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Mit Heroin die Schmerzen betäubt

Ein 49jähriger Schweizer verkaufte Heroin, um seinen Eigenkonsum zu finanzieren. In die Sucht war er geraten, weil er nach einem Unfall seine starken Schmerzen mit Drogen betäubte. Nun stand er vor Gericht.
Claudia Schmid

Der Mann hatte zwischen Juli und September 2014 rund 250 Gramm Heroingemisch erworben. Den grösseren Teil verkaufte er, den kleineren konsumierte er selber. Als ihm die Polizei auf die Schliche kam und eine Hausdurchsuchung durchführte, fand sie neben einer kleineren Menge Heroin und Drogenutensilien auch eine Gasdruckpistole.

Als Pfand überlassen

Die Gasdruckpistole habe er sich als Pfand aufschwatzen lassen, erklärte der Beschuldigte dem Einzelrichter am Kreisgericht St. Gallen. Um das Geld für den Eigenkonsum aufzutreiben, habe er auch für vier oder fünf Bekannte eingekauft und sie mit dem Stoff beliefert. Als einer das Heroin nicht gleich habe bezahlen können, sei er auf den Vorschlag eingegangen, die Pistole als Pfand entgegenzunehmen. Er habe aber keine Munition für sie besessen und eigentlich sei sie ihm nur lästig gewesen.

Der weitgereiste Mann mit Kenntnissen dreier Fremdsprachen erzählte, wie er in die Drogensucht geriet. Auf einem Schiff sei er verunfallt und mehrfach operiert worden, weil sich eine sogenannte Nekrose (Gewebeschäden, die durch das Absterben von Zellen entstehen) gebildet habe. In jener Zeit seien ihm starke Schmerz- und Beruhigungsmittel verabreicht worden. Später habe er den Schmerz mit Heroin betäubt und sei so in die Drogenabhängigkeit geraten.

Wie Tag und Nacht

Er werde den Fehler nicht wiederholen und nun die Finger vom Heroinkauf lassen, betonte der Beschuldigte. Er habe zwar bereits früher das Substitutionsmittel Methadon erhalten, sei aber aufgrund der vielen Nebenwirkungen doch immer wieder zum Heroin zurückgekehrt. Nun zähle er auf ein neues Substitutionsmittel mit viel weniger Nebenwirkungen und viel besserer Wirkung. Damit könne er auf den Heroinkonsum verzichten. «Es fühlt sich wie Tag und Nacht an», betonte der 49-Jährige.

Die Staatsanwaltschaft beantragte für die schwere Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz eine bedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten, eine Geldstrafe und eine Busse. Dieses Strafmass erachtete der Verteidiger als zu hoch. Bei der Urteilsfindung müsse zwingend die schwere Drogenabhängigkeit berücksichtigt werden, deren Hintergrund anfänglich die Schmerzbetäubung gewesen sei. Zudem leide sein Mandant seit dem Unfall und den Heilungsschwierigkeiten an einer psychischen Belastung mit Depressionen. Der Mann weise zudem nur eine geringfügige Vorstrafe auf und stehe zum ersten Mal vor Schranken.

Milde Strafe erhalten

Der Einzelrichter folgte grossmehrheitlich den Anträgen des Verteidigers und verurteilte den Angeklagten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sieben Monaten und einer Busse von 300 Franken.

Eine im November 2013 bedingt ausgesprochene Geldstrafe von fünf Tagessätzen à 30 Franken muss er nun bezahlen. Hinzu kommen die Verfahrenskosten von knapp 10 000 Franken.

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