MÖRSCHWIL: Auch Lady Diana feiert mit

Südstaaten-Feeling pur, das gibt es ab heute im Dorfzentrum. Peter und Ursi Schildknecht alias Sir Peter und Lady Elisabeth organisieren den ersten Swiss Old American Ball. Zuschauen ist mehr als erwünscht.

Corinne Allenspach
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Ursi und Peter Schildknecht-Zwissler in ihrem Wohnzimmer mit Deko aus vergangener Zeit. So können sich am ersten Swiss Old American Ball alle Gäste stilecht fotografieren lassen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ursi und Peter Schildknecht-Zwissler in ihrem Wohnzimmer mit Deko aus vergangener Zeit. So können sich am ersten Swiss Old American Ball alle Gäste stilecht fotografieren lassen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

Bereits die Gästeliste lässt erahnen, um welch illustre Gesellschaft es sich handelt: Lieutenant Colonel Bartsch und Lady An-drea, Mister Beat Baron de Bisquit und Miss Barbara Comtesse de Fontaines du Rouseau oder Lieutenant General NHM Montag und Lady Diana. Sie alle werden dieses Wochenende im Mörschwiler Adlersaal zu Gast sein. Eingeladen von Peter und Ursi Schildknecht, die als Sir Peter und Lady Elisabeth-Ann Blackstone seit vier Jahren ein ungewöhnliches Hobby pflegen. Wann immer möglich, taucht das Ehepaar ein in die Epoche von 1860 bis 1880, bevorzugt in die Zeit des amerikanischen Sezessionskriegs. Einer Zeit, in der nicht nur in «Fackeln im Sturm» rauschende Bälle gefeiert wurden.

Regelmässig nehmen die beiden Mörschwiler selber an Bällen teil. Dann kleiden sich der Landwirt und die medizinische Praxisassistentin nicht nur authentisch, sie leben auch die Sitten und Gebräuche der damaligen Zeit. Dabei fühle sie sich jeweils «wie eine Prinzessin», sagt Ursi Schildknecht, die schon als Kind in den «Sissi»-Filmen die schönen Röcke bewundert und davon geträumt hat, auch einmal so auszusehen.

Die Damen lassen die Herren Gentlemen sein

An den verschiedenen Bällen, die meist in Deutschland stattfinden, entstand auch die Idee, einmal einen solchen daheim zu organisieren. Dass das Interesse am ersten Swiss Old American Ball in Mörschwil so gross sein würde, hat Ursi und Peter Schildknecht überrascht. «Wir sind ausgebucht», sagen sie. 75 Personen werden mit ihnen zwei Tage lang in vergangene Zeiten eintauchen. Der Ball in München habe jeweils etwa gleich viele Gäste, ergänzt Peter Schildknecht: «Alle anderen, die ich kenne, sind kleiner.» Mehr als ein Jahr lang haben Schildknechts zusammen mit dem Ehepaar Keller aus dem Thurgau den Ball organisiert, damit jedes Detail stimmt. Besonders aufwendig sei es gewesen, die Deko aufzutreiben. Alte Tische und Stühle, Fahnen aus den Süd- und Nordstaaten, Petroleumlampen, Kerzenständer, Lochkamera: Dies und mehr fanden die Organisatoren in Brockenhäusern, im Internet oder auf Flohmärkten. Auch wenn das Tanzen am Ball im Zentrum steht, so geht es auch darum, Freundschaften zu pflegen und die Region kennen zu lernen. Mehr als die Hälfte der Ballgäste reist aus Deutschland an. «Viele waren noch nie zuvor in der Schweiz», sagt Peter Schildknecht. Darum steht am Samstagvormittag eine Stadtführung in Rorschach auf dem Programm, danach ist Flanieren am See angesagt. Selbstverständlich in hochgeschlossenen langen Röcken mit ebensolchen Ärmeln. «In einem Kleid mit Ausschnitt wäre eine Frau in der damaligen Zeit nie auf die Strasse gegangen», sagt Ursi Schildknecht.

Die meisten «Zeitreisenden» werden heute Freitag ab 14 Uhr mit ihren Wohnwagen auf dem Mörschwiler Schulareal anreisen. Um 18 Uhr essen alle im «Ochsen», bevor ab 20 Uhr in einem Tanzworkshop letztmals die Tänze für den grossen Ball am Samstag im Adlersaal geübt werden. Wobei auf Etikette viel Wert gelegt wird, wie die siebenseitige Einladung verrät. «Die Damen geben den Herren die Möglichkeit, sich am Ballabend als Gentlemen zu erweisen», heisst es da etwa. Oder «Ein echter Gentleman ist stets bemüht, seine Dame zu unterhalten» und «Die Herren tragen die Hosen über den Stiefeln, um die Kleider der Damen nicht mit Schuhschwärze zu verschmutzen».

Zeit war damals noch kein rares Gut

Um 17.30 Uhr beginnt morgen Samstag der Empfang zum Ball. Dann werden die fast 80 Gäste vor dem Adlersaal in Zweierkolonne warten, bis sie aufgerufen und hineingeleitet werden. Das Ganze könne gut und gerne mehr als eine Stunde dauern, sagen Ursi und Peter Schildknecht. Denn mit jedem Paar wird nach dem Einlass noch ein bisschen Small Talk gemacht – Zeit war damals noch kein rares Gut. Um 20.45 Uhr schliesslich wird der Ball eröffnet, danach wird getanzt bis mindestens Mitternacht. Am Ball und während der restlichen Zeit sind Zuschauer gern gesehen. «Wer sich so kleidet, zeigt sich auch gern der Öffentlichkeit», weiss Ursi Schildknecht.

www.oldamericanball.ch