Mit der Drohne zum 3D-Modell

Danilo Bargen wollte ein Modell des Schlosses Rapperswil mittels 3D-Drucker herstellen. Doch dafür musste er die realen Gemäuer zunächst aus der Vogelperspektive fotografieren. Eine Drohne, zwei Handys und etliche Computerprogramme halfen ihm dabei.

Jérôme Stern
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Aus 60 Metern Höhe schiesst die Drohne erstaunlich scharfe Bilder. (Bild: Michael Suter)

Aus 60 Metern Höhe schiesst die Drohne erstaunlich scharfe Bilder. (Bild: Michael Suter)

RAPPERSWIL-JONA. Ein klarer Himmel spannt sich über Schloss Rapperswil. «Ideales Flugwetter», sagt Danilo Bargen. Seine Freundin nickt, steckt die Hände in die Jackentaschen und findet es kalt. Die beiden warten beim Brunnen am Hauptplatz auf den Drohnenpiloten Michael Suter sowie Co-Pilot Josua Schmid. An diesem Morgen haben sie Ungewöhnliches vor: Sie wollen das Schloss Rapperswil fotografieren – und zwar aus der Vogelperspektive, aus allen möglichen Winkeln.

Dafür braucht's neben Drohnenpilot samt Flugobjekt auch noch einige technische Ausrüstungen wie Flugbrille, Fernsteuerung und Software. Und Handys. Die seien wichtig, erklärt jetzt der Initiator des Projekts. «Wir brauchen sie nämlich zur Ortung.» Er zieht sein Telefon hervor und fährt fort: «Smartphones haben ein GPS, indem wir das Gerät auf der Drohne befestigen, wissen wir nachher, wo sich die Drohne bei einer Aufnahme befunden hat.» Das sei wichtig, damit die Software aus den Bildern ein Computermodell berechnen kann.

Der Traum der Hacker

Danilo Bargen und Josua Schmid sind Hacker. Allerdings nicht dubiose Figuren, wie sie in Filmen vorkommen, sondern neugierige Technik-Begeisterte. Sie wollen wissen, wie es in einem Computer aussieht, wie eine Software arbeitet. Und da gemeinsames Hacken noch mehr Spass macht, gründeten sie 2013 ihren Verein Coredump und richteten sich einen sogenannten Hackerspace ein. Wie alle ehrbaren Hacker träumten sie von den unbegrenzten Möglichkeiten neuer Technik – und besonders eines 3D-Druckers. Damit könnten sie und andere beliebige kleinere Objekte selber herstellen. Knackpunkt war allerdings der Preis: Das günstigste Gerät kostet 1600 Franken.

Die Menge macht's

Am 10. Januar starteten sie daher eine Sammelaktion – ein sogenanntes Crowdfunding via Internet und Facebook. Nach zehn Tagen hatten sie die notwendige Summe beisammen. Deshalb beschlossen sie, jedem Spender als Dankeschön ein 3D-Schlossmodell zu schenken. Unterdessen beim Schlosshügel: Nach dem Uhrenvergleich ihrer Handys befestigt Bargen sein Telefon auf der Drohne, ebenso die Minikamera. Pilot Suter lässt die Rotoren aufbrummen. Die Drohne gewinnt rasant an Höhe und fliegt wie ein zorniges Urzeitinsekt über die Köpfe. «Mehr nach links, zum Schloss», ruft Bargen. Nachdem diese Schlossseite aus jedem Winkel fotografiert ist, gibt Bargen dem Piloten die Landeerlaubnis.

Eine Flugstunde später: Von drei Seiten ist das Schloss mittlerweile fotografiert. Jetzt stehen die Freunde im Schlosshof und lassen die Drohne ein letztes Mal starten. Nach wenigen Runden schreit Co-Pilot Schmid: «15 Volt, Zeit zum Landen.» Der Wert beziffert die Akkuspannung. Unter einem bestimmten Wert schalten die Motoren ab. «Dann fällt die Drohne runter.» So aber landet sie sicher – mit der Beute sind alle zufrieden: 2200 Bilder hat sie geschossen.

Für Bargen und seine Hacker fängt jetzt die richtige Arbeit aber erst an. Mittels Computerprogrammen erstellen sie am Bildschirm ein Bild aus Tausenden von Punkten – welches anschliessend mit einem virtuellen Netz überzogen wird.

Als ehemalige Studenten der Hochschule für Technik Rapperswil werden Bargen und Schmid vom dortigen Geometa-Lab und ihrem Dozenten Stefan Keller unterstützt. «Dort interessiert man sich sehr für die Ergebnisse unserer Arbeit», sagt Bargen schmunzelnd. In wenigen Tagen endet ihre Sammelaktion – und zugleich beginnt für die Hacker ein aufregendes Kapitel mit beinahe unbegrenzten, realen Träumen in 3D.

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