Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MOBILFUNK: Antennen schiessen aus dem Boden

Die Firma Salt plant elf neue Antennenstandorte in der Region St.Gallen. Einige Einsprachen sind bereits eingegangen, weitere sind vorprogrammiert.
Noemi Heule
Weil sich der Datenverkehr jährlich verdoppelt, wollen die Mobilfunkanbieter das Netz ausbauen. (Bild: PD)

Weil sich der Datenverkehr jährlich verdoppelt, wollen die Mobilfunkanbieter das Netz ausbauen. (Bild: PD)

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Die Schweiz verschwindet unter einer Ansammlung farbiger Punkte, wenn man sich auf der Webseite des Bundesamtes für Kommunikation die Standorte von Mobilfunkantennen anschaut. Allein St.Gallen zählt über 500 Antennen. In den Gemeinden rund um die Stadt dagegen finden sich noch weisse Flecken. Aber auch dort sollen bald mehr Si­gnale strahlen. Denn noch immer gibt es Funklöcher. Das sagt zumindest Salt und startet eine Offensive: 60 neue Antennenstandorte plant die Firma, ehemals Orange, im ganzen Kantonsgebiet, davon elf in den Gemeinden rund um St. Gallen.

Geplant sind je eine Antenne in Mörschwil, Wittenbach, Eggersriet und Gossau. Zwei weitere Antennen sollen in Gaiserwald er­richtet werden. In der Stadt St.Gallen nimmt der Mobilfunkbetreiber noch in diesem Jahr eine Antenne an der Steinachstrasse in Betrieb, fünf weitere Standorte werden gesucht, wie Mediensprecher Benjamin Petrzilka sagt. In Engelburg und Wittenbach stecken die Vorhaben bereits im Bewil­ligungsverfahren, die übrigen Standorte sind noch nicht spruchreif.

Bis an den geplanten Stellen jedoch tatsächlich eine Antenne steht, dürfte noch einige Zeit verstreichen. «Es ist schwierig, neue Antennenstandorte zu finden. Anschliessend kann auch die ­Einigung mit den Grundeigen­tümern Zeit beanspruchen und die Bewilligungsverfahren sind oft langwierig», sagt Petrzilka. Der effektive Bau einer Antenne beanspruche dagegen lediglich wenige Wochen.

Datenverkehr verdoppelt sich jedes Jahr

Grund für den Ausbau ist laut Salt, dass in den Gemeinden lediglich eine Minimalversorgung mit der GSM-Technologie herrsche. Diese sogenannte zweite Generation (2G) gilt mittlerweile als überholt, steht doch bereits 5G in den Startlöchern. Auch die Konkurrenz sieht Handlungsbedarf. Der Netzausbau mit 4G sei nötig, um Engpässen vorzubeugen, schreibt etwa Sunrise. «Der mobile Datenverkehr verdoppelt sich alle zwölf Monate», ergänzt Swisscom. Auch sie plant deshalb einen Ausbau des Netzes, allerdings ist nur ein neuer Standort an der Lämmlisbrunnenstrasse in St. Gallen geplant. Elf Standorte sollen mit neuer Technologie aufgerüstet werden, darunter zehn in der Stadt St. Gallen und einer in Gossau. Zudem plant der Konzern, die Verbindung in Waldkirch und Gaiserwald zu ver­bes­sern. «In beiden Gemeinden sind wir aktuell am Prüfen von mög­lichen Ausbauten», schreibt Mediensprecherin Sabrina Hubacher. In Waldkirch und Bernhardzell ist die Mobilfunkversorgung seit Jahren Thema: Bereits 2013 widmete die FDP Waldkirch-Bernhardzell eine Projektgruppe dem Anliegen. Der Ausbau des Mobilfunks gehört auch zu den Legislaturzielen des Gemeinderates. «Wir stehen in Kontakt mit der Swisscom. Die Gespräche laufen», sagte Gemeindepräsident Aurelio Zaccari im Frühling dem «Tagblatt».

Ostschweizer reagieren besonders sensibel

Weniger erfreut zeigten sich die Bürger von Wittenbach gegenüber einer geplanten Antenne der Firma Salt auf dem Spühl-Areal. Zwei Grundeigentümer haben Einsprache erhoben. Bereits 2015 hatte Salt ein Baugesuch eingereicht. Damals gingen elf Einsprachen mit rund 200 Unterschriften ein, worauf Salt den Standort leicht verschob. Dagegen sind nunmehr zwei Einsprachen eingegangen. Diese wurden an Salt weitergeleitet. Nun wartet die Gemeinde auf eine Stellungnahme.

Einsprachen, darin sind sich die Anbieter einig, können sie nicht verhindern. Gerade auf dem Land stehen die Anwohner dem Mobilfunk kritisch gegenüber. «Wir spüren schon, dass die Reaktionen auf dem Land heftiger ausfallen können, als in grös­seren Gemeinden. Eine Antenne ‹im Dorf› ist wohl mehr Gesprächsstoff als in Grossstädten», sagt Petrzilka von der Firma Salt. Und hebt ein weiteres Detail hervor: «Wir verzeichnen tendenziell mehr Einsprachen im Raum Ostschweiz als dies zum Beispiel im Mittelland, in der Romandie oder im Baselbiet der Fall ist.»

Zwei Masten für Engelburg

Engelburg. Es hagelte Einsprachen, als die Firma Sunrise 2013 Pläne enthüllte für eine Mobilfunkantenne in Engelburg. 90 Anstösser setzten sich gegen das Vorhaben zur Wehr. Mit der Folge, dass nun, fast drei Jahre später, im Dorf noch immer keine An­tenne steht. Das könnte sich bald ändern: Während Sunrise nach einem langen Rechtsstreit über eine Baubewilligung verfügt, will Salt nur wenige hundert Meter entfernt ebenfalls eine Antenne errichten.

Bei der Gemeinde Gaiserwald befindet sich das Bauvorhaben nun in der Vorprüfung. «Wir warten noch auf letzte Unterlagen der Firma Salt», sagt Bausekretärin Corinne Eigenmann. Sie rechnet damit, dass diese in den kommenden Wochen eintreffen. Anschliessend werden die Anstösser informiert und das Bauprojekt liegt für 14 Tagen öffentlich auf. Einzelne Anwohner kamen der Gemeinde aber zuvor: Weil auf einem Mehrfamilienhaus an der Sonnenhaldenstrasse 11 bereits ein Visier zu sehen ist, wollten sie genau wissen, was nun vor sich geht und meldeten sich umgehend bei der Gemeinde. Ob erneut derart viele Einsprachen eingehen, kann die Gemeinde nicht abschätzen: «Wir sind damals an einem Informations­anlass auf die Bevölkerung zu­gegangen», sagt Corinne Eigenmann. Sollten erneut Einsprachen eingehen, wird die Gemeinde wieder dasselbe Vorgehen wählen.

Knapp 200 Meter entfernt an der St.Gallerstrasse könnte die Firma Sunrise ihre geplante Antenne längst umsetzen: Nach einem sechsmonatigen Rechtsverfahren wurde die Baubewilligung noch im Februar 2016 erteilt. Die Bewilligung, die grundsätzlich ein Jahr gültig ist, wurde in der Zwischenzeit verlängert. Auf die Antenne verzichten möchte Sunrise keinesfalls, vielmehr habe sich die Priorisierung des Pro­jektes geändert, teilt der Konzern auf Anfrage mit. Bis Feb­ruar 2018 bleibt dem Mobilfunk­anbieter Zeit, das Bauvorhaben umzusetzen. (nh)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.