Mit Dealen Eigenkonsum finanziert

Zwei Jahre Gefängnis bedingt lautet das Verdikt für einen langjährigen Drogenkonsumenten. Er hat mit Heroin gedealt. Damit habe er nur anderen Drogenabhängigen helfen wollen, erklärte er vor Gericht.

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Dem 46jährigen Italiener wird vorgeworfen, dass er sich der qualifizierten und privilegierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gemacht hat. 2011 und 2012 soll er Abnehmer aus der St. Galler Drogenszene mit Heroin versorgt haben. Unter den Belieferten gab es laut Anklageschrift nicht nur Endverbraucher, sondern auch Zwischenhändler. Die verkaufte Menge bezifferte die Staatsanwaltschaft mit rund 1,2 Kilo Heroin und einer geringen Menge Kokain und Dormicum.

Hilfe angeboten

Die Drogengeschäfte hätten seinen Eigenkonsum als Hintergrund, aber auch seine Bereitschaft, andere Drogenabhängige bei ihm wohnen zu lassen, erklärte der Angeklagte vor Kreisgericht St. Gallen. Einmal habe er einen Mann in jämmerlichem Zustand auf der Strasse aufgelesen, der zuvor aus dem Spital abgehauen sei. Sein Vater habe ebenfalls sieben Monate lang bei ihm gewohnt und sie hätten zusammen Drogen konsumiert.

Es sei vorgekommen, dass er bei grosser Kälte Süchtige in seine Wohnung mitgenommen habe. «Ich konnte sie doch nicht draussen erfrieren lassen», betonte er. Seien sie morgens zitternd aufgewacht, habe er ihnen von seinen Drogen abgegeben. Sei dies mehrmals der Fall gewesen, habe er Geld verlangt, da er ja auch seinen Eigenkonsum habe finanzieren müssen. Mehrere der ihm vorgeworfenen Drogenverkäufe bestritt der Beschuldigte. Mit solchen Falschaussagen wollten sich von ihm verschmähte Frauen rächen.

Lange Drogenkarriere

Nach seinem Suchtverlauf befragt, gab der Mann an, er habe mit elf Jahren geraucht, zwei Jahre später gekifft, mit 16 Jahren Heroin, später Kokain und Dormicum konsumiert. Seit einem Gefängnisaufenthalt vor drei Jahren konsumiere er keine illegalen Drogen mehr, sondern nur noch Methadon und vom Arzt verschriebenes Valium. Um einer geregelten Arbeit nachzugehen, fehle ihm die Kraft. Doch versuche er, in einem der Arbeitsprogramme sporadisch einen Job zu erhalten.

Mehrere Vorstrafen

Der Staatsanwalt schilderte den Beschuldigten als aggressiv und jähzornig. Er habe beispielsweise Leute, die gegen in ausgesagt hätten, eingeschüchtert und von ihnen verlangt, ihre Aussagen zurückzuziehen. Auch sei er mehrmals wegen Gewalt- und Drogendelikten per Strafbefehl verurteilt worden. Während seines Plädoyers musste der vorsitzende Richter den Beschuldigten dann mehrfach zurechtweisen, weil er dem Staatsanwalt ins Wort fiel.

Der Verteidiger machte Verfahrensfehler geltend. Er habe nicht die gesamte Akteneinsicht erhalten. Sein Mandant stehe trotz langer Drogenkarriere und Vorstrafen erstmals vor Gericht. Im Gefängnis sei er wegen einer Geldstrafe gewesen. Ausserdem gebe es seit vier Jahren keine Anzeige mehr gegen ihn. Einige Aussagen gegen seinen Mandanten dürften nicht verwendet werden, forderte der Verteidiger. Damit reduziere sich die Menge des gehandelten Heroins massiv.

Bedingte Freiheitsstrafe

Das Kreisgericht verurteilte den Mann zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit vierjähriger Probezeit. Er hat Verfahrenskosten von rund 18 000 Franken zu bezahlen. Das Urteil entspricht mehrheitlich den Anträgen der Verteidigung. Die Anklage hatte eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren gefordert. (cis)

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