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MÖRSCHWIL: Der "Freihof" verlottert standhaft

Der "Freihof" bleibt dem Mörschwiler Zentrum, zumindest vorerst, erhalten. Nach einem jahrelangen Hickhack sucht die Gemeinde eine neue Lösung.
Noemi Heule
Der "Freihof" ist für viele Mörschwiler längst zum Schandfleck verkommen. (Bild: Michel Canonica)

Der "Freihof" ist für viele Mörschwiler längst zum Schandfleck verkommen. (Bild: Michel Canonica)

Er war einst Schmuckstück, galt dann als Schandfleck und ist vor allem Streitobjekt. Der «Freihof» in Mörschwil, der zusammen mit dem «Adler» und dem «Ochsen» das Dorfzentrum markiert. Für viele ist der markante Bau längst zum Makel verkommen. Ginge es nach einer Mehrheit der Stimmbürger sollte die einstige Brauerei denn auch längst aus dem Ortsbild getilgt sein. Doch der «Freihof» übersteht einen weiteren Abrissversuch. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit resigniert die Gemeinde und lässt das Projekt «Moerswil» fallen.

Die Pläne sahen vor, das Giebelhaus durch einen Kubus zu ersetzen. Gegen Abbruch und Neubau erhob die Anwohnerin Beatrice Mülli Einsprache und zog den Fall vor das kantonale Baudepartement. Dieses gab ihr im Juli Recht mit der Begründung, der Entwurf von Architekt Beat Consoni füge sich nicht in das geschützte Ortsbild ein. Die Gemeinde, welche die gesamten Verfahrenskosten zu tragen hat, reichte «vorsorglich» Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. Nun zieht sie diese zurück. Damit ist ein Neubau vom Tisch. Zumindest vorerst.

Das Projekt "Moerswil" von Architekt Beat Consoni ist endgültig vom Tisch. (Bild: PD)

Das Projekt "Moerswil" von Architekt Beat Consoni ist endgültig vom Tisch. (Bild: PD)

Denkmalpflege nimmt zwiespältige Rolle ein

Das Urteil sei aus denkmalpflegerischer Sicht eindeutig ausgefallen , begründet der Gemeinderat den Entscheid im Mitteilungsblatt. «Eine ‹Nachbesserung› des Projektes ist weder möglich noch zielführend.» Auch geht er davon aus, dass das Verwaltungsgericht den Entscheid stützen würde. Mehr will Gemeindepräsident Paul Bühler derzeit nicht sagen. Er lässt sich einzig zu einer Aussage hinreissen: «Es herrscht eine gewisse Enttäuschung.» Diese Worte sind an die kantonale Denkmalpflege gerichtet, die im jahrelangen Hickhack eine ambivalente Rolle einnahm.
Der Entwurf von Beat Consoni ging 2014 als Sieger aus einem Architekturwettbewerb hervor. Der Gemeinderat lud die Denkmalpflege damals ein, in der Jury Einsitz zu nehmen. Sie lehnte ab. Im gleichen Jahr klopfte er erneut bei der Denkmalpflege an. «Um auf Nummer sicher zu gehen», verlangte er eine Stellungnahme zum Bauprojekt. Michael Niedermann, Leiter der kantonalen Denkmalpflege, attestierte dem Entwurf zwar eine hohe architektonische Qualität, bezeichnete ihn aber als «ortsfremd».

Daraufhin wurde das Projekt angepasst: Statt Beton wurde Holz für die Fassade gewählt und die Höhe verringert. Der Entwurf landete erneut auf dem Schreibtisch der Denkmalpflege. Sie blieb bei ihrem Urteil, bezeichnete das Gebäude als «kompromisslos und problematisch». Dennoch versicherte sie: Sie werde sich nicht gegen den Neubau stemmen, sollte sich die Gemeinde entschlossen dafür einsetzen. Niedermann drückt sich seither vor einer öffentlichen Stellungnahme. Verwies er in der Vergangenheit auf das laufende Verfahren, führt er nun hängige Gespräche mit Beteiligten ins Feld.

Einsprecherin verspricht Fortsetzung

Die Gemeinde wird nun in ihrer Planung um Jahre zurückgeworfen. Wie weit, kann Paul Bühler nicht sagen. So könnte etwa ein anderer Entwurf aus dem Architekturwettbewerb aus der Schublade gezogen werden. Erst jüngst forderte eine Gruppe per Flugblatt, dass das zweitplatzierte Projekt in Betracht gezogen werde. Für Einsprecherin Beatrice Mülli, die seit 13 Jahren für den «Freihof» kämpft, kommt hingegen einzig eine Sanierung des Gebäudes in Frage. «Ich werde mich auch in Zukunft gegen einen Abriss wehren.»

Der jahrelange Streit um den «Freihof» hat wohl noch nicht die letzte Wendung genommen. Derweil steht der geschichtsträchtige Bau wie gehabt etwas quer im Mörschwiler Zentrum, ragt mit einer Ecke gar fast in die Strasse hinein. Und eckt weiter an.

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