MÖRSCHWIL: «Ist ein Tier infiziert, muss die ganze Herde sterben»

Seit das Vogelgrippevirus in Vorarlberg ausgebrochen ist, gibt es in der Schweiz eine Stallpflicht. Diese Massnahme funktioniert aber nicht bei allen Tieren.

Christoph Renn
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Trotz der Gefahr durch den Vogelgrippe-Virus dürfen die Strausse in Mörschwil die frische Luft geniessen. (Bild: PD)

Trotz der Gefahr durch den Vogelgrippe-Virus dürfen die Strausse in Mörschwil die frische Luft geniessen. (Bild: PD)

Hühner dürfen nur noch in geschlossenen Ställen gefüttert und getränkt werden. Zudem sind Geflügelausstellungen verboten. Diese Regelung hat das Veterinäramt erlassen, nachdem bei toten Vögeln – hauptsächlich Reiherenten – am Bodensee das Vogelgrippevirus nachgewiesen werden konnte. Dies hat auch Folgen für die Geflügelhochburg Mörschwil. «Wir haben die Sicherheitsmassnahmen sofort ergriffen, noch bevor das Veterinäramt die Stallpflicht erlassen hat», sagt Robin Geisser, der mit seinen beiden Brüdern die Geflügelgourmet AG betreibt. Vor allem im Schlachtbetrieb in Staad, in der Nähe des ersten Vogelgrippefalls in Vorarlberg, müssten die Arbeiter seither die Kleider vor jedem Eintritt wechseln und desinfizieren. «Zudem dürfen alle unseren Bauern die Tiere nicht mehr aus dem Stall lassen.» Der Grund ist einfach: «Die Tiere sind unsere Lebensgrundlage», sagt Geisser. Deshalb würden sie keinerlei Risiko eingehen und die Thematik sehr ernst nehmen.

«Virus ist für Menschen nicht gefährlich»

Etwas anders geht Cornel Eberle von der Straussenfarm in Mörschwil mit dem jüngsten Ausbruch des H5N8-Virus um: «Ich lasse meine Tiere immer noch nach draussen.» Dies bedeute jedoch nicht, dass er das Thema nicht ernst nehme, denn auch seine Strausse sind vor dem Virus nicht sicher. «Bei meinen Stallungen ist es jedoch fast unmöglich, die Tiere wochenlang drinnen zu behalten.» Doch sei er in regelmässigem Kontakt mit dem Kanton und informiere sich über die Ausbreitung des Virus. Er hoffe, dass die Vogelgrippe in der Schweiz bald kein Thema mehr sei. «In den vergangenen Tagen habe ich von keinen neuen Fällen gehört», sagt Eberle. Würde sich eines seiner Tiere dennoch infizieren, wäre das «das absolute Horrorszenario». «Dann müsste die ganze Herde sterben. Das wäre nicht nur finanziell ein Kraftakt, sondern auch psychischer Stress.» Doch wolle er nicht aus Angst Vorkehrungen treffen, die dann vielleicht doch nichts nützten. «Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Virus unter den Nutztieren ausbreitet, wird im Moment gering eingeschätzt.» Und der Subtyp H5N8 unterscheide sich in einem wichtigen Punkt vom letzten Vogelgrippevirus. «Er ist für Menschen nicht gefährlich», sagt Eberle. Dies betont auch Robin Geisser.

Hühner und Enten streng trennen

Wie lange die Stallpflicht in der Schweiz noch gilt, können weder Geisser noch Eberle sagen. «Ich bin fast täglich mit dem Veterinäramt in Kontakt und beobachte die Lage genau», sagt Geisser. Aber auch er sieht der Zukunft positiv entgegen: «Es sieht danach aus, dass der Virus nicht so schlimm ist.» Trotzdem müssen die Tiere vorerst im Stall bleiben. Vor allem die Wasservögel, denn diese sind laut Geisser besonders betroffen. «Deshalb müssen unsere Enten in Walzenhausen bis auf weiteres drinnen bleiben.» Und noch wichtiger: «Hühner und Enten werden streng voneinander getrennt.»