Momoll spielt «Laura fehlt»

Schon 26 Jahre macht Momoll Theater. Die unabhängige Wiler Theaterbühne konzentriert sich seit sechs Jahren auf Theater mit Jugendlichen. Am Freitag ist Uraufführung des neuen Stücks.

Michael Hug
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Momoll-Gründerin und Regisseurin Claudia Rüegsegger (Mitte) arbeitet auch in «Laura fehlt» mit jugendlichen Laiendarstellern. (Bild: Michael Hug)

Momoll-Gründerin und Regisseurin Claudia Rüegsegger (Mitte) arbeitet auch in «Laura fehlt» mit jugendlichen Laiendarstellern. (Bild: Michael Hug)

WIL. Am Anfang stand ein Versprechen: «Wir werden uns niemals an einem grossen staatlich dirigierten Theaterhaus engagieren lassen!» Man war zu fünft, als man der damaligen Schauspiel- Akademie Zürich (heute Hochschule der Künste) nach zwei Jahren enttäuscht den Rücken kehrte, erinnert sich Claudia Rüegsegger: «Der Ausbildungsstil zielte auf Instrumentalisierung des Schauspielers im Regietheater. Sich selbst einbringen oder mitdenken war nicht gefragt.» Die Vision des Quintetts hiess unabhängiges Theater für das Volk – also Volkstheater. «Wir wollten Verantwortung für die Inhalte übernehmen.» Mit viel Enthusiasmus gründeten die fünf Neoschauspieler 1985 das «momoll-theater». Der Leitsatz war: «Momoll, das schaffen wir!»

Zuerst «Warten auf Godot»

Geld? Man hatte keines. Also spielte man Freilichttheater, wo immer sich ein Platz fand, hoffte auf stets gutes Wetter und legte als erstes Stück «Warten auf Godot» auf. Nach 20 Jahren und 17 Produktionen, vom Freien längst ins Innere von Kleintheaterhäusern gezogen, begann der Momoll-Theaterexpress zu stocken. Eine Identitätskrise: «Um ein Theater zusammenzuhalten, das Ensemble zu beschäftigen und die Finanzierung sicherzustellen, ist es nötig, jedes Jahr eine Produktion auf die Beine zu stellen. Weniger wichtig ist dabei, ob sich das überhaupt jemand ansieht. Es wird produziert, ein paar Mal verwertet und dann kommt das nächste Stück.»

Dieser Maschinerie wollte sich das Momoll, wo Rüegsegger mittlerweile noch das einzige Gründungsmitglied war, nicht mehr anschliessen. «Heute sind wir weggekommen vom Ensemblegedanken. Wir arbeiten in Netzwerken, wenn uns ein Stück, eine Idee, ein Buch anspringt, suchen wir die Leute zusammen und machen es.»

Auf Jugendtheater gesetzt

«Wir», das sind Michael Oggenfuss, Claudia Rüegsegger, Jürg Schneckenburger und Barbara Schüpbach. Doch in 25 Jahren hat sich auch das Umfeld verändert. «Die Leute wollen Comedy sehen», sagt Claudia Rüegsegger. Deshalb hat das Momoll, das auch ein Verein mit rund 300 Mitgliedern ist, seit sechs Jahren keine Eigenproduktion mehr für Erwachsene gezeigt und stattdessen 2007 das Momoll Jugendtheater gegründet. Darin spielen Jugendliche selbst gewählte Themen. Rüegsegger: «Das bedeutet nicht, dass wir damit zu kostenlosen Schauspielern kommen.» Das System Momoll Jugendtheater baut auf Lust und Eigendynamik. Jedes Jahr wird ein Theaterkurs für Jugendliche ausgeschrieben. Darin lernt rund ein Dutzend theaterbegeisterte Jugendliche die Grundzüge der Schauspielkunst. Rüegsegger: «Am Ende des Kurses wollen dann alle ein richtiges Stück aufführen.» Gemeinsam wird nach Stoff gesucht, werden Vorschläge diskutiert – bis man sich auf ein bestimmtes Stück einigt. «Die Eifrigsten, die schon zum zweiten, dritten oder vierten Mal dabei sind, wissen, worauf sie sich einlassen. Es kostet sie nämlich einiges an Freizeit!», sagt Claudia Rüegsegger.

Doch weil die Momoll-Jugendlichen – zurzeit drei Burschen und neun Mädchen zwischen 13 und 20 Jahren aus der Region Wil-Südthurgau-Untertoggenburg – derart von der Schauspielerei angefressen sind, lassen sie ohne Murren ein ganzes Osterwochenende für Proben draufgehen.