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MOBILITÄT: Das E-Tankstellennetz wird immer dichter - manche werden aber nur dreimal im Jahr genutzt

Private und öffentliche Anbieter in der Region setzen auf Elektrotankstellen. Während deren Anzahl stetig steigt, bleibt die Nachfrage klein. Noch verspricht der Markt keine Gewinne.
Noemi Heule
Längst kein seltenes Bild mehr: öffentliche Ladestationen für Elektroautos. (Bild: Urs Bucher)

Längst kein seltenes Bild mehr: öffentliche Ladestationen für Elektroautos. (Bild: Urs Bucher)

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Wer sein Elektroauto unterwegs speisen möchte, hat die Qual der Wahl. Autogaragen, Grossverteiler oder Hotelketten locken die Kundschaft mit öffentlichen Ladestationen auf ihre Parkplätze. Entsprechend gross ist das Angebot in der Stadt: Rund 40 Ladestationen sammeln sich allein in St. Gallen. Nicht selten ist der Strom für die Kundschaft kostenlos. Aber auch auf dem Land halten E-Tankstellen Einzug. Dort allerdings sind nicht private Anbieter federführend, sondern die Gemeinden treiben die Entwicklung voran.

Etwa in Engelburg, wo seit einem Jahr eine E-Tankstelle in Betrieb ist. Auch ist der Strom kostenlos, zumindest die ersten drei Jahre. Wie es danach weitergeht, sei noch nicht entschieden sagt Guido Rüber vom Energiefonds der Gemeinde Gaiserwald. Dies hänge nicht zuletzt von den Nutzungszahlen ab, die nun erst ausgewertet würden. Im Schnitt werde die Schnellladestation einmal am Tag genutzt, schätzt Rüber. Dass die Nachfrage nicht riesig ist, damit habe man von Anfang an gerechnet. «Wir wollen eine Anschubhilfe leisten», sagt er. Erst ein Angebot an öffentlichen Ladestationen würde die Leute dazu animieren, tatsächlich auf Elektroautos umzusteigen.

Der Markt ist hart umkämpft

Angebot vor Nachfrage, diese Devise verfolgt man auch in Muolen. Noch ist die Gemeinde ein weisser Fleck auf der Landkarte der E-Tankstellen. Das soll sich vor Jahresende ändern, wie Gemeindepräsident Bernhard Keller sagt. «Wir wollen ein Zeichen setzen», sagt Keller und spricht von der öffentlichen Vorreiterrolle. Standort und Betreiber seien aber noch nicht bestimmt. Auch hier hat die Gemeinde die Qual der Wahl. Denn der Markt wächst rasant, unzählige Anbieter buhlen um Mitglieder. Vier Plattformen dominieren derzeit den Schweizer Markt.

Eine davon ist easy4you und ihr Ostschweizer Ableger Ost-Mobil, der von den St. Galler Stadtwerken betrieben wird. Die Stadtwerke haben ihr Netzwerk bis ins Bündnerland, den Kanton Zürich und das grenznahe Ausland gespannt. In der näheren Umgebung gehören nebst Standorten in St. Gallen solche in Berg, Wittenbach und Goldach dem Verbund an. Allein im letzten Jahr sei das Netzwerk um 27 Partner gewachsen, sagt Romano Ingold von den St. Galler Stadtwerken. 68 Standorte mit 177 Ladepunkten zählen derzeit zu Ost-Mobil, neun davon sind sogenannte Schnelllader, die mit Gleichstrom funktionieren. Während herkömmliche Steckdosen für eine Vollladung bis zu acht Stunden benötigen, schaffen sie dies in einem Bruchteil der Zeit.

«Mit so vielen Partnern haben wir nie gerechnet», sagt Ingold und spricht von einem «extremen Wachstum». Beim Endverbraucher allerdings ist das Wachstum nicht angekommen. «Verschwindend klein» sei die Anzahl Nutzer, sagt Ingold. «Der Markt entsteht erst». Nur 0,2 Prozent der Personenwagen im Kanton funktionieren rein elektrisch. Entsprechend selten werden die öffentlichen Ladestationen angefahren. Je nach Ort, etwa entlang der Autobahn, werden sie bis zu zweimal täglich genutzt. Es gebe aber auch abgelegene Standorte, die im Jahr nur dreimal zum Einsatz kämen.

Gewinne lassen auf sich warten

Mit öffentlichen E-Tankstellen lasse sich denn auch kein Geld verdienen, sagt Ingold. Wenige Franken kostet der Stromtarif für eine Vollladung. Und: 90 Prozent der Ladungen würden ohnehin Zuhause getätigt. Dennoch: Mit neuen Modellen im Mittelklasse-Segment und gesteigerten Reichweiten verspricht das Geschäft dereinst zum Massenmarkt zu werden. Bevor es soweit ist, drängen die Anbieter auf den Markt.

Auch in der Region ist die Konkurrenz auf engstem Raum gross: Ein weiterer grosser Anbieter ist die Swisscharge.ch AG mit Sitz in Gossau. 270 Ladestationen sind im Netzwerk vertreten. Mit 17000 Lademöglichkeiten in Europa wirbt die Firma auf ihrer Webseite. 10 davon betreibt die Lehmann Elektro AG in Gossau, St. Gallen, Herisau und Waldkirch. Auch dort bewegt sich die Nachfrage in ähnlichem Rahmen: Rund eine Ladung verzeichnen die Stationen im Schnitt pro Tag, wie Geschäftsführer Albert Lehmann sagt.

Während noch vor kurzem Schnittstellen zwischen den Mitbewerbern fehlten, sind diese mittlerweile mit dem sogenannten E-Roaming vorhanden. Noch immer berechnen die Konkurrenten allerdings unterschiedliche Gebühren. In einem Punkt aber sind sie sich einig: Von kostenlosen Angeboten halten sie nichts. «Das schafft falsche Anreize», sagt Lehmann. Strom sei ein kostbares Gut und solle auch entsprechend behandelt werden. Zudem sei der Unterhalt der Infrastruktur teuer. Auch wenn die E-Tankstellen im Vergleich zu ihrem herkömmlichen Pendant simpel erscheinen, kostet allein der Bau, je nach Ausstattung, zwischen 20000 bis 100000 Franken.

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