Mit Themenweg sensibilisieren

Ein Themenweg entlang einer Muoler Apfelplantage behandelt die psychische Gesundheit. Psychische Leiden sollen damit enttabuisiert werden.

Tim Wirth
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Noch bis Ende Oktober bleibt der Themenweg in Muolen. (Bild: Tim Wirth)

Noch bis Ende Oktober bleibt der Themenweg in Muolen. (Bild: Tim Wirth)

MUOLEN. Statistisch gesehen leben in Muolen 82 Personen, die wegen einer Depression behandelt werden müssten. Mit dieser Zahl konfrontiert Jürg Engeler, Leiter der Fachstelle Psychische Gesundheit St. Gallen, die rund 30 Zuhörer seines Referates zum Thema «Work Life Balance, Burn-out und Depression» im Restaurant Rössli. Schnell wird den Besuchern klar, dass psychische Krankheiten eine Realität sind. Aber eine Realität, über die wenig gesprochen wird. Das Referat am Dienstag war die Startveranstaltung für einen Themenweg, der bis zum 25. Oktober zwischen dem Restaurant Hirschen und der Bachstrasse besichtigt werden kann.

Impulse gegen Depression

Die 14 Infotafeln sind entlang eines mit Apfelbäumen gesäumten Feldes angebracht. Bebildert und einfach gehalten, sollen sie zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Auf dem ersten Teil des Weges werden den Spaziergängern Informationen zu psychischen Krankheiten nähergebracht. Danach werden Impulse präsentiert, die einer Depression vorbeugen können. «Mit einem Themenweg kann ein Tabuthema sehr niederschwellig angegangen werden», sagt Engeler. Während seines Referats, bei dem er viele zusätzliche Informationen zum Themenweg vermittelt – spricht er das Vereinsleben an. Es ist etwas von vielem, das helfen kann, einer Depression zu entgehen.

Hilfe aufzeigen

Für die Gemeinde Muolen ist der Themenweg das erste handfeste Projekt, das Gesundheitsprävention anstrebt. «Wir wollen die Leute für das Thema sensibilisieren und darauf aufmerksam machen, dass es Hilfe gibt», sagt Sabrina Egger, Gemeinderätin und Gesundheitsbeauftragte in Muolen. Der Themenweg ist ein Projekt des Ostschweizer Forums für psychische Gesundheit. Er war auch schon in Wittenbach und St. Gallen zu sehen. In Muolen wurde er bewusst entlang der Apfelplantage geführt. «Wir wollten einen diskreten Ort, an dem die Leute anonym den Weg besuchen können», sagt Egger.

Grosses Tabuthema

Es wird sich zeigen, wie die Bevölkerung den Weg nutzt. Der Grundtenor im Restaurant Rössli ist jedenfalls positiv. «Es ist wichtig, sich darüber zu informieren und sich auszutauschen», sagt eine ältere Frau. Wenn sie dies mit einem Spaziergang verbinden könne, sei das doppelt gut. Ein Ehepaar bringt die Bedeutung des Themas auf den Punkt: «Wenn ich mir das Bein breche, gehe ich zum Arzt und bekomme einen Gips. Doch was können Menschen mit einer psychischen Krankheit tun?»