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Mit Freude im «Chlausenfieber»

GOSSAU. 30 Jahre lang zog der Gossauer Bruno Räss als Silvesterchlaus durch das Appenzellerland. Nun zeigt das Appenzeller Volkskunde-Museum einige seiner Hauben für «schöne» Silvesterchläuse, die sich durch die Liebe zum Detail auszeichnen.
Stefan Feuerstein
Die Hauben und Hüte von Bruno Räss, für die er fast seine gesamte Freizeit opfert, entstehen in minuziöser Handarbeit. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Hauben und Hüte von Bruno Räss, für die er fast seine gesamte Freizeit opfert, entstehen in minuziöser Handarbeit. (Bild: Hanspeter Schiess)

Wenn morgen am neuen Silvester um fünf Uhr früh Silvesterchläuse durch das Appenzeller Hinterland ziehen, wird Bruno Räss aus Gossau unter den ersten Zuschauern sein. Auch zehn Jahre nachdem der gebürtige Herisauer zum letztenmal selber als Silvesterchlaus unterwegs war, lässt ihn der Brauch nicht los. «Die gelebte Kameradschaft in der Gruppe, die Pflege des Brauchtums und der schöne Gesang lösen seit meiner Kindheit grosse Freude in mir aus», erzählt der 61-Jährige. Weil das Tragen von Hauben, Schellen und so weiter aber eine «gröbere» körperliche Anstrengung darstelle, überlasse er das Chlausen nun lieber den Jungen.

Zwei bis drei Jahre Arbeit

Trotzdem packt ihn das «Chlausenfieber» – eine Unruhe, die Silvesterchläuse bis zur Schlaflosigkeit treibt – auch heute noch. Einige der Chlausengruppen, sogenannte Schuppel, werden nämlich Hauben und Hüte tragen, in die Bruno Räss unzählige Arbeitsstunden investierte. Wie viele Stunden er gemeinsam mit seiner Frau Madeleine und dem Schnitzer Kurt Hauser pro Haube benötigt, kann er nicht sagen – die Ausstattung eines Schuppels von sechs bis acht Chläusen beanspruche jedoch häufig während zwei bis drei Jahren den grössten Teil der Freizeit des technischen Mitarbeiters.

Seine Leidenschaft für die Gestaltung von Hüten und Hauben für Silvesterchläuse erwachte laut Bruno Räss nach dem Tod seines Schwiegervaters, der diesem Hobby lange Zeit nachging. «Damals war ich selber aktiver Silvesterchlaus und dachte mir, ich könnte das Bauen einfach mal versuchen», so Räss. Bald packte ihn die Begeisterung und schon begann er, seinen eigenen Schuppel regelmässig alle paar Jahre neu auszustatten. «Ein Silvesterchlaus will immer wieder neue Sujets zeigen, so bleibt man aktuell und auch im Gespräch.»

Handarbeit in jedem Detail

Der erste Schritt zur mit Liebe verzierten, mit unzähligen Perlen bestückten Haube besteht laut Bruno Räss jeweils in einem längeren Gespräch mit Kurt Hauser. Gemeinsam sammeln sie Ideen für die traditionellen Sujets – beispielsweise typische Szenen aus Alpaufzügen, dem Schwingsport oder den Auftritten volkstümlicher Musikformationen – und bringen sie in einer Handzeichnung samt allen Details zu Papier. Auf die Arbeit am Computer verzichtet der 61-Jährige absichtlich, auch wenn seine beiden Söhne ihm diese bereits seit längerem näherbringen wollen.

Mit der Zeichnung als Vorlage wird schliesslich der Rohbau erstellt, danach werden alle Einzelteile gefertigt und schliesslich zusammengeleimt. Dass er dabei auf die Hilfe seiner Frau zählen kann, die unter anderem Tausende Perlen aufnäht, ist gemäss Bruno Räss unerlässlich: «Ohne sie hätte ich es nie geschafft, ganze Schuppel auszustatten.» Und auch die Zusammenarbeit mit dem Schwellbrunner Schnitzer Kurt Hauser sei entscheidend für die Qualität seiner Werke. «Kurt gilt als Kapazität auf seinem Gebiet. Perfektion ist ihm genauso wichtig wie mir.» Dass Perfektion die Hauben und Hüte von Bruno Räss auszeichnet, sieht auch der Laie auf den ersten Blick: Die Perlen sind alle regelmässig angeordnet, die Faden-Grafiken zeichnen sich durch ihre Symmetrie aus und auch die Szenen der Sujets lassen viel Liebe zum Detail erkennen.

Ausstellungsstücke unterwegs

Seit Mitte November präsentiert das Appenzeller Volkskunde-Museum in Stein in einer Sonderausstellung Hauben und Hüte «schöner» Silvesterchläuse, die Bruno Räss gemeinsam mit seiner Frau und Kurt Hauser gestaltet und gebaut hat. Für den Gossauer ist dies eine grosse Ehre: «Meine Werke sind sehr schön ausgestellt. Durch die gute Beleuchtung lassen sich Details erkennen, die man während der Umzüge zu Silvester nie so genau sehen kann.»

Wer möglichst viele der Hauben und Hüte von Bruno Räss betrachten will, muss sich aber noch bis zum 18. Januar gedulden. Derzeit werden nämlich zwei seiner fünf ausgestellten Gruppen von Silvesterchläusen benötigt, die morgen und zum alten Silvester am 13. Januar durch das Appenzeller Hinterland ziehen werden. Dass er und seine Frau Madeleine auch dann wieder unter den begeisterten Zuschauern sein werden, steht schon heute fest.

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