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Mit alten Schläuchen Kasse machen

Rausverkauf

Es sind nicht die neuesten Smartphones, die der Werkhof Waldkirch an diesem Freitagnachmittag zum Verkauf anbietet. Und trotzdem geht die Ware weg wie warme Weggli. Und brandneu ist sie auch noch. Brandneu heisst in diesem Fall natürlich ungebraucht, wie es halt mit Material für den Ernstfall so sein kann. «Verkauf Zivilschutzmaterial» stand am 20. Oktober im Mitteilungsblatt. Seit 2013 der Sicherheitsverbund Gossau operiert, hat Waldkirch keinen Bedarf mehr an Zivilschutzmaterial. Und erst recht keinen Platz dafür. Für einen kleinen Unkostenbeitrag können hier vor dem Werkhof also Schläuche, Anhänger und Motorspritzen erworben werden. Das ruft trotz Regen Schnäppchenjäger auf den Plan. Scharenweise kommen sie zwar nicht, doch sie wissen genau, was sie wollen. Besonders begehrt scheint der einzige Baukompressor zu sein, erbaut in den Sechzigerjahren. Er wird von einen VW-Käfer-Motor angetrieben, wie ein Werkhofmitarbeiter weiss. Um 13.30 Uhr startet der Verkauf. Ein Mann im grauen Übergwändli kommt nur Minuten zu spät – der Kompressor ist schon verkauft. Schimpfend steigt er wieder ins Auto. «De Gschnäller isch de Gschwinder», heisst es bei den Schnäppchenjägern.

Die glückliche Käuferin muss gleich wieder los. Ihr Mann komme den Kompressor nächste Woche holen. Der arbeite nämlich auf dem Bau. Und wie viel hat sie denn nun für das Schnäppchen bezahlt? Das will sie nicht sagen. Werkhofleiter Martin Klaus ist ein wenig auskunftsfreudiger: «Zwei Mal die Hälfte», sagt er. Nun ja, immerhin hat die Dame den ganzen Betrag bezahlt. Sie hat sogar ordentlich zugegriffen: Ihr gehören jetzt auch vier benzinbetriebene Motorspritzen, Baujahr 1962. Vielleicht gründet sie mit ihrem Mann ja eine Feuerwehr. Dafür hätte sie aber noch Schläuche kaufen müssen, fünf Franken für 20 Meter. Doch die bleiben vorerst liegen.

«Wir haben bewusst nur im Mitteilungsblatt inseriert, damit die Dorfbewohner Vorrang haben», sagt Klaus. Doch der erste Andrang ist vorbei. Bleibt die Gemeinde auf dem restlichen Material sitzen? Zum Glück gibt es in Waldkirch viele Landwirte, die jetzt einer nach dem andern vorfahren. Einer sichert sich die fünfte und letzte Motorspritze – die Dame mit dem Kompressor hat sie ihm freundlicherweise überlassen. Dazu kommen einige Schläuche. Im Sommer will er mit dem Material Abwasser in die Gülle pumpen und sie so verdünnen. Ein weiterer Landwirt holt einen Anhänger ab. Dann schlägt auch das einheimische Gewerbe zu. Die Kanalreinigungsfirma von gegenüber hat ein Auge auf die verbliebenen Schläuche geworfen. Während diese palettenweise mit dem Gabelstapler abgeholt werden, steht ein Feuerwehr­anhänger zur Hälfte im Regen und wird vergessen. «Waldkirch 1976» steht darauf geschrieben. Zu alt für die Strasse, noch zu neu fürs Museum. «Den können wir wohl nicht vor dem Alteisen retten», sagt ein Werkhofmitarbeiter. Wobei: «Bereits für eine Zwanzigernote würden wir ihn hergeben.» (tso)

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