Mörschwil trotzt Lädelisterben

Der Käsilade in Berg SG kämpft wegen fehlender Kundschaft ums Überleben. Ganz anders sieht es in Mörschwil aus. Hier kaufen viele noch im Dorf ein. Grund dafür sei die Qualität. Und: In Mörschwil versuche man, Dorfläden zu stärken.

Linda Müntener
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Kleine Dorfläden haben Schwierigkeiten, sich gegen Grossverteiler durchzusetzen. Die Mörschwiler Läden halten sich trotzdem. (Bild: Hanspeter Schiess)

Kleine Dorfläden haben Schwierigkeiten, sich gegen Grossverteiler durchzusetzen. Die Mörschwiler Läden halten sich trotzdem. (Bild: Hanspeter Schiess)

MÖRSCHWIL. Aktionen, Rabatte und Spezialangebote: Täglich flattern Werbeflyer von Grossverteilern in die Briefkästen, die Kundschaft anlocken. Kleine Dorfläden haben es da immer schwerer, sich zu behaupten. So auch der Käsilade in Berg SG. Pächterin Irene Miele klagt über fehlende Kundschaft (Tagblatt vom 15. März). Die meisten Bergerinnen und Berger kauften auswärts ein, die Zukunft des Käsiladens sei ungewiss. Was in Berg ein grosses Problem ist, scheint in Mörschwil zu funktionieren. In der kleinen Gemeinde gibt es eine Landi mit Volg, zwei Bäckereien und eine Molkerei. Und dies trotz Konkurrenz im nahe gelegenen St. Gallen und Goldach.

Persönlichkeit und Qualität

Woran das liegen könnte, erklärt Roger Jud, Präsident des Mörschwiler Gewerbevereins: «Die meisten Geschäfte in Mörschwil sind alteingesessen.» Man kenne sich. «Dadurch ist das Verkaufsgespräch viel persönlicher als in einem grossen Einkaufszentrum», sagt Jud. Gerade in Zeiten, wo der Konsument wissen will, woher seine Lebensmittel kommen, sei dies wichtig. «Bestes Beispiel dafür ist die Metzgerei Ehrbar, die in unseren Volg integriert ist», sagt Jud. Diese werde von einem selbständigen Metzger geführt, der ganz genau wisse, woher das Fleisch in seiner Ladentheke komme. «Er kennt beinahe die Vornamen der Tiere, deren Fleisch er gerade verkauft», sagt Jud und schmunzelt.

Hinzu komme, dass die Mörschwiler Detailhändler grossen Wert auf Qualität legen. Einige seien sogar über die Dorfgrenze hinaus bekannt. Wie zum Beispiel das Whisky-Geschäft «House of Single Malts». «Solche speziellen Geschäfte locken auswärtige Kundschaft an, die ihre restlichen Einkäufe oft gleich in den Dorfläden tätigen», sagt Jud. Die Mörschwiler Dorfläden dienen aber nicht nur der Versorgung. Sie tragen auch wesentlich zum Dorfcharakter bei. «Die Dorfläden sind ein wichtiger Treffpunkt», sagt Gemeindepräsident Paul Bühler. «Neben dem Einkauf ist immer Zeit für einen kleinen Dorfklatsch.» Albin Egger, der eine Bäckerei und Konditorei in Mörschwil führt, bestätigt das. «Bei uns plaudern die Kundinnen und Kunden oft miteinander – auch wenn es kein eigentliches Café in der Bäckerei gibt.»

Konkurrenz spürbar

Trotz qualitativ hochwertiger Produkte und persönlicher Beratung spüren aber auch die Mörschwiler Läden die Konkurrenz der Grossverteiler. «Es gibt zwar durchaus Leute, die nach ihrem Besuch im Einkaufszentrum noch extra zu uns kommen, um Brot zu kaufen», sagt Albin Egger. «Die meisten kaufen aber alles am selben Ort ein.» Das sei eben praktischer. Vor allem die Metzgereien haben dies in den vergangenen Jahren zu spüren bekommen. «Vor einigen Jahren gab es in Mörschwil noch drei Metzgereien», sagt Jud. Bis heute konnte sich aber nur die Metzgerei Ehrbar im Volg halten.

«Aufeinander schauen»

In Mörschwil versuche man deshalb, die Dorfläden zu stärken. «Man schaut aufeinander», sagt Jud. Für das Catering bei öffentlichen oder privaten Anlässen werde beispielsweise oft das lokale Gewerbe bevorzugt. «Das ist wichtig.» Um das Überleben der Dorfläden langfristig zu sichern, gebe es jedoch nur einen Weg, wie Albin Egger klarmacht: «Die Leute müssen die Arbeit von kleinen Detaillisten wieder mehr wertschätzen und dafür auch bereit sein, ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen.»

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