Mit Humor ins Stadtparlament

GOSSAU. Martin Pfister sitzt seit den Sommerferien für die CVP im Gossauer Stadtparlament. Bislang hat er als einer von «Drey Richtern» vor allem Schnitzelbänke zum politischen Geschehen vorgetragen. Der Bauleiter hat aber auch ernste Anliegen.

Johannes Wey
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Neo-Stadtparlamentarier Martin Pfister in seiner Wohnung. Neben dem Sport nimmt auch die Musik einen grossen Teil seiner Freizeit ein. (Bild: Ralph Ribi)

Neo-Stadtparlamentarier Martin Pfister in seiner Wohnung. Neben dem Sport nimmt auch die Musik einen grossen Teil seiner Freizeit ein. (Bild: Ralph Ribi)

Seit kurzem sitzt ein «Richter» für die CVP im Gossauer Stadtparlament. Martin Pfister ist für Ruedi Manser nachgerückt, der vor den Sommerferien aus dem Parlament zurückgetreten war. Pfister ist in Gossau auch bekannt als einer der «Drey Richter», die während der Fasnachtszeit ihre giftigen Schnitzelbankverse vorsingen. Künftig sitzt er also direkt an der Quelle, wenn es darum geht, die besten Themen aus der Kommunalpolitik aufzugreifen. Doch: «Ich will künftig nicht noch mehr politische Sprüche klopfen», sagt der bald 30-Jährige. Mit einer Ausnahme: Selbstironie dürfe natürlich schon sein.

Fasnacht und Politik zu Hause

Beides, das Interesse für Basler Fasnachtsbräuche und die Politik, wurde schon in Pfisters Elternhaus geweckt. Seine Eltern sind ebenfalls in der CVP. «Viel wichtiger war aber, dass wir die politischen Themen jeweils am Esstisch diskutiert haben.» Und durch das Interesse an der Politik verstärkte sich auch das Interesse an den Schnitzelbänken. «Viele der Witze versteht man ja nur mit politischem Wissen.»

Zu den «Drey Richtern» formierten sich Martin Pfister und seine beiden Brüder übrigens anlässlich eines Geburtstags ihres aus Basel stammenden Vaters. Dieser ist heute auch Teil der Gruppe.

Emotionale erste Sitzung

In seinem Umfeld sei es kaum ein Thema gewesen, dass er nun ins Stadtparlament nachgerückt ist, sagt der Bau- und Projektleiter einer St. Galler Baumanagement-Firma. Dass das Nachrücken nur eine Frage der Zeit ist, zeichnete sich schon ab, als er bei den Wahlen den ersten Ersatzplatz erreichte. Bei seiner ersten Sitzung stand mit der Umzonung für den Durchgangsplatz für Fahrende gleich ein emotionales Thema auf der Traktandenliste. «Das war schon speziell», sagt Pfister. Gossau sei im Fokus gestanden, weil dieser Standort als letzter im Kanton in Frage kam. «Letztlich war es aber ein Nein zu einem Teilzonenplan.» Auch Pfister stimmte wie die Mehrheit.

Grosse Fussstapfen

Politisch tritt der Neo-Parlamentarier als Nachfolger von Ruedi Manser in grosse Fussstapfen. «Sein Rücktritt war ein Verlust für das Parlament und die Fraktion», sagt Pfister. Doch auch wenn er seinen Vorgänger nicht kopieren wolle, finde er es spannend, dass sie beide bei Smartvote ein ähnliches Profil hätten. Ob das auch für das «C» im Parteinahmen gilt? Immerhin ist Vorgänger Manser auch Kirchenverwaltungsratspräsident. «Ich bin ein gläubiger Mensch und setze mich gerne mit Religionen und Kulturen auseinander. Und natürlich bin ich ein Familienmensch.»

Pfister will im Stadtparlament nicht nur seine Erfahrungen aus der Baubranche einbringen. Auch der Sport liegt dem Hobbyfussballer und -unihockeyspieler am Herzen. Hier wird es in Gossau mit dem Masterplan Sportanlagen in naher Zukunft auch einige Berührungspunkte geben. Auch die Anliegen der Jugend sind ihm wichtig: «Da zähle ich mich ja selber noch dazu», sagt der ehemalige Leiter bei der Pfadi St. Georg. Seine ersten Erfahrungen mit der Politik machte er als Jugendvertreter in der Kommission Gesellschaft.

Noch keine Kommission

Um einen Sitz in einer parlamentarischen Kommission will sich Pfister noch nicht bemühen, bleibt aber offen, falls sich etwas ergibt. Es müsse auch nicht die Baukommission sein, obwohl er hier Berufserfahrung vorweisen kann. «In der Politik kann man seinen Horizont öffnen. Laien sind für die Kommissionen eine Bereicherung», findet er. Denn sie brächten Erfahrungen ein, die andere nicht hätten.