MÖRSCHWIL BLEIBT UNERREICHTMÖRSCHWIL BLEIBT UNERREICHT: Wittenbach holt auf

Die Region St. Gallen-Gossau ist wieder etwas reicher geworden. Dies zeigt die neuste Statistik zur Steuerkraft der Gemeinden. Doch nicht nur der Reichtum wächst, sondern auch der Unterschied zwischen den Gemeinden.

Sebastian Schneider
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Quelle: Steueramt Kanton/Grafik: jb (Bild: Benjamin Manser)

Quelle: Steueramt Kanton/Grafik: jb (Bild: Benjamin Manser)

Sebastian Schneider

sebastian.schneider

@tagblatt.ch

Wo leben die Reichsten in der Region? In welcher Gemeinde sitzen die profitabelsten Unternehmen? Diese, ähnliche und weiterführende Fragen lassen sich durch den Vergleich der Steuerkraft am schnellsten beantworten. Das kantonale Steueramt hat kürzlich mit Hilfe der eingegangenen Steuern 2016 sowie den Einwohnerzahlen von Ende 2015 die Steuerkraft aller 77 Gemeinden ermittelt und eine Rangliste erstellt. Die Steuerkraft ist die einfache Steuer geteilt durch die Einwohnerzahl einer Gemeinde. Die einfache Steuer sind die theoretischen Steuereinnahmen bei 100 Prozent, also ohne Berücksichtigung der Kantons- und Gemeindesteuern sowie der Steuern der Landeskirchen.

Das Gefälle in der Region nimmt weiter zu

Gegenüber dem Vorjahr konnten sich 6 von 11 Gemeinden in der Region verbessern. Gaiserwald, Berg SG und Muolen haben in ihrer Steuerkraft etwas eingebüsst. Grösser ist der Rückgang in Waldkirch, und in Eggersriet ist er am höchsten. Die Steuerkraft pro Einwohner ist in dieser Gemeinde von 2133 Franken im Vorjahr auf 2073 Franken gesunken, Eggersriet rutscht damit im kantonalen Vergleich von Rang 32 auf den 38. ab.

Angeführt wird die kantonale Rangliste von der Gemeinde Mörschwil. Die unangefochtene Nummer eins im Kanton ist für die Region St. Gallen mit einer Steuerkraft von 4284 Franken ein wahrer Ausreisser. Selbst Rappersrswil-Jona, die Nummer zwei im Kanton, kommt mit 3797 Franken nicht sehr nahe heran. In der Statistik zeigt sich, dass gerade für kleinere Gemeinden die Steuern der juristischen Personen nicht so stark ins Gewicht fallen. In dieser Kategorie steht Mörschwil nämlich gerade einmal auf Platz 39.

Die rote Laterne der Region St. Gallen-Gossau bleibt in Muolen, wo pro Einwohner 1785 Franken einfache Steuern eingegangen sind (Rang 66). Die Schere ist damit weiter auseinander gegangen: Die Steuerkraft Mörschwils ist 2,4-fach mal grösser als diejenige in Muolen. Vergangenes Jahr war der Faktor noch 2,34.

Bernhard Keller, Muoler Gemeindepräsident, hat deswegen aber noch kein Bauchweh. Muolen sei strukturell bedingt nicht der Ort, wo massenhaft reiche Steuerzahler hinziehen. «Unser Dorf hat weder Seeanstoss noch den schönsten Blick auf den Alpstein. Muolen ist seit jeher landwirtschaftlich geprägt.» Natürlich aber gebe es auch in Muolen gute Steuerzahler, und Bernhard Keller ist zuversichtlich, dass es in den nächsten Jahren wieder besser und die Steuerkraft erneut steigen wird.

Zweitstärkste Gemeinde in der Region und im kantonalen Ranking auf dem 6. Rang ist die Stadt St. Gallen. Bei den juristischen Personen ist sie nach Sennwald und Balgach die stärkste im Kanton. Doch auch bei den natürlichen Personen ist die Stadt mit Rang 11 gut aufgestellt. Ausser Mörschwil hat in der Region nur Gaiserwald bessere Steuerzahler bei den natürlichen Personen (Rang 6). Ingesamt landen St. Josefen, Engelburg und Abtwil trotz kleiner Einbusse vorne auf der Rangliste: dieses Jahr auf Platz 14.

Begrenzte Freude, begrenzte Wirkung

Wittenbach, die Gemeinde mit dem höchsten Steuerfuss in der Region (145 Prozentpunkte), scheint sich finanziell langsam zu erholen. Die Steuerkraft ist von 1970 auf 2030 Franken gestiegen. Einen höheren Anstieg erlebte nur Andwil (von 2142 auf 2272 Franken, neu auf Rang 25). In Wittenbach bedeutet das der zweite Anstieg in Folge und ein Vorrücken auf Platz 44, wie ist das zu deuten? «Das ist natürlich erfreulich», sagt Gemeindepräsident Fredi Widmer. Aber der Anstieg von 60 Franken sei nun auch nicht «weltbewegend». «Wir liegen im Kantonsvergleich immer noch im gleichen Bereich.» Widmer hofft nun aber, dass Wittenbach am Anfang eines Aufwärtstrends steht.

Gerade der Vergleich unter den Gemeinden ist ein zentraler Grund, weshalb der Kanton die Rangliste überhaupt erstellt. «Die Steuerkraft ist ein wichtiger Faktor für den Finanzausgleich», erklärt Bernhard Keller, der nicht nur als Muoler Gemeindepräsident amtet, sondern auch als Geschäftsführer der Vereinigung St. Galler Gemeindepräsidenten. Gemeinden mit schwacher Steuerkraft erhalten aus dem Ressourcenausgleich Geld. Damit sollen die Unterschiede der Gemeinden eingeschränkt werden. Doch gerade in der Region St. Gallen zeigt sich aufgrund der wachsenden Unterschiede, dass der Ausgleich nur begrenzt wirkt.