Mit der Katze in den Wahlkampf

Flyer, Standaktionen, Diskussionsrunden: Die Kandidaten fürs Eggersrieter Gemeindepräsidium legen sich ins Zeug. Während der eine von einem Wahlstabsleiter unterstützt wird, wirbt der andere für sich selbst. Mit einer Katze.

Martina Kaiser
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Grüne Wiesen ohne bunte Wahlplakate: Die beiden Kandidaten fürs Eggersrieter Gemeindepräsidium wollen eine «Plakatschwemme» vermeiden. (Bild: Ralph Ribi)

Grüne Wiesen ohne bunte Wahlplakate: Die beiden Kandidaten fürs Eggersrieter Gemeindepräsidium wollen eine «Plakatschwemme» vermeiden. (Bild: Ralph Ribi)

EGGERSRIET. Was wäre, wenn? Diese Frage beschäftigt Mauro Piccolin. Was wäre, wenn Markus Peter als Gemeindepräsident nicht wiedergewählt würde. Was wäre, wenn die Eggersrieterinnen und Eggersrieter stattdessen Kurt Hartmeier-Stamm unterstützten. «Eine Enttäuschung», sagt er. Und eine persönliche Niederlage. Denn gelingt Markus Peter die Wiederwahl nicht, fällt das auf Piccolin zurück: Der CVP-Ortsparteipräsident ist für die Gesamterneuerungswahlen als Wahlstabsleiter zuständig.

Podium im Gemeindesaal

Als solcher möchte er in den verbleibenden sechs Wochen für seinen Kandidaten ordentlich die Werbetrommel rühren. Demnächst sollen Flyer in alle Haushalte verteilt werden. Mit dem lächelnden Gesicht von Markus Peter, seinem Leistungsausweis, seinen Zielen und Plänen für die Zukunft der Gemeinde. Weiter organisiert Mauro Piccolin mit seinem Team aus dem Vorstand der Ortspartei am Donnerstag, 23. August, 20 Uhr, im Gemeindesaal ein Podium mit den beiden Kandidaten. «So haben die Bürger den direkten Vergleich und können Fragen stellen oder Anregungen vorbringen», sagt Piccolin.

Die Katze aus dem Sack lassen

Während Piccolin und Peter auf das Podium setzen, will der Parteilose Kurt Hartmeier mit verschiedenen Aktionen auf sich aufmerksam machen: Seinen ersten Flyer haben die Eggersrieter kurz vor den Sommerferien erhalten. Abgebildet ist ein Sack, aus dem ein Katzenschwanz ragt. «Sie wählen die Katze nicht im Sack, denn Kurt Hartmeier-Stamm zeigt Ihnen, dass er es kann», steht darunter geschrieben. Der zweite Flyer erscheint Ende dieser Woche. Er kündet Hartmeiers Wahlveranstaltungen am 16. August und 4. September im «Hirschen» in Grub SG und am 25. August und 11. September «in der Höchi» und im «Steinernen Haus» in Eggersriet an. Dazwischen betreibt der 58-Jährige wacker Eigenwerbung auf dem Inserateweg. Derweil hängen in Bäckerei, Dorfladen und Denner Flugblätter des Kandidaten. Wieder mit Sack. Diesmal aber ohne Katze. «Die Katze ist aus dem Sack. Kurt Hartmeier-Stamm steht Ihnen Red und Antwort» steht geschrieben. Hartmeier erklärt: «Bei den geplanten Informationsveranstaltungen beweise ich, dass die Leute die Katze eben nicht im Sack kaufen, wenn sie mich wählen.» Mit dieser Strategie will er bei den Bürgern punkten.

Und punkten, so hofft er, könne er schon mit der Tatsache, dass er sein eigener Wahlstabsleiter sei. «Dadurch bin ich finanziell und politisch unabhängig.»

Keine «Plakatschwemme»

Derweil setzt Markus Peter auf das Know-how seiner Partei. Diese wiederum weiss, wie der Hase in Eggersriet läuft, wo «gute Arbeit und Sachpolitik zählen», wie Mauro Piccolin betont. Und genau das zeichne Markus Peter aus. «Es gibt einige, die haben das Gefühl, es läuft nichts im Dorf. Aber das stimmt nicht. Es sind viele Projekte, die im Hintergrund laufen.» Das Seniorenwohnen beispielsweise. Oder die «Förderung des Wohnungsbaus». Punkte, die auch auf Hartmeiers «to do list» stehen.

Eine ähnliche Auffassung vertreten die beiden Kandidaten auch, wenn es um die Plakatwerbung geht. Das sei nicht nötig, sagt Mauro Piccolin. Das sei kontraproduktiv, meint gar Kurt Hartmeier. Kontraproduktiv, weil viele «die Nase voll haben» von Wahlplakaten, gerade, weil im März die Kantonsratswahlen «mit einer Plakatschwemme» stattgefunden hätten. Wahlen, die Markus Peter kein Glück gebracht haben: Er hat den Sprung in den Kantonsrat nicht geschafft. «Dafür gibt es Gründe», sagt Piccolin. «Die St. Galler Kandidaten waren einfach bekannter als er und hatten eine breitere Unterstützung.»

Dass Markus Peter bei den Erneuerungswahlen auf eine breite Unterstützung in der Gemeinde zählen kann, darauf hofft Piccolin: «Ich kann es nicht sagen, bin aber überzeugt, dass ihn mehr als 50 Prozent der Bevölkerung wählen.» Kurt Hartmeier hingegen sieht sich vorne: «60 zu 40 für mich.» Das zeigten ihm die Rückmeldungen aus dem Dorf. «Viele wollen frischen Wind. Und diesen sollen sie bekommen.»

Kurt Hartmeier-Stamm (Bild: pd)

Kurt Hartmeier-Stamm (Bild: pd)

Mauro Piccolin (Bild: Martina Kaiser)

Mauro Piccolin (Bild: Martina Kaiser)

Bild: MARTINA KAISER

Bild: MARTINA KAISER