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Mit neuer Niere in den Stadtrat

ST.GALLEN. Der ehemalige SVP-Stadtparlamentarier Christian Hostettler kandidiert als Vertreter der Unabhängigen Volkspartei (UVP) für den Stadtrat. Bekannt geworden als Polterer von rechts, gibt er sich nach überstandener Krankheit geläutert.
Will es nochmals wissen: UVP-Stadtratskandidat Christian Hostettler mit Frau Marlies und der siebenmonatigen Enkelin Eleni. (Bild: Michel Canonica)

Will es nochmals wissen: UVP-Stadtratskandidat Christian Hostettler mit Frau Marlies und der siebenmonatigen Enkelin Eleni. (Bild: Michel Canonica)

Von allen, die da für den Stadtrat kandidieren, mache es ihm wahrscheinlich am wenigsten aus, dass er in der Tagblatt-Porträtserie zuletzt an die Reihe komme, sagt Christian Hostettler in breitem Berndeutsch. Der Aussenseiterkandidat der noch zu gründenden Unabhängigen Volkspartei (UVP) gibt sich am Stubentisch bei sich zu Hause im Lachenquartier gelassen und humorvoll. Mit seiner Kandidatur aber ist es ihm todernst. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Gegen den Filz im Stadtrat

Gelassen kann er sich nach aussen vielleicht geben, weil er in der Politik schon viel einstecken musste. Er kennt die Spielchen – und hat seit jeher seinen ureigenen Weg gefunden, diese zu spielen. Der ehemalige SVPler kann auch austeilen. Manch einer seiner vernichtenden Leserbriefe konnte in den vergangenen Jahren nicht veröffentlicht werden, weil er darin zu ausfällig wurde. Sicher ist, dass er niemals ein Blatt vor den Mund nimmt und seine meist – aber nicht immer – rechten Positionen aus schierer Überzeugung vertritt. «Weichspüler» nennt er seine Ex-Parteikollegen der Stadt-SVP. «Und der Stadtrat versinkt ja im Filz.» Weshalb es ihn brauche, der «niemandem ausser dem Volk» etwas schuldig sei.

«Hostettler ist eine der wenigen politischen Saftwurzeln, die in der Stadt noch übriggeblieben sind», sagt ein erfahrener Politbeobachter, der das Heu im übrigen eindeutig auf der gegenüberliegenden Seite der politischen Bühne hat. Im Jahr 2007 kostete sein eigenwilliges Verhalten als Stadtparlamentarier Hostettler gar die Mitgliedschaft in der SVP-Fraktion. Er wurde ausgeschlossen, blieb aber als «SVP-Senior» und Einzelmaske im Parlament. Die Wiederwahl schaffte er vor vier Jahren dann auch als Original nicht mehr. Kurz darauf machte er als Präsident der Raucherliga mit seinem Feldzug gegen das Rauchverbot auf sich aufmerksam.

Keine Einigung mit der SVP

«Ich lasse mir eben nicht sagen, was ich zu denken habe», sagt der 63-Jährige nach Jahren, in denen er und seine ehemalige Partei sich in den Haaren lagen. Der Streit hat erst am 12. Juli 2012 seinen vorläufigen Schlusspunkt gefunden, als Hostettler seine Mitgliedschaft bei der SVP endgültig kündigte. Wenige Tage später liess er sich als Stadtratskandidat aufstellen. Für eine Partei, die UVP, welche er nur gründen will, falls sie ein Mandat im Stadtparlament oder im Stadtrat gewinnt.

Nur zu gerne hätte er sich von der SVP aufstellen lassen. Doch die habe abgeblockt. «Bis zuletzt habe ich versucht, mich mit ihnen zu einigen.» Vergebens. Und da Politik für ihn Hobby, Arbeit und Leidenschaft in einem ist – was auch seine Frau bestätigt –, versucht er es jetzt halt so herum. Ganz besonders nach der gesundheitlichen Grenzerfahrung, die er im vergangenen Jahr machen musste.

Dem Tod entkommen

Am 7. August 2011 habe er ein neues Leben geschenkt bekommen, sagt der vierfache Grossvater und Vater zweier erwachsener Kinder. An diesem Tag erhielt er eine Spenderniere, die ihn nach 14 Monaten Dialyse von einer schweren Niereninsuffizienz erlöste. Damit sprang Christian Hostettler dem Tod von der Schippe. Heute ist er unter anderem Nichtraucher, lebt bewusster und wirkt irgendwie – ein bisschen geläutert. Das Nichtrauchen nehme er für eine neue Niere gerne in Kauf, sagt er. Wegen seiner persönlichen Geschichte sei er besonders motiviert, noch einmal eine neue Aufgabe anzupacken. «Die Krankheit hat mich total verändert. Es wurde mir bewusst, was wichtig ist und was nicht.»

Deshalb handle es sich bei seiner Kandidatur auch nicht um eine Trotzreaktion. «Aber wenn ich der SVP damit ein bisschen schaden kann, ist das eine Begleiterscheinung, die ich gerne in Kauf nehme. Das wäre dann einfach die gerechte Strafe für die.»

Odilia Hiller

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