MOTORSÄGE: 90 Prozent der Hecke sind weg

Im Stephanshorn ist eine Baumhecke dem Erdboden gleichgemacht worden. Betroffen ist eine geschützte Hecke, von denen es auf Stadtgebiet Hunderte gibt. Aus Sicht der Stadt ist alles korrekt verlaufen.

Roger Berhalter
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Esther Suitela-Gasser vor den Baumstümpfen in ihrer Siedlung im Stephanshorn. (Bild: Benjamin Manser)

Esther Suitela-Gasser vor den Baumstümpfen in ihrer Siedlung im Stephanshorn. (Bild: Benjamin Manser)

Roger Berhalter

roger.berhalter@tagblatt.ch

Der Grill- und Spielplatz hinter dem Mehrfamilienhaus am Zilweg 15 bietet derzeit keinen schönen Anblick. Abgesägte Äste liegen aufgehäuft neben dem Pingpong-Tisch, am Boden vermischt sich Sägemehl mit den letzten Schneeresten. Und wo bis vor kurzem noch eine stolze Baumgruppe stand, klafft eine grosse Lücke: Nur noch Baumstümpfe ragen aus dem Boden.

«Es ist himmeltraurig, dass solche alten Bäume gefällt werden», sagt Esther Suitela-Gasser. Sie wohnt seit 2004 in der Siedlung im Stephanshorn, und schon seit Jahren beobachtet sie mit Sorge, wie im Quartier zwischen Zilstrasse, Ostfriedhof, Oberzil-, Brauer- und Rorschacher Strasse Baum um Baum verschwindet – «ohne dass auch nur einer nachgepflanzt worden wäre».

Für geschütztes Gehölz gelten strenge Regeln

23 abgesägte Baumstämme hat die Anwohnerin nach der jüngsten Fällung vor ein paar Tagen am Zilweg gezählt. Seit Jahren habe man die Hecke immer wieder mit der Säge gestutzt, mittlerweile seien 90 Prozent des geschützten Gehölzes weg. Sie spricht von einem «Kahlschlag».

Peter Heppelmann, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft im Stadtplanungsamt, ist die Hecke am Zilweg bekannt. Sie ist eine von mehreren hundert geschützten Gehölzgruppen auf Stadtgebiet, die im Zonenplan eingezeichnet sind. Für sie alle gilt: Der Grundeigentümer darf eine solche Hecke nicht einfach fällen und dauerhaft entfernen. Die städtische Bauordnung schreibt vielmehr vor: «Die im Zonenplan bezeichneten Gehölzgruppen sind zu erhalten.»

Laut Heppelmann hat der Grundeigentümer – im vorliegenden Fall sind es die Helvetia Versicherungen – richtig gehandelt. Die Stadt sei über die Fällung am Zilweg informiert gewesen, und ein Förster habe die Bäume vorher begutachtet. So sei in der Hecke zum Beispiel ein Bergahorn gewachsen, dessen Standsicherheit nicht mehr gewährleistet gewesen sei. Ähnlich wie die Esche, die im Innern schon brüchig und morsch war, wie jetzt auch die dunklen Flecken auf den Baumstümpfen zeigen. Die Fällung am Zilweg geschah also in erster Linie aus Sicherheitsgründen. Der zuständige Förster hat laut Peter Heppelmann schon vor Monaten auf die morschen Stämme hin­gewiesen. «Da muss ein Lie­genschaftsverwalter natürlich reagieren.»

Für Ersatz wird gesorgt

Heppelmann bezeichnet die Fällung der Hecke als «massive Massnahme», sie liege aber im Rahmen. Es sei auch klar, dass an Stelle der gefällten wieder neue Bäume gepflanzt werden müssten. «Die parkartigen Gehölze machen die Siedlung schliesslich attraktiv.»

Das Stadtplanungsamt werde nun zusammen mit der Liegenschaftsverwaltung besprechen, wie man die Hecke «ökologisch richtig pflegt» und welche Ersatzbepflanzung am besten passt. Das geht so weit, dass die Stadt der Liegenschaftsverwaltung konkrete Baum- und Strauch­arten vorschlägt. Schon bald dürften am Zilweg also wieder neue Bäume wachsen. Heppelmann: «Das sollte noch in diesem Frühjahr geschehen.»