Mitten im Shakespeare-Stück

Die Thearteria Andwil wagt sich an die hohe Kunst William Shakespeares. «Verlorene Liebesmüh» überzeugte bei der Premiere das Publikum. Auch moderne Elemente kamen dabei nicht zu kurz.

Manuela Bruhin
Merken
Drucken
Teilen
Die Zuschauer sind bei der diesjährigen Thearteria-Produktion ganz nah am Geschehen. (Bild: Michel Canonica)

Die Zuschauer sind bei der diesjährigen Thearteria-Produktion ganz nah am Geschehen. (Bild: Michel Canonica)

ANDWIL. «Jetzt weiss ich wieder, warum ich Shakespeare so liebe!» – Der Ausruf eines Besuchers der Premiere von «Verlorene Liebesmüh» am Freitag dürfte die Darsteller der Thearteria Andwil wohl besonders freuen. Gerade im Hinblick auf die anspruchsvollen Texte und den aufwendigen Bühnenbau hatten sie nämlich im Vorfeld keine Mühen gescheut. Das Geschehen spielte sich inmitten des Publikums in der Mehrzweckhalle ab. Dank Rasenteppich und besonderer Bestuhlung fanden sich die Zuschauer mitten in der Geschichte wieder.

Schnelle Wechsel

Das besondere Bühnenbild verlangte den Darstellern einiges ab. «Wir durften glücklicherweise auf die Hilfe der Schreinerei Eugen Ledergerbers zählen», erklärte Präsident Marcel Sieber. Anhand eines Plans des Regisseurs Christian Fink bauten die Mitglieder des Vereins die Bühne in mühevoller Arbeit nach. Bei der Premiere zeigte sich schnell, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Trotz der anspruchsvollen Texte blieben die Zuschauer bei der Geschichte, die Witze kamen an. «Die Geschichte ist zwar einfach gehalten», so Sieber weiter. «Alles zu verstehen, ist aber trotzdem schwierig.» Die Texte liegen nah am Original, inklusive alte Redewendungen. Trotzdem kommen auch moderne Elemente nicht zu kurz. So tanzen die Prinzessin und ihre Hofdamen beispielsweise zu Beyoncés «Single Ladies», als Einstiegsmusik ertönt «Eye of the Tiger». Auch die Rollenwechsel der Schauspieler sind anspruchsvoll – fast alle spielen nämlich zwei Figuren. In einer Szene bleiben einem Darsteller gerade einmal zwölf Sekunden, um in eine andere Persönlichkeit zu schlüpfen.

Noch Plätze frei

Alle zwei Jahre führt die Thearteria Andwil ein neues Stück auf. Häufiger wäre laut Sieber auch nicht möglich. «Der Aufwand ist sehr gross», erklärt er. In diesem Jahr sind zehn Vorstellungen geplant. Noch sind Plätze frei. Dies hat laut Sieber in erster Linie damit zu tun, dass der Feiertag des 1. Novembers dazwischen fällt. Ausserdem sei man auf Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen. «Die Leute wollen wissen, was sie erwartet – und ob es ankommt.» Diesbezüglich verlief die Premiere vielversprechend.