Mit Pfeiftönen gegen Wildunfälle

Wildwarngeräte sollen Unfälle mit Wild verhindern. Darum wurden im Rahmen einer Aktion in sieben Jagdrevieren der Region solche Geräte an den Strassen montiert. Der Kanton begleitet das Projekt wissenschaftlich.

Andrea Sterchi
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Die Kantonsstrasse nach Eggersriet quert im Abschnitt Unterebni bis Östrain gleich mehrmals den natürlichen Wildwechsel. (Bild: Andrea Sterchi)

Die Kantonsstrasse nach Eggersriet quert im Abschnitt Unterebni bis Östrain gleich mehrmals den natürlichen Wildwechsel. (Bild: Andrea Sterchi)

Wenig grösser als ein Brillenetui, fallen die Wildwarngeräte an den Strassenpfosten kaum auf. Sobald das Scheinwerfer- oder Abblendlicht eines Autos auf den Sensor fällt, ertönt ein Pfeifton, gut hörbar auch für das menschliche Ohr. Das akustische Signal soll Wildtiere abhalten, jetzt die Strasse zu queren. Die Jagdgesellschaften der Region haben solche Geräte im Rahmen der Aktion «weniger Wildunfälle» (siehe «Stichwort») in Gossau, Andwil, Bernhardzell, Wittenbach, Untereggen und Eggersriet montiert.

Entlang der Höhenkurve

In Untereggen und Eggersriet beispielsweise sind es 85. So entlang der Kantonsstrasse nach Eggersriet ab der Unterebni über die Haarnadelkurve bis kurz vor dem Östrain (Bild), nach dem Östrain bis Ende des Waldes und beim Dorfausgang ab dem Riemenrain bis zur Kantonsgrenze im Halten. Besonders auf der ersten Strecke ist der Wildwechsel für Autofahrer wie Tiere gefährlich. «Das Rehwild wechselt möglichst entlang einer Höhenkurve.

Hier schneidet die Strasse den natürlichen Wechsel x-mal», erklärt Ralph John, Obmann der Jagdgesellschaft Eggersriet. Vor allem Rehe und Füchse sind in Unfälle verwickelt, etwas weniger Dachse.

Pro Jahr zählt Ralph John im Schnitt 12 Unfälle mit Rehwild, bei einem Bestand von etwa 35 Tieren. «2009 hatten wir mehr Abgänge durch Unfall, als wir Tiere bejagten.»

Alternierend alle 50 Meter

22 Warngeräte hat Obmann Mauro Colombo mit Mitgliedern der Jagdgesellschaft Untereggen-Goldach entlang der Strasse von der Martinsbrücke bis zum Hinterhof in Untereggen montiert. «Immer etwa im Abstand von 50 Metern, wo keine Felswand die Strasse begrenzt», sagt er. Auf der einen Kilometer langen Strecke zählt die Statistik fünf Tiere pro Jahr als Fallwild. Wie gross der Bestand derzeit ist, kann Colombo nicht sagen. «Wir zählen noch.»

Versicherungen bezahlen

Ein Wildwarngerät kostet laut Guido Ackermann, Leiter des Amtes für Natur, Jagd und Fischerei, 56 Franken. Der Schweizerische Versicherungsverband bezahlt pro Gerät 50 Franken, die Jagdgesellschaften zahlen 5 Franken. Der Versuch ist auf zwei bis drei Jahre angelegt. Der Kanton begleitet das Projekt wissenschaftlich. «Ein Fachbüro soll klären, was die Aktion bringt, wie erfolgreich die Geräte sind», sagt Ackermann. Zum einen wird die Zahl der Unfälle auf den Teststrecken mit jener aus früheren Jahren verglichen.

Zum andern sollen Beobachtungen zeigen, wie das Wild beim Pfeifton reagiert. Und die Unfallzahlen werden mit jenen auf Referenzstrecken verglichen.

Ackermann und die Obmänner appellieren an die Autofahrer, in der Morgen- und Abenddämmerung und nachts auf Strassen mit Wildwechseln besonders aufmerksam zu sein. Jetzt im Frühling suchen sich die jungen Rehböcke eigene Reviere. Im Mai wählen die Rehkühe den Platz fürs Setzen der Kitze. Im August beginnt die Brunftzeit, und im Winter leckt Rehwild Salz von den Strassen.

Wer ein Wildtier anfährt, soll die Kantonspolizei verständigen. Sie informiert die Jagdaufseher.

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