Motorkraft gegen Pferdezug

ARBON. In der Garage von Markus Vonwiller reihen sich Motoren aus den Jahren 1895 bis 1930. Die Stationärmotoren gelten als Vorreiter von heutigen Hochleistungsmaschinen. Dokumentiert werden ihre Einsatzmöglichkeiten am «Arbon Classics».

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Die Deutz-Maschine Jahrgang 1905 ist Markus Vonwiller mit dem Restaurieren ans Herz gewachsen. (Bild: Fritz Heinze)

Die Deutz-Maschine Jahrgang 1905 ist Markus Vonwiller mit dem Restaurieren ans Herz gewachsen. (Bild: Fritz Heinze)

Der Begriff «Stationärmotor» ist nicht mehr aus der heutigen Welt. Aber er bildet zwischen der Pferdekraft und den heutigen Hochleistungsmaschinen ein wichtiges Glied. Er löste die Dampfmaschine ab und wurde von der Elektrizität von seinen Aufgaben entbunden. Für Markus Vonwiller sind Stationärmotoren das halbe Leben. Elf Motoren mit Jahrgängen zwischen 1895 und 1930 stehen in der Garage.

Gepflegt, gehegt und auf optimale Art und Weise restauriert, können sie mit wenigen Handgriffen in Bewegung gesetzt werden.

Finanzieller Kraftakt

Die grösste Maschine in seiner Sammlung ist ein Stationärmotor der deutschen Firma Deutz AG, gebaut 1905. Der Benzin-Viertakt-Motor hat acht Liter Hubraum und arbeitet mit acht PS. Allein das Schwungrad wiegt 750 Kilogramm, das mattschwarz gestrichene Ungetüm total 2,4 Tonnen.

Und wo wurden solche Maschinen eingesetzt? Markus Vonwiller, ehemaliger Automechaniker-Meister und heute an der Schweizerischen Technischen Fachschule in Winterthur Prorektor und zuständig für das Departement Automobiltechnik, hat die Maschine in Yverdon auf einem Bauernhof aufgespürt und vor drei Jahren restauriert. Sie wurde in der Landwirtschaftlichen Korporation eingesetzt, ob für das Rühren der Gülle oder zum Dreschen und ersetzte schon vor über 100 Jahren die menschliche Kraft.

Die Anschaffung eines Stationärmotors sei ein finanzieller Kraftakt gewesen, sagt Vonwiller. Schon damals und im Verlauf des 20. Jahrhunderts immer öfters, wählten Landwirtschaft und Wirtschaft Antriebsmöglichkeiten, deren Verfügbarkeit nicht zur Diskussion stand. Nicht wie etwa beim Wasserrad, bei dem nie die Gewähr bestand, dass genügend Wasser zum Antrieb der Maschinen zur Verfügung stand.

So wichen die Wasserkraft und der Pferdezug der neuen Technologie, dem Benzin- oder Gasmotor und später dem Dieselmotor.

Maschinen laufen und laufen

Wer glaubt, dass Stationärmotoren Mitte des 20. Jahrhunderts out waren, der täuscht sich. Vonwiller: «Diese Motoren sind nicht umzubringen, die laufen immer.» Und sollten Defekte auftreten, so lassen sie sich mit dem Fachwissen der Automobilmechanik beheben.

Vonwiller vermutet, dass solche Motoren bei dem einen oder anderen Ledischiff auf dem Zürichsee noch heute in Betrieb sind. Stationärmotoren wurden aber auch auf der Alp für den Betrieb der Melkmaschine oder auf einer Baustelle zum Betrieb des Kompressors eingesetzt.

Kenntnisse aus der Lehrzeit

Für Markus Vonwiller stellt die Technik der Stationärmotoren das elementare Funktionsprinzip des Motors dar. Kenntnisse darüber hat er sich in der Lehrzeit angeeignet.

Als Präsident des 27 Mitglieder zählenden «Stationär-Motoren-Clubs Schweiz» ist er zuständig für die Administration und die Leitung im technischen Bereich. Der Nachbau, die Restaurierung oder Reparatur eines Motors sind für ihn Herausforderungen, die er mit allen Mitteln zu meistern versteht. Die weltweite Vernetzung mit Gleichgesinnten hilft ihm, Probleme zu lösen. Im Rahmen des «Arbon Classics» am 1.

Mai wird der Verein mit einem Dutzend Maschinen zeigen, wie sie eingesetzt wurden und welche Technik verwendet wurde. (he)

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