Moratorium statt Zentrumsbau

ABTWIL. Er habe schon öfters beim Gemeindepräsidenten angeklopft, sagt Tilman Slembeck. Sein Anliegen: Anstelle der Alten Käserei soll ein Dorfplatz entstehen – und kein Neubau. An der Bürgerversammlung stellt der Abtwiler dazu einen Antrag.

Corinne Allenspach
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Die Alte Käserei im Dorfzentrum rückt wieder ins Blickfeld. Ein Abtwiler schlägt vor, sie abzubrechen und einen grossen Platz einzurichten. (Archivbild: Urs Jaudas)

Die Alte Käserei im Dorfzentrum rückt wieder ins Blickfeld. Ein Abtwiler schlägt vor, sie abzubrechen und einen grossen Platz einzurichten. (Archivbild: Urs Jaudas)

Tilman Slembeck will es sich gar nicht vorstellen, wie das Abtwiler Zentrum künftig aussehen wird. Mit einem vierstöckigen Bau anstelle der Alten Käserei. Gleich hoch wie der gegenüberliegende Zentrumspark aus den 80er-Jahren. Dies die Pläne der politischen Gemeinde. Nach der Lancierung eines Studienwettbewerbs hat sie vor einigen Monaten das Siegerprojekt des Teams Gilufa-Immobilien AG/prim architektur präsentiert (Tagblatt vom 12. November 2011). Einen winkelförmigen Bau mit zehn Wohnungen in den Obergeschossen und einem Arkadenbereich mit Läden im Erdgeschoss. «Wir haben sicher das Maximum herausgeholt für diesen Standort», sagte Gemeindepräsident Andreas Haltinner damals im Tagblatt.

Keine bevorzugte Wohnlage

Eine Ansicht, die der Gesundheitsökonom Tilman Slembeck aus Abtwil nicht teilt. «Wir brauchen keinen Turm», sagt er. Ein neuer, vierstöckiger Betonklotz mitten im Dorf sei unsinnig. Für Wohnungen sei das Grundstück an verkehrsreicher Lage sowieso nicht geeignet. «Und ob es schlau ist, noch mehr Ladenflächen einzurichten, währenddem im Zentrumspark alles leer steht, ist mehr als fraglich.» Was schlägt er vor? «Die Gemeinde soll die Alte Käserei abbrechen und der Bevölkerung einen Dorfplatz schenken.»

Seit Jahren sei er deswegen immer wieder bei der Gemeinde vorstellig geworden, sagt der Abtwiler. Jetzt sei es «höchste Eisenbahn», um an die Öffentlichkeit zu treten. An der Bürgerversammlung vom kommenden Montag wird er darum einen Antrag stellen: Auf Abstimmung über ein Moratorium. Die Alte Käserei soll abgebrochen und der bestehende Dorfplatz erweitert werden, das Grundstück mindestens die nächsten fünf Jahre im Besitz der Gemeinde bleiben. «Die Abtwiler hätten dann fünf Jahre Zeit, um mit dem Platz zu <üben> und zu schauen, was passiert», sagt Slembeck. Wenn die Bevölkerung nach der «Übungsphase» der Meinung sei, der Dorfplatz funktioniere nicht, dann könne man immer noch aufs Bauprojekt zurückkommen. «Aber wenn man jetzt schon baut, dann ist das wichtige Grundstück für die nächsten Generationen vergeben.»

Keine Spielregeln ändern

Gemeindepräsident Andreas Haltinner kann Slembecks Idee wenig abgewinnen. Als Begegnungsort würde man auch den neuen Platz nicht zum Leben erwecken können. «Schon wegen der Strassen.» Zudem könne man einen Platz nicht einfach Platz sein lassen. «Man muss ihn pflegen und gestalten. Das kostet.» Haltinner gibt ausserdem zu bedenken, dass man zum jetzigen Zeitpunkt nicht einfach «die Spielregeln ändern» und aus den laufenden Verfahren aussteigen könne. Es seien schon grössere Kosten für den Sondernutzungsplan entstanden. Aber selbst wenn die Gemeinde aussteigen könnte: «Aus raumplanerischer Sicht macht ein Bau mehr Sinn als ein Platz, um dem Zentrum ein Gesicht zu geben», sagt Haltinner. «Der neue Bau fasst den bestehenden Dorfplatz schön ein.» Eine Aussage, die Slembeck den Kopf schütteln lässt. «Die Gemeinde plant am Bürger vorbei», sagt er. «Das Volk soll entscheiden, was mit dem wichtigen Grundstück geschieht.»

Keine Abstimmung am Montag

Und wie wird der Gemeinderat am Montag auf den Antrag auf Abstimmung zum Moratorium reagieren? «Ich werde nicht abstimmen lassen können», sagt Haltinner. «Herr Slembeck kann die Zuständigkeiten des Gemeinderats nicht umgehen.»