Mit 100 noch selber Rösti kochen

Gestern Freitag hat Ernst Haltner aus Engelburg seinen 100. Geburtstag gefeiert. Trotz seines hohen Alters lebt Ernst Haltner weitestgehend selbständig in einer kleinen Wohnung. Gemeindepräsident Boris Tschirky gratulierte dem Jubilar persönlich.

Katja Blöchlinger
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Ernst Haltner ist genau doppelt so alt wie Boris Tschirky. (Bild: Katja Blöchlinger)

Ernst Haltner ist genau doppelt so alt wie Boris Tschirky. (Bild: Katja Blöchlinger)

ENGELBURG. «Anstrengend» sei sein Geburtstag, sagt Ernst Haltner. Es seien so viele Besucher gekommen, um ihm zu gratulieren. Sein Nickerchen hat er wegen seines Ehrentages glatt ausfallen lassen. Doch aller Müdigkeit zum Trotz scheint er sich über die Präsente und Gratulationen sehr zu freuen. Jeder neue Besucher bekommt umgehend ein Stück Rüeblitorte und ein Glas Rotwein angeboten.

Hobbykoch seit dem Militär

«100 Jahre alt zu werden, das war sein erklärtes Ziel», sagt seine Tochter Beatrice Wild. Der Bauernsohn ist gelernter Hufschmied. Als aber Traktoren immer beliebter wurden, musste Ernst Haltner umsatteln. Er arbeitete daraufhin 35 Jahre lang bei der Firma Sulzer in St. Gallen. Doch auch nach seiner Pensionierung war mit Arbeiten noch nicht Schluss. Weitere zehn Jahre half Ernst Haltner dann nämlich in der Firma seines Sohnes mit. Er sei sein ganzes Leben sehr arbeitsam gewesen, erzählen seine Kinder.

Zu seinem grossen Hobby, dem Kochen, kam Ernst Haltner durch das Militär. «Eines Tages ist im WK unser Küchenchef verunfallt. Der hat dann gesagt, dass ich jetzt kochen soll», erzählt er. Von da an habe er im Militär den Kochlöffel geschwungen. Die Leidenschaft fürs Kochen hat er bis heute behalten: Ernst Haltner kauft immer noch selbständig im nahegelegenen Spar ein und kocht sich auch sein Mittagessen mit Freude selber. Am liebsten Währschaftes wie Speck, Bohnen und Rösti, erzählt seine Familie.

«Zeit, Steuern zurückzuzahlen»

Der Gaiserwalder Gemeindepräsident Boris Tschirky liess es sich nicht nehmen, dem 100-Jährigen persönlich zu gratulieren. Als Geschenk brachte er dem lebenslustigen Geburtstagskind eine Orchidee und einen Gutschein für Kaffee in Ernst Haltners Stammbeiz mit. «Sie haben mir aber gut gehorcht», sagte Tschirky zum Jubilar. «Im vergangenen Jahr habe ich Ihnen ja gesagt, dass ich an Ihrem 100. Geburtstag wieder mit Ihnen anstossen möchte. Und hier sind wir.»

Bei Wein und Kuchen schwatzten die Gäste über vergangene Zeiten. Er müsse vieles erlebt haben, in diesen 100 Lebensjahren, sinniert der Gemeindepräsident. «Allerdings», bestätigte Ernst Haltner. Er wisse zum Beispiel noch, wann das erste Postauto nach Engelburg gefahren sei. «Das war 1927. Es fuhr dreimal am Tag», erzählt er und strahlt. Zuvor sei er oft zu Fuss nach St. Gallen gelaufen. Oder mit dem Velo über die Spisegg in die Stadt gefahren.

Dann nutzte Ernst Haltner die Gelegenheit beim Schopf und fragte Boris Tschirky schelmisch, ob es nicht an der Zeit wäre, dass die Gemeinde ihm von den in über 80 Jahren eingezahlten Steuern wieder etwas zurück zahle. «Über Steuern freuen wir uns aber immer», sagte Tschirky daraufhin augenzwinkernd. «Auf die nächsten 100 Jahre!»