Mörschwil kann bald wachsen

Rund 1000 Einwohner: Um so viel ist Mörschwil seit 1990 gewachsen. Inzwischen lassen sich freie Bauplätze an einer Hand abzählen. Der neue Richtplan soll dies jetzt ändern. Denn Mörschwil will weiter wachsen – moderat und geordnet.

Corinne Allenspach
Merken
Drucken
Teilen
Wohnen mit Seesicht: Wo heute Kühe grasen, an der Horchentalstrasse vis-à-vis der Dreifachhalle, könnte laut Richtplan bald gebaut werden. (Bild: Urs Jaudas)

Wohnen mit Seesicht: Wo heute Kühe grasen, an der Horchentalstrasse vis-à-vis der Dreifachhalle, könnte laut Richtplan bald gebaut werden. (Bild: Urs Jaudas)

MÖRSCHWIL. Anfang Woche läutet das Telefon bei Gemeindepräsident Paul Bühler besonders häufig. Speziell nach einem schönen Wochenende, wenn viele Leute spazieren waren. «Dann fragen manchmal gleich mehrere Personen am gleichen Tag nach Bauland», sagt Paul Bühler. Doch dieses ist in Mörschwil momentan rar oder wie es der Gemeindepräsident ausdrückt: «Ich könnte selbst meinem besten Freund nichts anbieten.»

«Kleine Würfe auch wertvoll»

Bauland ist etwas vom wenigen, woran es in Mörschwil derzeit mangelt. Infrastrukturmässig ist die Gemeinde dank Grossinvestitionen in den vergangenen Jahren à jour. Das neue Gemeindehaus wurde 1998 eröffnet, der Werkhof 2006, die Sporthalle Seeblick 2010 und das Alters- und Pflegezentrum soll 2015 bezugsbereit sein. Auch ein neues Schulhaus ist in Planung. Zudem ist die 3500-Seelen-Gemeinde tagsüber im 15-Minuten-Takt mit dem Stadtbus erschlossen und verfügt über ein funktionierendes Strassennetz. Da erstaunt es denn wenig, dass grosse Würfe im neuen Richtplan fehlen. «Manchmal sind auch kleine Würfe geradeso wertvoll», sagt Paul Bühler.

Im Prinzip sei der neue Richtplan nicht viel anders als jener aus den 70er-Jahren. Was heissen will: Die bisherige Entwicklung Mörschwils soll fortgeführt werden. Mit einem «moderaten» und mehr «auf Qualität als auf Quantität» ausgerichteten Wachstum. Angestrebt wird für die nächsten 25 Jahre ein jährliches Bevölkerungswachstum von durchschnittlich einem Prozent – 35 bis 40 neue Einwohner pro Jahr.

«Linie 11 ist kein Dorfbus»

Neuer Wohnraum soll vor allem dort entstehen, wo die Infrastruktur bereits vorhanden ist, um eine weitere Zersiedelung zu verhindern. In erster Priorität beispielsweise vis-à-vis der Sporthalle Seeblick, entlang der Schulstrasse oder in den Gebieten Hueb und Häftlibach. «Das sind aber erst Ideen», betont Paul Bühler. Noch habe man nicht mit Grundeigentümern geredet.

Wird das Wohngebiet Häftlibach einst realisiert, wäre eine neue Bushaltestelle an der Fahrnstrasse nötig. Eine Erweiterung der Linie 11, etwa bis zum Bahnhof Mörschwil, wie das schon diskutiert wurde, sei kein Thema. «Der <11er> ist kein Dorfbus», sagt Bühler. «Die Busbenützer wollen nach St. Gallen. Und das möglichst rasch und ohne Umwege.»

In erster Linie Wohngemeinde

Rund ein Jahr lang dauerte die Ausarbeitung des neuen Richtplans in Zusammenarbeit mit dem St. Galler Planungsbüro Eigenmann Rey Rietmann. Auf mehreren Dorfrundgängen habe man mögliche Entwicklungsgebiete «gründlich angeschaut», so Bühler. Herausgekommen sei «nichts Überraschendes».

Mörschwil wird im Agglomerationsprogramm St. Gallen-Arbon-Rorschach als Gemeinde mit hauptsächlicher Wohnfunktion beschrieben. «Und Mörschwil wird auch weiterhin ein Dorf mit hoher Wohnqualität bleiben.» Wobei neuer Wohnraum «tendenziell eher für Einfamilien- als für Mehrfamilienhäuser» geschaffen werde.

Erneut Bodenpolitik betreiben

Um auch Familien den Hausbau zu ermöglichen, hat die Gemeinde in der Vergangenheit aktive Bodenpolitik betrieben. Im Gebiet Hueb/Otmarstrasse kaufte sie rund 30 000 Quadratmeter Land, um dies anschliessend zu «moderaten Preisen» und nach festgelegten Kriterien an junge Mörschwiler Familien zu verkaufen. Wird es wieder ein solches Projekt geben? «Das wäre schön», sagt Bühler. Voraussetzung sei aber, dass es für alle stimme, auch für die Grundeigentümer.

Bis Paul Bühler Anfragen nach Bauland wieder nachkommen kann, wird es noch dauern. Die Mörschwiler Bevölkerung, aber auch die Nachbargemeinden und die Region Appenzell AR–St. Gallen–Bodensee haben bis Ende Jahr Zeit, schriftlich Stellung zum neuen Richtplan zu nehmen. Die Stellungnahmen werden danach vom Gemeinderat behandelt. Das letzte Wort hat der Kanton. Er muss den Richtplan beurteilen, bevor in Mörschwil auch nur eine Parzelle neu eingezont werden kann.