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Muolen leert den Giftschrank

Altlasten früherer Generationen
Daniel Schilling und Marion Rickli nehmen Sondermüll entgegen. (Bild: Ralph Ribi)

Daniel Schilling und Marion Rickli nehmen Sondermüll entgegen. (Bild: Ralph Ribi)

In einer Kiste liegt eine Mineralwasserflasche der Landi-Marke Farmer. «Säure» hat jemand in grossen Lettern mit Filzstift darauf gekritzelt. «Du kannst doch nicht Säure so aufbewahren», sagt Daniel Schilling, Leiter des Bauamtes Muolen, dem Bauern, der ihm die Kiste überreicht hat. «Das weiss ich», entgegnet dieser, «deshalb entsorge ich das Zeug ja auch.» Auf die Frage, was genau sich in der Flasche befinde, zuckt der Landwirt mit den Schultern. «Wir haben die Flaschen beim Aufräumen gefunden. Restposten früherer Generationen.» Weil sie abgelaufen oder schlecht beschriftet seien, müssten die Chemikalien weg. «Schliesslich haben wir kleine Kinder zu Hause.»

In Muolen wurde gestern die jährliche Sondermüllsammlung durchgeführt. Gifte, Farben, Lacke, Lösungsmittel, Säuren und Laugen wurden vom Bauamt ebenso entgegengenommen wie abgelaufene Medikamente oder nicht mehr erlaubte Schädlingsbekämpfungsmittel. Auch Elektrogeräte, Altmetall, Papier und Karton konnten abgegeben werden. Alles kostenlos.

Daniel Schilling leitet solche Entsorgungsaktionen in Muolen seit elf Jahren. Säure in der PET-Flasche sei keine Seltenheit, sagt er. «Besonders wenn in einem alten Bauernhaus der Giftschrank geleert wird, kommen allerlei Chemikalien zum Vorschein: Spritzmittel, uraltes Rattengift, Tiermedikamente, die nicht mehr vertrieben werden, Herbizide, die längst verboten sind.» Ein Landwirt bringt altes Holzschutzmittel, das er bei einer Hausräumung gefunden hat. Ein anderer hat neben Elektroschrott auch alte Pestizide zum Entsorgen gebracht. Diese seien noch von seinem Vater übrig geblieben. «Der Plunder muss entsorgt werden», sagt er. «Denn wenn eine Kontrolle kommt, ist man der Neger.»

Doch wie werden die giftigen Chemikalien entsorgt? Dazu ist Marion Rickli von der Firma Georges Bleiker vor Ort. Wird ihr eine Flasche unbekannten Inhaltes überreicht, prüft Rickli zuerst mit einem Lackmuspapierchen den PH-Wert der Substanz. «So kann ich feststellen, ob es sich um eine Säure oder eine Lauge handelt.» Danach testet sie, ob die Lösung brennbar ist. «Hat die Flüssigkeit keinen auffälligen Säuregehalt und lässt sich leicht entzünden, handelt es sich in der Regel um ein Lösungsmittel.»

Rickli unterteilt die Giftflaschen in verschiedene Gruppen. In der Firma Georges Bleiker werden sie dann nochmals genauer sortiert. Der Transport entspricht allen Sicherheitsstandards: Eine orange Tafel am Heck des Kleinlasters zeigt, dass gefährliche Sonderabfälle geladen sind, ein Feuerlöscher ist ebenso an Bord wie kernförmiges Saugmaterial, falls etwa Öl auslaufen sollte. «Das saugt alles auf, ähnlich wie Katzenstreu», sagt Rickli. Endgültig entsorgt werden die chemischen Stoffe auf verschiedene Weise: Während brennbares Material noch zur Herstellung von Zement verwendet werden kann, landen andere Stoffe in speziellen Hochöfen. «Dafür ist unsere Firma aber nicht mehr zuständig.» Die Arbeit mit den Giftabfällen mache ihr Spass, sagt Rickli. «Beim Entsorgen ist man auch immer im Kontakt mit Leuten, das gefällt mir.» Tatsächlich wird an diesem Tag nicht nur Abfall entsorgt; die Einwohner Muolens kommen beim Entrümpeln auch ins Gespräch. «Ich habe gerade deine Tochter getroffen», sagt ein Mann zu einer Frau und hievt ein Bündel Altpapier in eine Mulde. «Ist nicht wahr», sagt diese, ehe sie ein Fuder Karton in eine Tonne wirft.

«Wir bieten diese Sammlung an, damit die Leute nicht weit fahren müssen, um den Sondermüll zu entsorgen», sagt Bernhard Keller, Gemeindepräsident von Muolen. «Es gilt zu verhindern, dass Sondermüll im gewöhnlichen Kehricht entsorgt wird.» Zum Teil sei es interessant zu sehen, wie lange die Leute gewisse Dinge aufbewahren, ehe sie sich von ihnen trennten. «Da werden Staubsaugermodelle oder alte Radios entsorgt, von denen ich gar nicht wusste, dass sie noch existieren», sagt Keller. Dasselbe dürfte für den Inhalt der einen oder anderen Giftflasche gelten, die vor dem Bauamt abgegeben wird. «Ich brauche die Flüssigkeiten nicht mehr», sagt ein Bauer. «Und was man nicht braucht, muss weg.»

Adrian Lemmenmeier

adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch

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