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Mit zweckmässiger Eleganz

Fast vierzig Jahre lang hat Heribert Stadlin in St. Gallen als Architekt gewirkt. Er hat in der Stadt bedeutsame Akzente gesetzt. Am 26. Mai ist er im Alter von 85 Jahren gestorben.
Josef Osterwalder
Heribert Stadlin, 17. Oktober 1926 – 26. Mai 2012. (Bild: pd)

Heribert Stadlin, 17. Oktober 1926 – 26. Mai 2012. (Bild: pd)

Klinik Stephanshorn, Schulhaus Halden, Verwaltungsgebäude des Baudepartements, dazu viele weitere grössere und kleinere Wohnbauten und Geschäftshäuser: Zwischen 1954 und 1993 hat Heribert Stadlin das architektonische Antlitz der Stadt mitgeprägt. Hinzu kamen Bauten in der weiteren Region wie die Kantonsschule Wattwil, das Kurhotel Heiden oder die Seeufergestaltung in Romanshorn.

Heribert Stadlin wirkte zunächst im Büro des Zürcher Architekten Otto Glaus (1914–1996), betreute aber bald schon dessen Bauten in der Ostschweiz. 1954 gründeten sie das gemeinsame Büro Glaus & Stadlin, in welchem von nun an die Bauten partnerschaftlich geplant wurden.

Der «Schweizerblüte» zugehörig

Damit gehören auch Heribert Stadlin und seine Mitarbeiter zu den «Architekten der Schweizerblüte», wie Benedikt Loderer ihre Zeit nennt. Ihre Aufgabe bestand darin, eine Antwort auf den immensen Nachholbedarf der Nachkriegszeit zu finden. Ihre Bauten sind zweckmässig ausgelegt; auf ausgeflippte Grundrissexperimente wird verzichtet. Dennoch strahlen diese Bauten eine eigene Eleganz aus, wozu namentlich die sorgfältig gestalteten Fassaden und liebevoll gestalteten Details beitragen. Keine dieser Bauten ist eine Kopie der anderen.

Sein Kantibau behutsam saniert

Lange Zeit genoss diese Nachkriegsarchitektur wenig Wertschätzung. Heute jedoch wird ihre Qualität neu geschätzt. Beispiel ist der von Glaus & Stadlin 1962 bis 1964 erstellte Erweiterungsbau der Kantonsschule am Burggraben. Bei dessen kürzlicher Sanierung mussten zwar einige Bauelemente ersetzt werden. Doch dies alles geschah mit grösster Achtsamkeit, um den ursprünglichen Baugedanken möglichst zu bewahren. Für Heribert Stadlin, der 1993 sein Büro zwei Mitarbeitern übergab, eine bedeutsame Anerkennung seines Wirkens.

Jugendzeit im Krieg

So sehr Heribert Stadlin in seinem Beruf aufging, die Architektur war ihm keineswegs in die Wiege gelegt. Geboren wurde er 1926 als Kind einer Auslandschweizer Familie in Ostpreussen. Der Vater betrieb eine grosse Käserei, die der Familie einen gehobenen Lebensstil und den Kindern eine gute Ausbildung ermöglichte.

Lange Zeit zog das Kriegsgeschehen an Ostpreussen vorbei; doch beim Herannahen der russischen Armee blieb der Familie nichts anderes als die Flucht in die Schweiz. Wie durch ein Wunder gelang es der ganzen Familie, im Chaos der letzten Kriegsmonate den Weg in die Heimat zu finden.

Bis zu dieser Zeit war es Heribert Stadlin vorgegeben, dass er einmal eine Käserei übernehmen würde. Daran war in der Schweiz jedoch nicht mehr zu denken. Ein Onkel, der ein Architekturbüro betrieb, öffnete ihm die Augen für die Welt des Bauens. Über das Technikum Winterthur holte er sich die nötige Ausbildung, um bald schon im Architekturbüro von Otto Glaus seine Zukunft zu finden.

Gestaltete Zeit

1962 heiratete er Marie-Theres Keel, mit der ihm drei Töchter geschenkt wurden. Mit seiner Gattin teilte er die Freude an der Kunst, der Musik, dem Reisen. Kurz nach seinem 85. Geburtstag erlitt er einen Hirnschlag, von dem er sich rasch erholte.

Umso bewusster gestaltete er die verbleibende Zeit. Kurz vor seinem Tod sagte er angesichts eines welkenden Mohnblumenstrausses: «Wenn die Blumen verblühen, sind ihre Farben am tiefsten.»

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