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MUOLEN: Gartenrotschwänze mögen Villen

Vergangenen Frühling startete die Vogelwarte Sempach ein Pilotprojekt mit speziellen Nistkästen für den Gartenrotschwanz. Eine erste Bilanz ist positiv. Artenförderung braucht aber einen langen Schnauf.
Corinne Allenspach
Ende April 2017 hängten die Muoler Primarschüler mit Hilfe von Mathis Müller (links) und Pascal Keller von der Vogelwarte Sempach ihre selbst gezimmerten Nistkästen auf. Kurz darauf besetzten bereits erste Gartenrotschwanz-Paare die Luxushäuser. (Bild: Hanspeter Schiess (27. April 2017))

Ende April 2017 hängten die Muoler Primarschüler mit Hilfe von Mathis Müller (links) und Pascal Keller von der Vogelwarte Sempach ihre selbst gezimmerten Nistkästen auf. Kurz darauf besetzten bereits erste Gartenrotschwanz-Paare die Luxushäuser. (Bild: Hanspeter Schiess (27. April 2017))

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

Es war ein besonders garstiger Tag Ende April vergangenen Jahres. Bei 3 Grad und Dauerregen stapften die Muoler Viert- und Fünftklässler von Martina Keller in ihren Regenjacken und Gummistiefeln durch die blühenden Obstgärten. Zusammen mit Mathis Müller von der Vogelwarte Sempach suchten sie passende Bäume aus, um ihre selbst gezimmerten Nistkästen aufzuhängen. Insgesamt 100 Stück wurden platziert, 60 in Muolen und 40 in Egnach. Die Vogelwarte nutzte dabei erstmals im grossen Stil die speziell für den Gartenrotschwanz konzipierten Holz-Nistkästen mit schmalen Lichtschlitzen und einem grossen Eingang unten. Gemäss Müller «Luxusvillen» für die Vögel. Inzwischen haben die Verantwortlichen eine erste Bilanz gezogen. Diese hört sich für Laien bescheiden an, fällt aber aus Expertensicht positiv aus. Mathis Müller, seit über 30 Jahren als Biologe bei der Vogelwarte tätig, betonte bereits vor einem Jahr, dass Artenförderung einen langen Schnauf brauche: «Wenn im ersten Jahr 4 der 100 Nistkästen besetzt sind, wäre mein persönliches Ziel erfüllt.»

Eines der letzten grösseren Brutgebiete im Mittelland

Genau so sei es auch gewesen. Vier Nistkästen waren von Gartenrotschwänzen besetzt. Bei weiteren zwei sei man nicht ganz sicher, ob der Hausrotschwanz eingezogen sei. Auf jeden Fall könne man sagen, die Behausungen hätten sich bewährt. «Ziel ist es ja auch, dass sie exklusiv für den Gartenrotschwanz zur Verfügung stehen und nicht von anderen Singvögeln genutzt werden.» Dieses Jahr hofft Müller auf doppelt so viele besetzte Kästen.

Der Gartenrotschwanz gilt in der Schweiz als gefährdet. Im Raum Egnach-Winden, Muolen und Zihlschlacht-Sitterdorf befindet sich gemäss Beobachtungen der Vogelwarte eines der letzten grösseren Brutgebiete im Mittelland. Rund 25 Paare brüteten vergangenes Jahr dort. Dank des Nistkastenprojekts soll der Bestand mindestens gehalten, bestenfalls erhöht werden.

Dazu ist nebst den Bruthilfen gemäss Müller «eine ganze Palette von Massnahmen» nötig. Das Projekt, das von den Kantonen Thurgau und St. Gallen, der Gemeinde Muolen und der Vogelwarte Sempach gemeinsam getragen wird, geht in die nächste Phase. Kommenden Freitag ist ein öffentlicher Infoanlass geplant. Man werde Massnahmen vorstellen, die dem Gartenrotschwanz helfen, sich wohl zu fühlen. Dazu gehört unter anderem ein gut strukturierter Lebensraum, etwa mit Pfosten, Magerwiesen und Hochstammbäumen. Für einige umgesetzte Massnahmen erhalten die Landwirte Geld vom Kanton, andere übernimmt die Vogelwarte. Beispielsweise zusätzliche Patenschaften für alte Hochstamm-Birnbäume. Warum betreibt man für einen rund 15 Zentimeter kleinen und 12 bis 20 Gramm leichten Insektenfresser überhaupt einen solchen Aufwand? «Der Gartenrotschwanz brütet in grossflächigen, strukturreichen Hochstamm-Obstgärten», sagt Müller. Gartenrotschwänze markieren also quasi die Qualität der Landschaft.

Die Weibchen sind wählerisch

Die Hälfte des Jahres verbringt der Vogel in der Sahelzone, gebrütet wird in Europa. Wobei die Männchen jeweils früher aus Afrika nach Muolen zurückkehren, Anfang Mai, um in den Hochstammobstgärten einen Brutplatz zu finden. Danach versuchen sie mit ihrem schönen Gesang die Weibchen zu überzeugen. Diese sind allerdings ziemlich anspruchsvoll, wie Mathis Müller weiss: «Ein Gartenrotschwanz-Weibchen möchte eine Auswahl an Nistmöglichkeiten haben. Eine genügt nicht.»

Die Vogelwarte hat 2017 zudem eine Bestandesaufnahme der Singvögel gemacht im Gebiet Muolen-Egnach. Diese fällt ebenfalls positiv aus. Nebst den bekannten Singvogelarten wurden auch ein Neuntöter, ein Baumfalke und ein Waldlaubsänger gesichtet. Zudem sei der Bestand an Trauerschnäppern «hervorragend». «Im Thurgau leben nirgendwo sonst mehr Trauerschnäpper», sagt Müller. Auf St. Galler Seite gebe es keine entsprechende Statistik. Er geht aber davon aus, dass Muolen ebenfalls zu den besten Trauerschnäpper-Gebieten im Kanton gehört.

Info-Anlass mit Feldbegehung zum Projekt Gartenrotschwanz, 9. Februar, 9.00, Rest. Mausacker

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