Mit Versen Babies früh fördern

Reime und Fingerspiele führen Babies zur Sprache. Leseanimatorin Marianne Wäspe zeigt das in der Bibliothek Rorschach-Rorschacherberg anhand von Geschichten und Liedern. Gespannt lauschen ihr die Babies, und die Eltern sind verblüfft.

Christoph Renn
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Übt die Sprache mit den Kleinsten: Leseanimatorin Marianne Wäspe in der Bibliothek in Rorschach. (Bild: Christoph Renn)

Übt die Sprache mit den Kleinsten: Leseanimatorin Marianne Wäspe in der Bibliothek in Rorschach. (Bild: Christoph Renn)

RORSCHACH. Ein Nebenraum der Bibliothek Rorschach-Rorschacherberg ist gefüllt mit Kleinkindern. Einige krabbeln auf dem Boden herum. Andere sitzen die anderen Babies beobachtend im sicheren Schoss ihrer Mütter. Um genau 9.30 Uhr richten sich dann alle Blicke gespannt auf Leseanimatorin Marianne Wäspe, die auf einem Stuhl in der Mitte der Besucher sitzt. In der Hand hält sie ein Kinderbuch. Ein Blaues mit einem Turm auf der Frontseite. Sie besucht die Bibliothek im Rahmen des gesamtschweizerischen Projekts Buchstart, das zur Frühsprachförderung und zur ersten Begegnung von Kleinkindern mit Büchern vor rund sieben Jahren lanciert wurde.

Das Gehirn aktivieren

Ohne lange Begrüssung beginnt Wäspe zu singen und die Kinderaugen beginnen zu funkeln. Wäspe hat die volle Aufmerksamkeit für sich. Kein Wunder, ist sie doch ausgebildete Leseanimatorin und weiss, wie sie die Babies im Alter zwischen neun bis 24 Monate begeistern kann. Gestern morgen besuchte die Hornerin erstmals die Bibliothek in Rorschach, und einige Mütter und Grosseltern folgten der Einladung zum Thema Reim und Spiel.

Das Lied wiederholt Marianne Wäspe fünfmal. Die Kleinkindern scheinen von der Stimme hypnotisiert. Es ist schon fast beängstigend ruhig im Raum. «Es ist enorm wichtig für die Babies, dass sie die Lieder und Verse immer wieder hören», gibt Marianne Wäspe den Eltern zwischen den Liedern den Ratschlag. Dann beginnt sie einen Fingervers aufzusagen. Die Mütter und Grosseltern müssen währenddessen den Babies die Fingerspitzen drücken. «Das aktiviert das Gehirn», sagt Wäspe. Zwischendurch klatschen alle zum Takt oder wippen hin und her. Ein Baby stolpert noch unsicher auf den Füssen zu Wäspe und versucht ihr dabei zu helfen, Figuren zu stapeln. Ein zweites Kind eilt zur Hilfe. «Das dürfen die Kinder, spielen ist wichtig, sie müssen nicht immer ruhig dasitzen.» Ruhig dasitzen und zuhören scheint denn auch für die Babies immer schwieriger. Die ersten Tränen kullern über die Backen. Das merkt auch Wäspe und beendet die Geschichte. Bär Felix verabschiedet sich von den Kindern, und Freude strahlt in ihren Gesichtern.

Es ist nie zu früh

Mit den Kindern sprechen, ihnen Verse aufsagen und Geschichten erzählen, ist laut Marianne Wäspe für ihre Entwicklung wichtig. Man habe bemerkt, dass das Sprachverständnis der Kindergarten-Kinder immer schlechter wird. Sei es wegen des Fernsehens oder weil die Eltern weniger Zeit hätten.

Marianne Wäspe erzählt nicht nur die Geschichte von Bär Felix, sondern gibt den Eltern viele Tips. Wer neue Inputs sucht oder einfach einen spannenden Morgen mit dem Kind in der Bibliothek verbringen möchte, kann dies am Dienstag, dem 15. September tun. Um 9.30 Uhr kommt Wäspe wieder nach Rorschach. Der Eintritt ist frei.