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Mit Bauchgefühl zum Buch

ST.GALLEN. Er ist kein Fotograf und kein Ursanktgaller. Trotzdem hat Sandro Reichmuth ein Buch mit Fotografien der Gallusstadt gestaltet. Dafür war er in fast jeder Strasse der Stadt unterwegs – und hat sich manchmal ganz schön verdächtig gemacht.
Malolo Kessler
Impressionen aus dem Bildband: In der Fassade des Rathauses spiegelt sich der Berneggwald. (Bilder: Sandro Reichmuth)

Impressionen aus dem Bildband: In der Fassade des Rathauses spiegelt sich der Berneggwald. (Bilder: Sandro Reichmuth)

Wild und weitsichtig. Historisch und himmlisch. Lebendig und erholsam, steil und ungewöhnlich ist seine Welt. Sein St. Gallen. Und dieses hat Sandro Reichmuth in ein Buch gepackt, unterteilt in Kapitel mit ebendiesen Adjektiven als Titel.

Das Buch «Sankt Gallen – faszinierend anders» zeigt 230 Fotografien des 30-Jährigen. Die Seele der Stadt. Darunter gewöhnliche Einblicke in die Stiftsbibliothek, ungewöhnliche Einblicke ins Volksbad. Und faszinierende Ausblicke auf die schlafende Stadt. Zwischen den Bildern sind Texte zu finden, welche die Geschichte der Stadt, die Geschichte verschiedener Orte erklären. Geschrieben von einer Freundin von Sandro Reichmuth.

Ärger bei der Falkenburg

Der Typographische Gestalter sitzt in einem Café in der südlichen Altstadt, die er für sein historisches Kapitel unter anderem abgelichtet hat. Anderthalb Jahre hat er an seinem Buch gearbeitet. Die Idee dazu sei ihm nach einem längeren Aufenthalt in Kanada gekommen. Er war gerade von Gossau nach St. Gallen gezogen. «Obwohl ich die Stadt kannte, bin ich immer wieder auf Neues gestossen», sagt er. Leise, langsam. Er denkt nach, bevor er spricht, wählt bescheidene Worte. «Ich wollte meinen Entdeckergeist hier nicht verlieren und St. Gallen besser kennenlernen.» Während einer Projektarbeit für seine Ausbildung zum Typographischen Gestalter nahm das Buch, das er jetzt mit einer Auflage von 1800 Stück im Eigenverlag herausgibt, Gestalt an.

Für die Bilder sei er fast in jeder Strasse der Stadt gewesen, fast immer mit dem Velo oder zu Fuss. Manchmal sass Reichmuth drei Stunden lang im Dunkeln für eine einzige Aufnahme, wie bei jener die in der Ferne den Säntis über den Dächern der Stadt und unter dem Sternenhimmel zeigt. Ab und zu wurde er kritisch beäugt, etwa von den Schwimmerinnen im Volksbad. Und einmal ärgerte er sich ziemlich. An einem Sonntagmorgen stand er vor Sonnenaufgang auf, stieg vom Linsebühl zur Falkenburg hinauf. «Leider ohne Speicherkarte.» In dieser Zeit habe er viele Leute kennengelernt. «Überall fragten mich Passanten, was ich denn da mit dem Stativ tue.» Die Gespräche hätten gezeigt, wie viel den St. Gallern an ihrer Stadt liegt. Dass sie ihre Stadt gerne hätten. «Auch wenn sie immer so bescheiden tun», sagt er. Und dann: «Also wir.» St. Gallen ist ihm, der in Gossau aufgewachsen ist, Heimat geworden. Am liebsten ist der gelernte Polygraph auf dem Freudenberg. «Dort kann ich auf die ganze Stadt hinunterblicken. Das war befreiend und inspirierend.»

Die Stadt erforschen

Und trotzdem habe es die Momente gegeben. Jene, in denen er mit seinem Buch nicht mehr weitergekommen sei. «Dann bin ich einfach meinem Bauchgefühl gefolgt.» Als die Exemplare des Buches schliesslich bei seinem Arbeitgeber, der Ostschweiz Druck AG, gedruckt wurde, sei er doch ein bisschen nervös geworden. «Das war der Moment, indem ich das Ganze nicht mehr stoppen konnte.» Das Buch enthält nebst Bildern und Texten am Ende jedes Kapitels eine Karte, auf der zu sehen ist, wo Reichmuth fotografiert hat. «Ich möchte St. Galler dazu anregen, ihre Stadt zu erforschen. Und Touristen zeigen, was es abseits der Touristenpfade gibt.»

Mit 40jähriger Kamera

Das Fotografieren fasziniert Reichmuth nicht erst, seit er es in St. Gallen tut. Vor Jahren schenkte ihm sein Vater eine 40jährige Spiegelreflexkamera. Er nahm sie mit auf Reisen, experimentierte. Seit drei Jahren fotografiert er digital. «Es ist spannend, Momente festzuhalten, die gleich wieder vorbei sein können.» Zudem arbeite er gerne mit Schärfe und Unschärfe. «Da kann das Kameraauge etwas, was das menschliche nicht kann.» Die Bilder in seinem Buch hat er nicht nachbearbeitet. «Ich will St. Gallen zeigen, wie es wirklich ist.»

Ob er nochmals ein Buchprojekt machen möchte, weiss Sandro Reichmuth noch nicht. «Das war jetzt erst einmal genug.» Er lacht. In zwei Monate verlässt Reichmuth seine neue Heimat für fast ein halbes Jahr. Er reist mit seiner Freundin nach Südamerika. Und dort liegt auch ein Motiv, das er sich schon lange vor die Linse wünscht. Der Sternenhimmel über der chilenischen Wüste.

«Sankt Gallen – fazinierend anders» ist im Rösslitor, im Tourismusbüro und unter buch@faszinierend.ch für 44 Franken erhältlich.

Musikfans feiern vor der Bühne am OpenAir St. Gallen.

Musikfans feiern vor der Bühne am OpenAir St. Gallen.

Sandro Reichmuth Buchgestalter (Bild: Quelle)

Sandro Reichmuth Buchgestalter (Bild: Quelle)

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