Mit "unziemlicher Kleidung" gegen Kleidervorschriften

ST.GALLEN. Die Junge SP will sich von der Jungen SVP nicht vorschreiben lassen, welche Kleidung genehm ist. Sie ruft zu einer Aktion beim Bärenplatz auf - in "unziemlicher" Kleidung.

Christa Kamm-Sager
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In einem parlamentarischen Vorstoss wollte die Junge SVP auch das Tragen "unziemlicher Kleidung" im Unterricht zur Sprache bringen. Die Motion wurde vom Regierungsrat noch nicht beantwortet. (Bild: Keystone)

In einem parlamentarischen Vorstoss wollte die Junge SVP auch das Tragen "unziemlicher Kleidung" im Unterricht zur Sprache bringen. Die Motion wurde vom Regierungsrat noch nicht beantwortet. (Bild: Keystone)

Das bringt Andrea Scheck auf die Palme: "Diese Idee ist ein extremer Angriff auf die Selbstbestimmung, speziell jene von Frauen", sagt die Co-Präsidentin der Juso St.Gallen. Sie meint mit dieser Idee die Pläne von Mike Egger, St.Galler SVP-Kantonsrat und Präsident der JSVP St.Gallen. Der Jungpolitiker wollte im Grossen Rat mit einer Motion nicht nur islamische Kopftücher und T-Shirts mit links- oder rechtsextremen Sujets an der Volksschule verbieten, sondern gleich jegliche "unziemliche" Kleidung. Dieser parlamentarische Vorstoss wurde als nicht dringlich erklärt, aber eine Initiative gegen das Tragen von Kopftüchern wird die Junge SVP trotzdem lancieren. Die Junge SVP Kanton St.Gallen strebe kein "Miniröckli- und Hotpantsverbot“ an Schulen an. Eine ernsthafte Debatte über das Tragen von unangemessen knapper Bekleidung im Schulalltag werde jedoch bei der Jungen SVP St.Gallen geführt, hält Mike Egger fest.

Statt auf die Palme, zieht es Andrea Scheck ob dieser Haltung nun auf die Strasse. Sie ruft für Freitag zu einem "Flashmob" beim Bärenplatz auf – in "möglichst freizügiger Kleidung", gleich "halbnackt" - oder auch mit Kopftuch.

"Absurde Forderung"
"Widerstand!", heisst es auf einer eigens gegründeten Facebook-Seite. "Die jSVP hat uns nicht vorzuschreiben, wieviel Kleidung zu wenig, genug oder zu viel ist. Ob und wie wir uns anziehen, entscheiden wir immer noch alleine!". Kommentare fehlen nicht auf der Seite: "Wenn ich nicht in München wäre, würde ich halbnackt kommen!" oder "Können wir das schweizweit machen?"

Auf Anfrage sagt Scheck, dass es sie erstaunt, dass die Junge SVP mit einer solchen absurden Forderung, wie jene, das Tragen unziemlicher Kleidung zu verbieten, komme. "Den Angriff auf das Kopftuch konnte man ja etwas voraussehen." Empört ist Scheck jetzt hauptsächlich darüber, dass die lange erkämpfte Selbstbestimmung in Frage gestellt wird. "Es kann nicht sein, dass Frauen aufgrund ihrer Kleidung die Schuld zugeschoben wird, wenn Männer sich negativ verhalten. Dafür habe ich null Verständnis."

Gegen Freiheitsrechte
Auch die Jungfreisinnigen melden sich zur geplanten Kopftuchinitiative der Jungen SVP zu Wort: "Um der Debatte einen ernsthaften Anstrich zu verpassen, wird die Kopftuchdiskussion in dieser Motion nun auch auf andere Bekleidungsstücke und Symbole erweitert", halten die Jungfreisinnigen in einem Communiqué fest. "Die Jungfreisinnigen stellen sich mit aller Vehemenz gegen eine Einschränkung verfassungsmässig verbriefter Freiheitsrechte", schreiben Präsident Christoph Graf und der Kommunikationsverantwortliche Simon Scherrer. "Wir glauben, dass es bei diesem Vorstoss weniger um die Lösung eines tatsächlichen Problems geht, sondern darum, mit billiger Effekthascherei auf Stimmenfang zu gehen."

Rede, Flyer, Marsch zum Bahnhof
Für die Juso St.Gallen ist es Zeit, ein Zeichen zu setzen. Sie hoffen auf mindesten 50 Leute, die sich am Freitag, um 18 Uhr, auf dem Bärenplatz zum "Flashmob" versammeln. Danach werde man mit einem Transparent weiterziehen zum Bahnhof, Flyer verteilen, und es werde auch eine Rede geben. Eine Bewilligung habe man für den Anlass nicht eingeholt, da es sich um eine spontane Aktion und nicht um eine Demonstration handle.

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