MÖRSCHWIL: Asylsuchende bewirten die Mörschwiler

Gemeinsam essen verbindet: Asylsuchende haben am Samstag mit afghanischen, tibetischen und eritreischen Speisen die Bevölkerung bewirtet.

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Begegnungstreffen mit Asylsuchenden in Mörschwil. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Begegnungstreffen mit Asylsuchenden in Mörschwil. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Andrina Zumbühl
redaktiongo@tagblatt.ch

Schüchtern und etwas hilflos stehen die jungen Männer neben dem von ihnen aufgebauten Buffet und erklären zögernd die Speisen, welche sie gekocht haben. Die anfängliche Zurückhaltung ist verständlich – wer spricht schon gerne vor 200 Menschen in einer Sprache, welche nicht die eigene ist. Den Mörschwilerinnen und Mörschwilern, die am Samstagmittag der Einladung in den katholischen Pfarreisaal gefolgt sind, wird ein reichhaltiges Buffet mit afghanischen, tibetischen und eritreischen Speisen präsentiert.

Die Kulturen vorgestellt
Die Einladung im Namen der 30 Asylsuchenden und Flüchtlinge der Gemeinde Mörschwil soll
die Dankbarkeit gegenüber der Mörschwiler Bevölkerung zum Ausdruck bringen. Der Aufwand und die Vorbereitungsarbeiten des Organisationsteams um Karin Brunkhorst, Dorothée Egli, Christina Ruhe und Hanna Vorburger scheinen sich gelohnt zu haben. Der Saal reicht nicht für alle, zusätzliche Tische im Vorraum müssen her.

Am Buffet fühlen sich die jungen Asylsuchenden und Flüchtlinge sichtlich wohler und schöpfen stolz ihre selbstgekochten Gerichte. Während des Essens schlendern sie umher, begrüssen bekannte Gesichter und plaudern mit den Anwesenden. Die Gerichte werden gelobt.
Auch die Saalwand zieht Aufmerksamkeit auf sich. Sie ist mit bunten Gemälden, Schriftzügen und Kalligraphie geschmückt, welche die Flüchtlinge und Asylsuchenden gefertigt haben. Die jungen Männer erklären ihre Bilder, Schriftzeichen und Sprachen. Die von ihnen geschriebenen Aussagen handeln von Glück, Freiheit und Bildung.

Über Essen lässt sich trefflich reden
Nach dem Essen kommt es zu angeregten Gesprächen zwischen den Asylsuchenden und Flüchtlingen und den Bewohnern der Gemeinde Mörschwil. Hauptgesprächsthema bleibt das Essen. Der 25-jährige Morteza Hakimi aus Afghanistan erzählt, dass er geholfen habe, die afghanischen Reisgerichte vorzubereiten. Sein Lieblingsgericht ist Kabuli Palaw. Das Reisgericht ist auch auf dem Buffet zu finden. Nebst Fleisch, Karotten, Zwiebeln und vielen Gewürzen gehören auch Rosinen in den Reis. Auf die Frage, ob er schon schweizerisches Essen versucht habe, nickt Hakimi. Schweizer Fleisch und Käse habe er schon gegessen. «Aber afghanischen Käse mag ich noch lieber.» Er sei sich eben diesen Geschmack gewohnt. Nachdenklich erzählt er von seiner Heimat und wie sehr er seine Familie vermisse. «Ich war in Afghanistan sogar verlobt», sagt Hakimi.

Auch Adam Sulemana aus Ghana ist traurig, wenn er über seine Familie spricht, welche er in der Schweiz am meisten vermisst. Als das Gesprächsthema aber auf Gerichte aus seinem Heimatland wechselt, blüht der 30-Jährige auf und erklärt begeistert, wie seine Lieblingsgerichte zubereitet werden. Das ghanaische Nationalgericht Banku mag er am liebsten. Es handle sich um einen Teigkloss, der zu Eintöpfen und Suppen serviert wird, wie Sulemana erklärt. Am Buffet gibt es diese nicht zu kosten, dafür Teigtaschen aus Tibet. Diese Momo werden einzeln von Hand angefertigt. Der 25-jährige Tenzin Sonam hat bei der Momo-Herstellung mitgeholfen. Was sein tibetisches Lieblingsessen ist, kann er allerdings nicht sagen. «Wenn ich hungrig bin, ist alles mein Lieblingsessen», erklärt er und lacht. In der Schweiz schätzt Tenzin vor allem die vielen Käsesorten und das Joghurt. Er fühle sich allgemein wohl in diesem Land. «In der Schweiz wird man mit Respekt behandelt», erklärt er.

Dorothée Egli vom Organisationsteam beobachtet zufrieden die plaudernden Menschen. Sie spricht rückblickend von einem «ganz speziellen, emotionalen Tag» und sagt abschliessend: «Wir konnten Barrieren zwischen Bevölkerung und Asylsuchenden abbauen und Brücken schaffen.»

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