Momente aus Zeitungspapier

«Menschensachen» heisst die Ausstellung des Künstlers Vaclav Elias, die im Schloss Dottenwil zu sehen ist. Der Perfektionist arbeitet gerne mit Zeitungspapier. Die Vernissage am Samstag war gut besucht.

Andrina Zumbühl
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Vaclav Elias' «Menschensachen» aus Zeitungspapier sind noch bis am 6. Dezember im Schloss Dottenwil zu sehen. (Bild: Urs Bucher)

Vaclav Elias' «Menschensachen» aus Zeitungspapier sind noch bis am 6. Dezember im Schloss Dottenwil zu sehen. (Bild: Urs Bucher)

WITTENBACH. Vaclav Elias haucht alten Zeitungsseiten neues Leben ein. Aus Drahtskeletten und Papiermaché formt der Künstler Figuren. Er stellt Menschen in alltäglichen Momenten dar. Lesend, spazierend, rauchend oder einfach nur nachdenklich dastehend. Meist bemalt er seine Figuren so, dass die Zeitungstexte noch durchscheinen.

Bis am 6. Dezember zu sehen

In seiner aktuellen Ausstellung «Menschensachen» im Schloss Dottenwil in Wittenbach stellt Elias Skulpturen und Bilder aus, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Die Kunstwerke können bis zum 6. Dezember in der Kellergalerie des Schlosses bewundert werden. Am Samstagabend fand die Vernissage statt, die zahlreiche Kunstinteressierte nach Wittenbach lockte.

Eigene Geschichten ausdenken

Der Anlass startete mit Musik von Gabriel Eschenmoser und Simon Dardo. Matthias Peter, Leiter der Kellerbühne St. Gallen, stellte den Künstler vor. Der 57jährige Vaclav Elias ist in der Tschechoslowakei geboren und im Alter von 14 Jahren mit seiner Familie in die Schweiz gezogen. Ursprünglich zum Zahntechniker ausgebildet, hat es Elias aber schnell zum Theater gezogen. Als Bühnenbildner und Gestalter hat Elias in verschiedenen Häusern gearbeitet, unter anderem auch am Theater St. Gallen. Seit etwa 30 Jahren wohnt der Künstler mit seiner Frau in der Gallusstadt und leitet seit 2009 verschiedene Gestaltungskurse. In seinen Skulpturen kommen immer wieder Bücher vor. Dies liege unter anderem daran, dass Elias' Ehefrau Buchhändlerin sei, erklärte Peter. Beim Lesen von Büchern tauche man in eine Welt der Imagination ein. Genauso verhalte es sich beim Betrachten der verschiedenen Figuren. «Jeder Betrachter kann sich zu den Figuren eine eigene Geschichte zusammenreimen», sagte Peter.

Am liebsten unter Zeitdruck

Für Schmunzeln sorgte eine Skulptur, die aus fünf Personen besteht. Ganz unten steht eine einzelne Person, welche die übrigen vier auf ihren Schultern trägt. «Allein unter Freunden» ist der Titel des Werks. Besondere Freude hat der Künstler an seinem Werk «Bunte Freunde». «Es war aber Liebe auf den zweiten Blick.» Erst ganz kurz vor der Vernissage, als er seine «Freunde» fertig bemalt hatte, seien sie ihm ans Herz gewachsen. «Ich arbeite am liebsten unter Zeitdruck», sagte der Künstler augenzwinkernd.

Ideen für neue Skulpturen findet der Künstler in alltäglichen Situationen oder teilweise in Träumen. «Das Schöne beim Arbeiten mit Zeitung sind die Zufälle, die sich aufgrund des Materials ergeben», findet er. Mit diesem Material sei es unmöglich, seinem Hang zum Perfektionismus zu sehr nachzugeben.