MÖRSCHWIL: Die nächste Generation übernimmt

Mit 18 Jahren tritt Nadine Hürlimann die Leitung der Landi-Filiale an. Erich Engeler geht nach 32 Jahren in den Ruhestand. Seine Pension markiert einen Schnitt in der Geschichte der Genossenschaft.

Noemi Heule
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36 Jahre trennen sie: Nadine Hürlimann übernimmt die Landi-Leitung von Erich Engeler. (Bild: Noemi Heule)

36 Jahre trennen sie: Nadine Hürlimann übernimmt die Landi-Leitung von Erich Engeler. (Bild: Noemi Heule)

Einen «Bürogummi» hat ihn ein Bauer genannt, als Erich Engeler nach Mörschwil kam. Ahnung von der Landwirtschaft, das habe der Kaufmann nicht. Heute, 32 Jahre später, kurz vor der Pensionierung, hat Engeler längst das Gegenteil bewiesen. Der Geschäftsführer der Landi Mörsch­wil kennt die Bauern persönlich und weiss ihnen weiterzuhelfen, wann immer sie zu ihm in den Laden kommen. Die Einarbeitungszeit aber, im Jahr 1985, sei manchmal ein «Knorz» gewesen. Nun erwartet Nadine Hürlimann eine ähnliche Herausforderung. Sie übernimmt, frisch ab der Lehre, die Leitung der Filiale.

«Meine Erlebnisse könnten ein Buch füllen», sagt Engeler über die vergangenen Jahrzehnte. Wenige Tage vor seiner Pensionierung zeugen die kahlen Wände seines Büros bereits vom bevorstehenden Umzug. Nur quadratische Flecken auf der verblichenen Wand verraten den Wandschmuck, der hier bis vor kurzem am Nagel hing. Nicht nur sein Job habe sich über die Jahre verändert, sondern der gesamte Detailhandel. Engeler nennt Schlagworte wie das Lädelisterben, die Digitalisierung oder der steigende Konkurrenzdruck.

Er selbst nahm in seiner Funktion als Geschäftsführer mehrere Rollen ein. Berater, Buchhalter, Lagerist oder Tankwart sei er gewesen. «Früher musste man Allrounder sein», sagt er. Da die einzelnen Bereiche immer komplexer würden, sei es heute schwierig, alles abzudecken. Auch in der Landi Mörsch­wil werden viele Aufgaben seit Jahresbeginn nicht mehr vor Ort erledigt. Während er für die Geschicke der Landi, des Volgs und der Dorfmetzgerei zuständig war und nebenbei die Tankstelle und den Handel mit Futtermittel oder Treibstoff verantwortete, wird sich seine Nachfolgerin auf die Landi-Filiale beschränken. Die übrigen Geschäfte werden von Goldach aus gesteuert.

Verantwortung getrost abgeben

Vor einem Jahr fusionierte die Landi-Genossenschaften der beiden Dörfer. Bereits im Jahr davor war klar, dass die Pensionierung von Erich Engeler diesen Schritt markieren soll. Während er selbst die Fusion befürwortete, wehte ihr im Dorf ein rauer Wind entgegen. Als «Totengräber der Genossenschaft» wurde Engeler bezeichnet, Unterschriften wurden gesammelt und Reden geschwungen. Dennoch sagten die Genossenschafter schliesslich deutlich Ja zur Fusion mit der grossen Schwester in Goldach. Erich Engeler spricht von einer harten Zeit, aber auch einem wichtigen Schritt. «Man kann sich nicht gegen die Entwicklung stellen.»

Der Druck zu stetigem Wachstum kam nicht zuletzt von der eigenen Handelskette, die etwa eine gewisse Filialgrösse vorschreibt. In Mörschwil aber sei der Kundenstamm beschränkt. «Wir haben keinen Durchgangsverkehr und deshalb kaum auswärtige Kundschaft», sagt er. Immer wieder habe er sich in der Vergangenheit Gedanken über die Zukunft der Landi Mörschwil gemacht. Diese Last sei mit der Fusion von ihm abgefallen und er könne die Verantwortung getrost abgeben. Nun freut sich der dreifache Familienvater auf den Ruhestand, auf Zeit für sich und ab und an einen Schluck Wein. Der Weinsektor war denn auch sein Steckenpferd in der Landi. Er wird ihm fehlen, genauso wie die Gespräche mit den Kunden.

Genau darauf freut sich dagegen Nadine Hürlimann. Nach ihrem Lehrabschluss in Goldach suchte die 18-Jährige einen Platz in einer kleineren, beschaulicheren Landi. Eine Filiale, in der das Dorfleben spürbar ist. Die Bergerin wurde in Mörschwil fündig. Und sogleich für die Leitung vorgesehen. «Ich bin mir bewusst, dass ich am Anfang kritisch beäugt werde», sagt sie. Dennoch freut sie sich auf die Herausforderung und ist zuversichtlich, dass sie allfällige Startschwierigkeiten genauso meistern wird wie Erich Engeler vor 32 Jahren.

Geschäftsübergabe

Übermorgen Samstag, Apéro, Landi Mörschwil, 8 bis 16 Uhr