Mit Flüchtlingen Alltag meistern

73 Asylsuchende und Flüchtlinge leben derzeit in Wittenbach. Etwa alle zwei Wochen kommen neue hinzu. Ziel ist es, die Menschen möglichst rasch zu integrieren. Dazu wurde jetzt eine Integrationskommission gebildet. Ideen gibt es einige.

Corinne Allenspach
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Fast wöchentlich kommen neue Flüchtlinge in unserer Region an. Um die Integration zu erleichtern, setzt Wittenbach eine Kommission ein. (Bild: ky/Eddy Risch)

Fast wöchentlich kommen neue Flüchtlinge in unserer Region an. Um die Integration zu erleichtern, setzt Wittenbach eine Kommission ein. (Bild: ky/Eddy Risch)

WITTENBACH. Es ist eines jener Themen, das nicht nur die Medien praktisch das ganze vergangene Jahr über beschäftigt hat: Die anhaltenden Flüchtlingsströme. Längst sind die Menschen in unserer Region angekommen, auch wenn die Zahlen bei weitem nicht mit jenen in Deutschland vergleichbar sind. «Bei uns ist die Situation noch nicht so dramatisch», sagt Marlies Lorenz, Gemeinderätin in Wittenbach. «Für eine Gemeinde unserer Grössenordnung ist die Zahl der zugeteilten Flüchtlinge noch machbar.» Konkret: Aktuell leben in Wittenbach mit seinen rund 9500 Einwohnern insgesamt 73 Asylsuchende und Flüchtlinge. Im Januar vor einem Jahr waren es erst 45.

Zahl verändert sich laufend

Doch bei 73 Personen wird es nicht bleiben. Die Zahl verändert sich etwa alle zwei Wochen, wie Madeleine Vivas vom Sozialamt sagt. Einfach zuschauen und die Flüchtlinge ihrem Schicksal überlassen will man in Wittenbach aber nicht. «Wir überlegen, wie es gelingt, die Menschen möglichst rasch zu integrieren», sagt Marlies Lorenz. Darum habe man eine neue Integrationskommission gebildet, nachdem die alte vor einigen Jahren aufgelöst worden war. Präsidiert wird die Kommission von Gemeinderat Thomas Zünd. Nebst Marlies Lorenz sind auch Diakon Ueli Bächtold mit dabei, Monica Küng, Mitglied der Oberstufenschulleitung, Primarschulrätin Doris Nick, Schulsozialarbeiterin Andrea Schweizer, Ursula Surber, Präsidentin des Vereins Solidaritätshaus St. Gallen und Madeleine Vivas vom Sozialamt.

Im Alltag unterstützen

Noch steht die Kommission laut Marlies Lorenz ganz am Anfang. In Kürze werde man zum erstenmal tagen. Ziel ist es, in einem ersten Schritt zusammenzutragen, was in der Gemeinde schon läuft in Sachen Integration. «Es wird bereits vieles gemacht, etwa in der Schule, im K-Treff oder in der Kindertagesstätte Cavallino», sagt Marlies Lorenz. Nun gelte es, zu schauen, wo die Brennpunkte seien, und weitere Ideen umzusetzen. Ein Vorschlag, den sie sich vorstellen könnte: Alle Vorschulkinder der Flüchtlinge besuchen obligatorisch an zwei Tagen das «Cavallino». «So können sie Deutsch, bis sie in den Kindergarten kommen und kennen unsere Regeln.» Das sei vermutlich eine der günstigsten Lösungen.

Diskutieren werde man auch, ob man wieder ein Mentoring-Programm einführen wolle. Wie «KulTür», das 2012 von der Primarschule aus der Not heraus entstanden ist und von den Kirchgemeinden und der Politischen Gemeinde mitgetragen wurde. Ein wichtiger Baustein des Projekts waren Mentoren, die eine Familie im Alltag begleiteten. Gerade bei alltäglichen Dingen stossen Fremdsprachige rasch an ihre Grenzen und sind froh um Unterstützung – durch Mentoren oder entsprechende Kurse. Marlies Lorenz weiss von einer Familie, deren Wohnung dringend hätte geputzt werden müssen. Als sie die Frau darauf ansprach, sagte sie, der Staubsauger funktioniere nicht: «Schliesslich stellte sich heraus, dass einfach der Sack voll war.»

Ängste abbauen

Gelebte Integration, das wird in Wittenbach seit Jahren gross- geschrieben. Morgen Mittwoch findet zum Thema Flüchtlinge zudem eine Podiumsdiskussion statt (siehe Kasten). Ziel des Abends sei es auch, Ängste in der Bevölkerung abzubauen. «Die Menschen sind jetzt da, aber das muss uns keine Angst machen», sagt Marlies Lorenz.

Marlies Lorenz Gemeinderätin Wittenbach und Mitglied Integrationskommission (Bild: pd)

Marlies Lorenz Gemeinderätin Wittenbach und Mitglied Integrationskommission (Bild: pd)

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