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MOBILITÄT: Der Herr über den St.Galler Stadtverkehr

Christian Hasler ist sozusagen der Mobilitätsminister der Stadt St.Gallen. Als oberster Verkehrsplaner muss er bei jedem seiner Projekte verschiedenste Bedürfnisse unter einen Hut bringen. Dafür braucht es Kompromisse. Unter anderem.
David Gadze
Christian Hasler, der oberste Verkehrsplaner der Stadt St.Gallen, in seinem Büro: Auch bei der Steuerung von Lichtsignal-Anlagen braucht es Feingefühl und Kompromisse. (Bild: Ralph Ribi)

Christian Hasler, der oberste Verkehrsplaner der Stadt St.Gallen, in seinem Büro: Auch bei der Steuerung von Lichtsignal-Anlagen braucht es Feingefühl und Kompromisse. (Bild: Ralph Ribi)

Das städtische Verkehrsnetz ist wie ein Nervensystem. Ein Geflecht von grossen und kleinen Strassen, Gassen, Wegen oder Treppen, die bis in die hintersten Winkel der Stadt führen und letztlich alle miteinander verbunden sind. Und sie alle laufen bei Christian Hasler zusammen. Der Bereichsleiter Verkehr beim Tiefbauamt der Stadt St.Gallen ist quasi das Gehirn dieses Nervensystems.

Hasler und sein Team sind für die Planung des Verkehrsnetzes zuständig, aber auch für die Abstimmung aller Teilnehmer untereinander, die darin zirkulieren. Es ist ein ständiges Justieren an einem System, in dem sich jede Anpassung am einen Ort sofort auch an einem anderen auswirkt. Und genau deshalb ist es für Hasler praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, es bei der Verkehrsplanung allen Städterinnen und Städtern recht zu machen. Haben Autos an einem Knoten lange Grünphasen, beklagen sich Velofahrer oder Fussgänger. Werden Busse priorisiert, sehen Autofahrer rot.

Die ewige Suche nach der besten Lösung

Verkehrsplanung sei immer «die Suche nach der gesamthaft optimalsten Lösung», sagt Hasler. Diese sei jedoch stets mit Kompromissen verbunden – und somit für einige Verkehrsteilnehmer eben nur die zweitbeste Lösung. «Das Beste für den Einzelnen ist in der Regel nicht das Beste für alle.»

Jedes Mal, wenn ein Strassenabschnitt umgestaltet werde, weil er bestimmten Anforderungen nicht mehr genüge, brauche es eine Interessenabwägung. Zum einen gelte es, die Bedürfnisse der Verkehrsteilnehmer zu berücksichtigen, zum anderen die Anforderungen interner Stellen wie etwa des Strasseninspektorats, von Stadtgrün oder der Stadtplanung.

Ein zentrales Anliegen seien auch die gemeinsamen Planungen mit dem kantonalen Tiefbauamt als Eigentümerin der Kantonsstrassen und dem kantonalen Amt für ÖV als Besteller des öffentlichen Verkehrs sowie die Absprachen mit der Region und den angrenzenden Gemeinden. Zudem sei die Finanzierbarkeit ein wichtiges Kriterium. Dies gerade auch dann, wenn Projekte vom Parlament oder vom Stimmvolk genehmigt werden müssen.

Was für den einen besser ist, ist für den anderen schlechter

«Wir versuchen, Interessenkonflikte im Dialog zu lösen», sagt Hasler. Der 45-Jährige, der aus Rorschach kommt und mit seiner Frau und den zwei Kindern in Freidorf wohnt, spricht von einem «interdisziplinären, integralen Prozess», der viel Zeit und Reibung, aber auch Vertrauen erfordere. Eine Lösung zu finden, die alle Bedürfnisse befriedige, sei wie die Quadratur des Kreises. Eine Verbesserung zu Gunsten des einen Verkehrsteilnehmers sei oft eine Verschlechterung zu Lasten eines anderen.

Eine Schwachstelle im Stadtsanktgaller Verkehrssystem bleibt die S-Bahn. Im Bild die S5 beim Bahnhof Bruggen. (Bild: Urs Jaudas)

Eine Schwachstelle im Stadtsanktgaller Verkehrssystem bleibt die S-Bahn. Im Bild die S5 beim Bahnhof Bruggen. (Bild: Urs Jaudas)

Die Kriterien bei dieser Interessenabwägung seien vielschichtig und müssten immer im konkreten Fall beurteilt werden, sagt Hasler. So sei beispielsweise der Grundsatz der Priorisierung des öffentlichen Verkehrs nicht sakrosankt, sondern müsse immer im Einzelfall beurteilt werden. Der gerade im Zusammenhang mit der Mobilitäts-Initiative oft geäusserte Vorwurf, Autos würden bei der Verkehrsplanung benachteiligt, sei nicht richtig. «Es gibt Knoten, an denen der Verkehrsfluss wichtiger ist als die Bevorzugung des ÖV.» Separate Busspuren würden nur dort erstellt, wo sie nötig und verhältnismässig seien.

Hasler spricht denn auch von «Befreiungsschlägen», wenn an einem Ort etwas wegfalle oder entstehe, das neue Lösungen ermögliche. Etwa das Parkhaus Bahnhof unter dem Fachhochschulzentrum, dank dem der Bahnhofplatz für den Autoverkehr gesperrt und als zentraler ÖV-Knoten neu gestaltet werden konnte. Oder die Verlegung der Appenzeller Bahnen weg von der Teufener Strasse.

Schwächen bei der S-Bahn und beim Velonetz

Dem städtischen Verkehrssystem stellt Christian Hasler grundsätzlich ein gutes Zeugnis aus. Für St.Gallen sei die Eröffnung der Stadtautobahn mit ihren vier Anschlüssen 1987 ein grosser Gewinn gewesen, dessen positive Effekte bis heute anhielten. Durch die Entlastung des innerstädtischen Verkehrsnetzes von Autos seien insbesondere die Wohngebiete entlang der Hauptachsen lebenswerter geworden.

Verbesserungswürdig: Die Achse Unterer Graben, Rosenbergstrasse, St.Leonhard, Geltenwilenstrasse und Teufener Strasse (Bild) ist so stark vom Autoverkehr belastet, dass es regelmässig zu Stau kommt. (Bild: Benjamin Manser)

Verbesserungswürdig: Die Achse Unterer Graben, Rosenbergstrasse, St.Leonhard, Geltenwilenstrasse und Teufener Strasse (Bild) ist so stark vom Autoverkehr belastet, dass es regelmässig zu Stau kommt. (Bild: Benjamin Manser)

Das städtische Verkehrssystem habe aber auch Schwächen. Etwa den ganzen Abschnitt vom Unteren Graben über die Rosenbergstrasse und die St.-Leonhard-Brücke bis zur Teufener Strasse, der täglich überlastet ist. Beim öffentlichen Verkehr sei vor allem die S-Bahn verbesserungsfähig. Auch das Velonetz sei noch lückenhaft. Doch auch hier gelte: «Man darf die Schwächen nicht so korrigieren, dass es am Ende die Stärken eines wichtigeren Verkehrsteilnehmers wie des öffentlichen Verkehrs erheblich mindert.»

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