Mit Werkstatt gegen Armut

Mit einer Zukunftswerkstatt will die evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen Ideen und Vorschläge sammeln für den Kampf gegen Armut. Im Zentrum stehen dabei die Betroffenen.

Yvonne Bugmann
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Armut hat viele Gesichter. An der Zukunftswerkstatt sollen die Betroffenen Erfahrungen und Ideen austauschen. (Bild: ky/Martin Ruetschi)

Armut hat viele Gesichter. An der Zukunftswerkstatt sollen die Betroffenen Erfahrungen und Ideen austauschen. (Bild: ky/Martin Ruetschi)

St. Gallen. Armut hat verschiedene Ursachen und verschiedene Gesichter. Eine alleinerziehende Mutter erlebt Armut anders als ein Junggeselle. Gemeinsam ist ihnen das Wissen, was es bedeutet, arm zu sein. Dieses Wissen sollen sie weitergeben. Die evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen organisiert dafür eine «Zukunftswerkstatt für und mit Armutsbetroffenen».

Die Werkstatt findet am 21. September in St. Gallen statt. Armutsbetroffene formulieren in Gruppen Ideen und Vorschläge, die von einem Coach aufgezeichnet werden. Beim anschliessenden gemeinsamen Nachtessen werden die Vorschläge Fachleuten der Gemeinden und Institutionen unterbreitet. Ziel ist, die Ideen und Anliegen in der Arbeit gegen Armut und Ausgrenzung umzusetzen.

«Es braucht grosse Ideen, dann kleine Schritte», sagte Marlise Schiltknecht, Beauftragte für Diakonie, an der gestrigen Medienkonferenz. Wichtig sei, die Betroffenen wahrzunehmen, ihre Lösungsvorschläge anzuhören. Sie seien die wahren Expertinnen und Experten.

Die Zukunftswerkstatt findet nicht zufällig dieses Jahr statt. «2010 ist das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung», sagt Marlise Schiltknecht.

Aus Isolation holen

Gestern wurden auch Projekte vorgestellt, die die evangelische Kirche für Personen mit knappem Budget eingerichtet hat. Seit August 2009 etwa können sich Armutsbetroffene in Wittenbach im K-Treff mit frischen Lebensmitteln eindecken – für einen symbolischen Franken. «Das Hauptziel, die Leute aus der Isolation zu holen, haben wir mit dem K-Treff erreicht», sagte Sozialdiakon Ueli Bächtold.

Denn das soziale Leben ist teuer; im K-Treff können sich die Kunden bei Kaffee und Kuchen austauschen. Gross sei auch die Solidarität, nicht nur unter den Armutsbetroffenen selbst, sondern auch seitens der Dorfbewohner.

Petra Schoch und Christian Sandmeier sind beide von Armut betroffen und in der Selbsthilfegruppe «Stutz ufwärts» in Flawil. Auch sie betonten, wie bedeutend soziale Kontakte für sie sind.

Es brauche mehr solche Projekte wie den K-Treff und die Flawiler Selbsthilfegruppe, sagte denn auch die Diakonie-Beauftragte Marlise Schiltknecht.

Handeln zentral

Dorothea Bösch-Pankow, Kreisrichterin und Vorstandsmitglied der Frauenzentrale, wies auf das erhöhte Armutsrisiko von Frauen hin. Frauen würden immer noch 20 Prozent weniger Lohn erhalten als Männer, zudem seien auch Kinder ein Armutsrisiko.

Bösch-Pankow fordert deshalb einen Mindestlohn von 3000 Franken netto sowie Lohngleichheit für Männer und Frauen.

Welche Botschaften an der Zukunftswerkstatt ausgearbeitet werden, weiss Schiltknecht noch nicht. Für sie ist aber wichtig, dass dann gehandelt wird.

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