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MUOLEN: Endlich keine Langeweile mehr

Hayatullah Mohammadi ist im Krieg in Afghanistan aufgewachsen und flüchtete in die Schweiz. Diesen Sommer nun startete er mit einer Ausbildung als Milchpraktiker. Käse kannte er früher nicht.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Käsermeister Johannes Eberle (links) und Migrant Hayatullah Mohammadi beim Vorreifen der Milch. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Käsermeister Johannes Eberle (links) und Migrant Hayatullah Mohammadi beim Vorreifen der Milch. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

redaktiongo@tagblatt.ch

«Die Gerechtigkeit und den Frieden in der Schweiz schätze ich sehr», sagt Hayatullah Mohammadi mit einem dankbaren Lächeln. Zu Hause habe er beides nie erfahren. Der Krieg in seiner Heimat Afghanistan werde immer schlimmer. «Ich bin im Krieg aufgewachsen, ich kannte nichts anderes», erzählt der 30-Jährige in gebrochenem Deutsch. Anfang August hat er bei der Käserei Eberle in Muolen die zweijährige Ausbildung als Milchpraktiker gestartet. «Mein Ziel ist es, nach erfolgreichem Lehrabschluss selbstständig leben zu können.»

Als afghanischer Flüchtling kam Hayatullah Mohammadi im August 2015 in die Schweiz. In ein Land, das er zuvor überhaupt nicht gekannt hatte. Er wusste nicht, was ihn hier erwartet. Für kurze Zeit lebte er in einem Asylzentrum im Rheintal. Die grösste Schwierigkeit sei für ihn, der nur Usbekisch sprach, die Sprachbarriere gewesen. Im Selbststudium habe er sich sogleich ans Lernen der deutschen Sprache gemacht. «Ohne Sprache kann man ja niemanden kennen lernen», erklärt er ganz selbstverständlich.

Käsermeister ist voll des Lobes

Das Migrationsamt hatte den Asylsuchenden im Herbst 2015 Muolen zugeteilt. Zufälligerweise sei er eines Tages mit dem Velo in den Weiler Pfyn gefahren. Bei Alois und Lisbeth Gabler habe er um Arbeit gefragt, denn es sei ihm langweilig gewesen. Bei Gablers konnte er die folgenden Monate auf dem Landwirtschaftsbetrieb helfen. Später durfte er bei Käsermeister Johannes Eberle drei Tage schnuppern. Für Eberle stand sofort fest: «Ich möchte ihm eine Chance geben.» Für seinen Lernenden findet der Käsermeister nur lobende Worte. «Hayatullah ist fleissig, zuverlässig, anständig und stets pünktlich.» Zudem trage er immer ein Lächeln auf seinem Gesicht.

Hayatullah Mohammadi verrät, dass er früher Käse nicht gekannt hat. «Ich wusste nicht, dass aus Milch überhaupt so viel hergestellt werden kann», sagt er und lacht. Am liebsten arbeite er im Käsekeller und pflege dort den Käse. «Das sogenannte Käseschmieren», führt er aus. Inzwischen isst er auch gerne Käse. ­Besonders mag er den Bischofszeller Nachtwächterkäse, eine Spezialität der Käserei Eberle.

Und worin liegt die Herausforderung bei der Ausbildung eines Lernenden mit Migrationshintergrund? «Sicher sind es die fehlenden Grundschulkennt­nisse», weiss Johannes Eberle. Er müsse viel mit bildlichen Bei­spielen erklären. «Da Hayatullah Mohammadi äusserst lernwillig ist, macht es mir aber Spass, ihn zu unterstützen.» Der Lernwille hat sich auch vor ein paar Tagen gezeigt: Der Afghane hat die praktische Autoprüfung bestanden. Auf die Theorie habe er sich mit einer CD im Selbststudium vorbereitet. Gefragt nach den Hobbys, sagt er: «Dafür habe ich momentan fast keine Zeit. Ich fahre zwar gerne Velo, und im Sommer ging ich ab und zu im Bodensee schwimmen.» Ein weiteres Ziel sei es, eine zweite Fremdsprache zu lernen. «Vielleicht Englisch.»

Lob für Lehrbetrieb und für Mohammadi

«In Muolen leben derzeit elf Migranten», sagt Bernhard Keller, Gemeindepräsident und Geschäftsführer der Vereinigung St. Galler Gemeindepräsidenten (VSGP). Muolen arbeitet mit dem Trägerverein Integrationsprojekte St. Gallen (TISG) zusammen und hat für die Migrantenaufnahme ein eigenes Unterkonzept mit Rahmenbedingungen erarbeitet. Für eine erfolgreiche Projektumsetzung ist die Zusammenarbeit mit externen freiwilligen Helfern unerlässlich. Hayatullah Mohammadi sei der erste Lernende in Muolen.

Die Ausbildung eines Migranten fordere den Lehrbetrieb, meint Bernhard Keller. «Wir schätzen es als Gemeinde sehr, dass die Käserei Eberle sich dieser Herausforderung stellt. Dem Lehrbetrieb gebührt grosser ­Respekt», betont der Gemeindepräsident und ergänzt, dass es sich bei der Integration von Hayatullah Mohammadi um eine ­«Bilderbuch-Integration» handle. Der Afghane sei motiviert und gewillt, etwas zu leisten. Zudem werde bei den meisten Migranten eine grosse Dankbarkeit verspürt, hier leben zu dürfen.

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