Mit renitenten Moslems auf Stimmenfang

Es geht um Kopftücher, es geht um Gebetsräume, es geht um den Islam: Seit Monaten liegt eine bosnische Familie im Rheintal mit den Behörden im Streit, weil sie ihre Kinder streng nach dem Koran erziehen will.

Andri Rostetter
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Eine Gruppe von SVP-Politikern fordert für eine moslemische Familie in St. Margrethen den Entzug der Aufenthaltsbewilligung. (Bild: Ralph Ribi)

Eine Gruppe von SVP-Politikern fordert für eine moslemische Familie in St. Margrethen den Entzug der Aufenthaltsbewilligung. (Bild: Ralph Ribi)

Es geht um Kopftücher, es geht um Gebetsräume, es geht um den Islam: Seit Monaten liegt eine bosnische Familie im Rheintal mit den Behörden im Streit, weil sie ihre Kinder streng nach dem Koran erziehen will. Die Kinder dürfen nicht in den Schwimmunterricht, die Tochter muss mit dem Kopftuch zur Schule, der Vater weigert sich, mit weiblichen Lehrpersonen zusammenzuarbeiten. Das ist tatsächlich starker Tobak. Wer derart renitent ist, muss sich Sanktionen gefallen lassen. Im Fall dieser Familie ist das bereits passiert: Der Vater hat eine mehrmonatige Gefängnisstrafe abgesessen – und er muss wohl ein weiteres Mal hinter Gitter.

Ein Teil der St. Galler SVP macht nun politisch gegen diese Familie mobil: Die Gruppe ruft die Kantonsregierung dazu auf, der Familie die Aufenthaltsbewilligung zu entziehen. Begründung: Die Integration sei gescheitert, also müssten die Konsequenzen gezogen werden. Nur so könne der soziale Friede erhalten werden.

Wirklich glaubwürdig wirkt diese Petition nicht. Gerade die SVP müsste wissen, was es für einen Entzug der Aufenthaltsbewilligung braucht. Widerborstiges Verhalten gegenüber Schulbehörden genügt dafür nicht. Und was den sozialen Frieden angeht: St. Margrethen wird an einer einzelnen renitenten Moslem-Familie nicht zugrunde gehen. Gefährdet wird die gegenseitige Akzeptanz vielmehr durch Petitionen, die auf Ressentiments gegen Andersgläubige setzen. Für die SVP ist diese Familie geradezu ein ideales Feindbild: Ausländer, Moslems, Sozialhilfeempfänger. Es geht den Petitionären also kaum um den sozialen Frieden. Sondern in erster Linie um Wählerstimmen.

andri.rostetter@tagblatt.ch