluca einen Nistkasten gebaut hat. Damit ihn die Buben wieder erkennen und dadurch wissen, ob ein Gartenrotschwanz in «ihr» Haus eingezogen ist, haben sie auf der Aussenseite einen Smiley ins Holz eingebrannt.

Artenförderung braucht einen langen Schnauf

Bis zum Einzug dürfte es allerdings dauern. «Wenn dieses Jahr 4 der 100 Nistkästen besetzt wären und nächstes Jahr etwa 10, wäre mein persönliches Ziel schon erfüllt», sagt Mathis Müller. Der Biologe ist seit 30 Jahren in der Vogelwarte tätig und weiss: «Man braucht einen langen Schnauf in der Artenförderung.» Im Raum Egnach-Winden, Muolen und Zihlschlacht-Sitterdorf liegt gemäss Beobachtungen der Vogelwarte eines der letzten grösseren Brutgebiete des Gartenrotschwanzes im Schweizer Mittelland. Zwischen 15 bis 30 Brutpaare konnten hier überleben. «Ziel ist es, den Bestand zumindest halten und bestenfalls erhöhen zu können», sagt Müller, dessen Sinne für die Natur geschärft sind. Ein Spaziergang mit ihm durch die Hochstamm-Obstgärten ist wie eine Lektion in Achtsamkeit. «Ein Trauerschnäpper.» Müller deutet auf einen mächtigen Birnbaum, auf dem der Vogel singt. Bei einem Loch im Boden ist für ihn klar: «Die Toilette eines Dachses.»

Gartenrotschwanz markiert Qualität der Landschaft

Die Vogelwarte fördert 50 Vogelarten. Etwa den Wiedehopf, die Feldlerche oder eben den po­tenziell gefährdeten Gartenrotschwanz. Der 15 Zentimeter kleine und 12 bis 20 Gramm leichte Vogel ist ein Insektenfresser. «Und ein Frühaufsteher und sehr guter Sänger», erklärt Müller den Schülern. Der Gartenrotschwanz ist einer der ersten, der morgens singt. Zudem sei er anspruchsvoll, kein Allerweltsvogel. «Wenn er sich zum Brüten niederlässt, zeigt das die Qualität der Landschaft an.» Die Hälfte des Jahres verbringt der Gartenrotschwanz in der Sahelzone, gebrütet wird in Europa. 2009 war er Vogel des Jahres in der Schweiz, 2011 in Österreich und Deutschland.

Müller deutet auf einen stattlichen Hochstämmer. An einem waagrechten Ast, genug weit vom Stamm entfernt, damit Katzen und Marder nicht zukommen, wird ein weiterer Nistkasten der Schüler aufgehängt. Der Eingang wettergeschützt Richtung Osten. In der Regel erziele man mit Nistkästen gute Bruterfolge. Trotzdem: Aus einem Gelege mit sechs Eiern werde höchstens ein Gartenrotschwanz überleben und zurückkommen zum Brüten.

In Muolen nutzt die Vogelwarte erstmals die speziell für den Gartenrotschwanz konzipierten Holz-Nistkästen mit schmalen Lichtschlitzen und einem grossen Eingang unten. Gleichzeitig werden auch einige bisherige Nistkästen aus Ton und Beton aufgehängt, um zu testen, welche Brutstätten besser ankommen. Beide seien auf jeden Fall «Luxusvillen für den Gartenrotschwanz», sagt Müller. Das Aufhängen der Nistkästen ist der erste Schritt des mehrjährigen Projekts der Vogelwarte. Bis Ende 2017 wird in Muolen und Egnach zudem eine Lebensraumanalyse gemacht und eine Bestandesaufnahme aller Singvögel. Nächstes Jahr sollen erste Erkenntnisse daraus umgesetzt werden, damit sich Gartenrotschwanz und Co. hier noch heimischer fühlen.

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