Mister Wuschelkopf

Locker sitzt er da. In Jeans, Turnschuhen und einem eher enganliegenden Pullover, der mancher Autogrammjägerin die Schweissperlen auf die Stirn und die Schamröte ins Gesicht treibt. Der 22jährige Jan Bühlmann ist seit einer Woche offiziell der schönste Mann der Schweiz.

Merken
Drucken
Teilen
Bitte lächeln: Mister Schweiz Jan Bühlmann in der Shopping Arena. (Bild: Ralph Ribi)

Bitte lächeln: Mister Schweiz Jan Bühlmann in der Shopping Arena. (Bild: Ralph Ribi)

Locker sitzt er da. In Jeans, Turnschuhen und einem eher enganliegenden Pullover, der mancher Autogrammjägerin die Schweissperlen auf die Stirn und die Schamröte ins Gesicht treibt. Der 22jährige Jan Bühlmann ist seit einer Woche offiziell der schönste Mann der Schweiz. Am Samstag war er für eine Autogrammstunde in der Shopping Arena in St. Gallen zu Gast.

«Diese Arme, diese Haare»

Gekommen sind vor allem ganz junge und ältere Semester – vorwiegend weiblich natürlich. Und eher nervös. «Gott», stöhnt eine 14Jährige, die das Treiben um den Luzerner aus sicherer Distanz beobachtet. «Diese Oberarme.» Ihre Kollegin mit dem ein bisschen zu tiefen Décolleté fächert sich mit einer Autogrammkarte Luft zu. «Und seine Haare. So wuschelig.» Glucksendes Lachen. Dann zücken die beiden ihre Handys und zoomen den neuen Mister Schweiz so nah heran wie nur möglich.

Auch in der Schlange nebenan halten Gross und Klein die Handykamera bereit. Ein kleines Mädchen versteckt sich hinter dem Mami. Zwei Teenager treten nervös von einem Bein aufs andere, kichern und flüstern. «Er ist einfach perfekt», sagt eine junge Frau. «Seine Art, sein Style, seine Interessen.» Bühlmann höre gerne Musik, genau wie sie. Und ja – es sei doch «eifach herzig», dass einer zu seinen weichen Seiten stehe.

Ein Weichei?

Der Luzerner hatte auf dem heissen Stuhl an der Mister-Wahl auch verraten, dass er zuletzt bei einem guten Film geweint hatte. Eher weniger herzig fanden das wohl drei junge Männer, die an der Schlange der Autogrammjägerinnen vorüberhasten. «So'n'ä Pfiife», sagt einer und wirft dem angehenden Studenten einen verächtlichen Blick zu.

Wuschelkopf Jan Bühlmann signiert derweil weiter Karte um Karte. 45 Minuten vor dem Ende der Autogrammstunde herrscht vorne am Tisch aber plötzlich Ratlosigkeit: Die Karten sind alle. Einige Jägerinnen werfen die Flinte ins Korn und gehen. Andere geben nicht so leicht auf: Gibt es keine Karten mehr, muss eben der Arm herhalten. Oder der Schuh, das Buch, das Fussball-Leibchen. Viele geben sich auch mit einem Bild des Misters zufrieden. Und der lächelt immer noch und immer wieder, nach fast vier Stunden.

Um 15 Uhr ist der Spuk vorbei. Bühlmann dreht sich um und massiert seine Wangenmuskulatur. Dann zieht er von dannen. Und lächelt, als wäre es das erste Mal an diesem Tag.

Malolo Kessler