Mit flinken Fingern und Fleiss

Was andere auch nach stundenlangem Drehen und Wenden nicht schaffen, erledigt er in wenigen Sekunden: Ramon Zeltner löst Zauberwürfel auf Zeit – im Zug, zu Hause, im Badezimmer. Und: Er nimmt an Wettkämpfen teil.

Linda Müntener
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Ramon Zeltner hat das Speedcubing vor rund zwei Jahren für sich entdeckt und übt seither täglich. (Bild: Linda Müntener)

Ramon Zeltner hat das Speedcubing vor rund zwei Jahren für sich entdeckt und übt seither täglich. (Bild: Linda Müntener)

GOLDACH. Er bringt so manchen Knobler zum Verzweifeln. In 43 Trillionen Stellungsmöglichkeiten lässt sich der Rubik's Cube, der berühmte farbige Zauberwürfel, drehen. Umso schwieriger ist es, die verschiedenfarbigen Vierecke wieder zu sortieren. Der Goldacher Ramon Zeltner hat den Dreh raus. Er löst den Zauberwürfel auf Zeit. Und schafft es in nur 23,59 Sekunden.

Jeden Tag im Zug üben

Vor etwa zwei Jahren hat der 43-Jährige das sogenannte Speedcubing für sich entdeckt. «Mich hat der Würfel schon als Kind fasziniert», sagt Zeltner. Damals, in den 80er-Jahren, erlebte der 3×3×3-Würfel einen regelrechten Boom. Mit der Zeit entwickelte sich das Lösen des Würfels zum Wettkampfsport. Ramon Zeltner hat sich die Techniken mit Hilfe von Anleitungen aus dem Internet selber beigebracht. Um immer schneller zu werden, übt er täglich. Eine Stunde, mindestens. Meistens tut er dies während der Zugfahrt zu seiner Arbeitsstelle in Altstätten. Die anderen Fahrgäste staunen nicht schlecht, wenn es aus Zeltners Abteil klickt und klackt. «Damit ich frühmorgens niemanden störe, habe ich mir extra einen leisen Würfel gekauft», sagt er und schmunzelt. Seine Familie hingegen hat sich längst an das aussergewöhnliche Hobby gewöhnt. «Nur manchmal fragt mich meine Frau, ob es denn wirklich sein muss, dass ich meine Würfel auch im Badezimmer liegen lasse», sagt Zeltner und lacht.

Zugfolgen auswendig lernen

Seine Würfel bestellt der Goldacher online in China. «Diese liegen besser in der Hand und lassen sich schneller drehen.» Um sie zu lösen, gibt es verschiedene Methoden. Jede hat bestimmte Algorithmen. Heisst: Für bestimmte Situationen werden Zugfolgen festlegt, um die Ziele zu erreichen. Zeltner nutzt wie die meisten anderen Speedcuber die sogenannte Fridrich-Methode. Diese sieht vor, den Würfel in vier Schritten zu lösen. Zuerst bildet man ein weisses Kreuz, dann löst man die ersten beiden Schichten, gefolgt von der Orientierung und schliesslich der Anordnung der letzten Seite. Was einfach tönt, setzt intensive Übung und Fingerfertigkeit voraus. «Letztlich ist alles eine Frage des Auswendiglernens und des Fleisses», sagt Zeltner. Acht Monate hat er gebraucht, um sich die wichtigsten Algorithmen einzuprägen. Er ist überzeugt: «Jeder kann Speedcubing lernen.» Und jeder sei in der überschaubaren Schweizer Cubing-Szene willkommen. Am Klischee, dass nur Nerds im dunklen Kämmerlein die Würfel lösen, sei nichts dran. Das beweise auch das bunt gemischte Teilnehmerfeld an Wettkämpfen.

Platz 40 an der Meisterschaft

An einem solchen hat der Goldacher vor einer Woche teilgenommen. In Wil fand die erste Schweizer Speedcubing-Meisterschaft statt. Zeltner schaffte es auf Platz 40 mit einer Bestzeit von 23,59 Sekunden. Er ist zufrieden. «Mir geht es nicht ums Gewinnen», sagt er. «Ich will meine Grenzen austesten.» Eine Bestzeit von 8,25 Sekunden, die der Schweizer Meister geschafft hat, werde er ohnehin nie erreichen. «Dafür bin ich zu alt.» Für den nächsten Wettkampf hat sich der 43-Jährige aber bereits Ziele gesetzt. Er will sich im Lösen des 4×4×4-Würfels verbessern. Und er will den Pyramix, den Zauberwürfel in Pyramidenform, noch schneller lösen.

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