Mit Improvisation zum Text

RORSCHACH. Das Rorschacher Theater Sinnflut probt die irische Komödie «Lang lebe Ned Devine». Dabei hält Kristin Ludin alle Fäden in den Händen. Unter ihrer Regie müssen die Schauspieler ihre Texte aber nicht strikt auswendig lernen.

Lea Müller
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Noch wenige Wochen bis zur Premiere: Die Theatergruppe Sinnflut probt die Schlussszene von «Lang lebe Ned Devine». (Bilder: Lea Müller)

Noch wenige Wochen bis zur Premiere: Die Theatergruppe Sinnflut probt die Schlussszene von «Lang lebe Ned Devine». (Bilder: Lea Müller)

RORSCHACH. In kürzester Zeit die Alltagssorgen abstreifen, in eine andere Figur schlüpfen und den Text im Kopf präsent haben – der Wechsel vom realen Leben zu jenem auf der Bühne ist keine einfache Sache. Die Laienschauspieler des Rorschacher Theaters Sinnflut meistern diese Herausforderung bei den Proben aber sichtlich gekonnt. Das hat einerseits damit zu tun, dass viele von ihren bereits alte Hasen sind in der Theaterwelt. Andererseits haben sie das aber auch ihrer Regisseurin Kristin Ludin zu verdanken. Denn klassisches Auswendiglernen von Texten und striktes Proben gehört nicht zur Philosophie der Thaler Theaterpädagogin. Unter ihrer Regie müssen die Schauspieler improvisieren und dürfen sich auch mal vor lauter Lachen die Bäuche halten.

Neue Fassung geschrieben

Bei den Proben im Pestalozzischulhaus versammeln sich alle Schauspieler im Kreis um Kristin Ludin. Nach Übungen für Stimme und Aussprache werden Grimassen geschnitten, also die Gesichtsmuskeln trainiert. Dann gehen alle kreuz und quer durch den Raum, bewegen sich abwechselnd als Theaterfigur und wieder als eigene Person. Dann nimmt jeder als Figur eine typische Pose ein und spricht laut einen Satz. Kristin Ludin hört genau hin, korrigiert Betonung und Aussprache. Dann gibt die Regisseurin eine neue Aufgabe: Sie beschreibt den Ablauf einer kurzen Szene, die so aber nicht im Stück vorkommt. Die Schauspieler müssen sich spontan darauf einlassen und improvisieren. «So lösen wir uns vom Auswendiggelernten in unseren Köpfen und finden spielerisch zu unserem Stück», erklärt Kristin Ludin.

Dank des Improvisierens entstand während der ersten Probezeit Spielmaterial für die Rohfassung des Stücks. «Ich konnte viele Ideen der Schauspieler einfliessen lassen», erzählt die Regisseurin. Sie hat aus den Drehbüchern zum Film «Waking Ned» von Kirk Jones eine neue Fassung für die Theatergruppe Sinnflut geschrieben. Das ausgewählte Stück beschreibt sie als witzige und liebliche Geschichte, in der viele verschiedene Typen von Figuren auftreten. «Aus diesem Stoff konnten wir eine Inszenierung machen, die das Publikum berühren wird.»

Unverhoffter Geldsegen

Die Geschichte spielt in Tully More, einem kleinen Dorf in Irland. Just in dem Moment, als Ned Devine im Lotto gewinnt, segnet er das Zeitliche. Die beiden Spitzbuben Jacky (Bertolt Specker) und Michael (Hans Ludin) erfahren als erste vom unverhofften Geldsegen. Zusammen mit Jackys Frau Annie (Elisabeth Spörri) finden sie den glücklichen Gewinner tot vor dem Fernseher. Bevor die Lottomillionen zurück in den Jackpot fliessen, müssen sie schnell handeln. Kurzerhand «erwecken» sie den verstorbenen Multimillionär zu neuem Leben. In ihrer Euphorie vergessen sie jedoch die eine oder andere Kleinigkeit und sorgen für Aufregung im Dorf. Weiter spielen mit: Tanja Jäger, Alois Ruch, Anja Lassig, Andreas Wendel, Bruno Gschwend, Karin Etterlin, Sophie Windler, Walter Graf und Cornelia Truniger.

Gummistiefel und Wollpullover

Nicht nur das Bühnenbild und die Schauspieler in ihren Gummistiefeln und Wollpullovern wirken echt irisch. Die FHS-Cafeteria verwandelt sich zudem in ein irisches Pub. Kristin Ludin hat den schelmischen, schwarzen Humor des irischen Originalstücks kaum verändert. Sie ist überzeugt, dass das Rorschacher Publikum viel zu lachen haben wird und die Aula der Fachhochschule nach der Aufführung mit einem warmen Gefühl verlassen wird.

«Wir sind gut im Zeitplan», sagt Kristin Ludin. Heute probt die Theatergruppe erstmals nicht mehr einzelne Szenen, sondern den gesamten Durchlauf. «Erfahrungsgemäss gibt es zu diesem Zeitpunkt kleine Rückschritte», sagt die Regisseurin. «Doch pünktlich zur Premiere werden wir in Hochform sein.»

Regisseurin Kristin Ludin.

Regisseurin Kristin Ludin.