MÖRSCHWIL: Kanton sagt Nein zu «Moerswil»

Das Baudepartement hat einen Rekurs gegen das Abbruch- und Baugesuch für den «Freihof» gutgeheissen. Der Gemeinderat hat sich vorsorglich beschwert und geht nach den Sommerferien über die Bücher.

Daniel Wirth
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Der «Freihof» zwischen «Ochsen» (links) und «Adler» von Osten betrachtet. (Bild: Michel Canonica (28. August 2013))

Der «Freihof» zwischen «Ochsen» (links) und «Adler» von Osten betrachtet. (Bild: Michel Canonica (28. August 2013))

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch

Der «Ochsen», der «Freihof» und der «Adler». Diese drei Gebäude bilden als Ensemble das Dorfzentrum von Mörschwil. Der Gemeinderat will das ehemalige Restaurant Freihof, das seit 2001 im Besitz der Gemeinde ist, abreissen und durch einen Neubau ersetzen. Gleichzeitig soll die St. Gallerstrasse moderat umgestaltet und durch ein beidseitiges Trottoir ergänzt werden. Die Bürgerversammlung von Mörschwil hatte sich im Frühling 2013 für dieses Vorgehen entschieden – nach einer jahrelangen Vorgeschichte und einer Variantensuche durch die Arbeitsgruppe «Freihof – wohin?». Jetzt ist die Verwirklichung dieser Pläne blockiert. Das Baudepartement des Kantons St. Gallen hat den Rekurs von Beatrice Mülli gegen das «Abbruch- und Baugesuch Freihof» gutgeheissen.

Zur Überraschung des Gemeinderates, wie dieser im druckfrischen Mitteilungsblatt schreibt. Zur Wahrung der Fristen habe er beschlossen, vorsorglich beim Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen gegen den Entscheid des kantonalen Baudepartements Beschwerde zu er­heben. Der Gemeinderat wolle dann nach den Ferien im August aufgrund einer detaillierten Analyse und Beurteilung des Rekursentscheids das weitere Vorgehen in Sachen «Freihof» festlegen.

Nochmals zwei Schritte zurück in der Planung?

Wenn der Gemeinderat seine Beschwerde aufrecht hält, wird als nächste Instanz das St. Galler Verwaltungsgericht darüber befinden müssen. Sollte der Gemeinderat den Entscheid des Baudepartementes akzeptieren, stünde die Gemeinde Mörschwil beim «Freihof» wieder auf dem Startfeld. Dann müsste wohl ein anderes Projekt als «Moerswil» herangezogen oder sogar nochmals über eine Totalsanierung des seit langer Zeit ungenutzten «Freihofs» diskutiert werden.

Gemäss Gemeinderat wird im Entscheid des Baudepartements erwähnt, dass der geplante Ersatzbau «Moerswil» nach Plänen des St. Galler Architekten Beat Consoni für sich alleine betrachtet von hoher architektonischer Qualität ist. An diesem prominenten Ort im Dorfzentrum von Mörschwil sei er hingegen fehl am Platz. Der umstrittene Ersatzbau sei aufgrund seiner Form, Grösse, Gebäude- und Fassadenhöhe, Fassadengestaltung und Dachform ortsfremd und damit kein adäquater Ersatz für den «Freihof». Entgegen der Auffassung des Gemeinderates füge er sich nicht besonders gut ins geschützte Ortsbild ein und ergänze dieses nicht im positiven Sinn.

Das Projekt «Moerswil» ging als das beste aus einem Wettbewerb hervor. 13 Büros hatten ihre Arbeiten eingereicht. Diese wurden bewertet von einer Jury, der neben Mitgliedern des Gemeinderates vier Architekten und eine Raumplanerin angehörten. Gemeindepräsident Paul Bühler, der ebenfalls in der Jury war, sprach 2014 von einem «mutigen Entscheid». Er sollte recht behalten.

Das Projekt wurde angepasst: Holz statt Beton

Beat Consoni, der mit «Moerswil» bei weitem nicht den ersten Wettbewerb gewann und ein renommierter Architekt ist, plante einen puristischen Würfel mit einem flachen Satteldach und einer Betonfassade. Der Kubus war anfänglich etwas höher vorgesehen als der «Ochsen» und der «Adler» es sind. Im Wissen, dass «Moerswil» ein eigenwilliges Projekt ist, konsultierte der Gemeinderat von sich aus zusammen mit dem Projektverfasser die kantonale Denkmalpflege.

Diese kritisierte die Höhe, die Dachform und die Materialisierung. Beat Consoni passte das Projekt entsprechend an. Die Fassade wurde in Holz geplant. Im September 2015 legte der Gemeinderat das überarbeitete Projekt öffentlich auf. Gegen das Abbruch- und Baugesuch ging eine Einsprache ein. Diese wurde vom Gemeinderat abgewiesen, worauf dieser Entscheid von der Einsprecherin an den Kanton gezogen worden ist. Jetzt hat der Kanton zu Gunsten der Einsprecherin entschieden.

Der «Freihof» hat eine bewegte Geschichte: Bis 1988 war er ein beliebtes Restaurant, danach Asylunterkunft und bis heute Fasnachtssujet. Künftig soll der «Freihof» ein Wohn- und Gewerbehaus werden.