Misstöne vor dem Musikfest

Am Eidgenössischen Musikfest müssen Gastrobetriebe in den Festzonen für ihre Aussenplätze eine Miete bezahlen. Die Wirte sind verärgert. Stadt und Veranstalter verteidigen die Regelung.

Tobias Hänni
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Aussenbeizen am Musikfest: Für einige Wirte ist die Miete, die sie dafür an den Veranstalter zahlen müssen, ein Ärgernis. (Archivbild: Trix Niederau)

Aussenbeizen am Musikfest: Für einige Wirte ist die Miete, die sie dafür an den Veranstalter zahlen müssen, ein Ärgernis. (Archivbild: Trix Niederau)

Wenn am Eidgenössischen Musikfest (EMF) im Juni die Musikgruppen mit Pauken und Trompeten durch die Stadt marschieren, dann hofft das städtische Gewerbe auf ein grosses Geschäft. Am Grossanlass werden 200 000 Besucher erwartet, die sich verpflegen müssen. Doch damit die Beizer in den drei Festzonen Innenstadt, Spelteriniplatz und Olma-Hallen am EMF mit einem Aussenbetrieb Geld verdienen können, müssen sie an die Veranstalter eine Miete für die Nutzung des öffentlichen Bodens bezahlen. Dass sie dadurch neben der städtischen Bewilligungsgebühr für Strassencafés auf öffentlichem Grund ein zweites Mal zur Kasse gebeten werden, stösst einigen Wirten sauer auf.

«Ein totaler Skandal»

So etwa Walter Etterlin vom Café Camillo. «Ich finde das einen totalen Skandal», ärgert er sich. Für zwei Wochenenden zahle er eine Miete von 5000 Franken. Dazu kämen nochmals etwa 3000 Franken für die Infrastruktur, etwa eine Aussenbar oder Zelte. «Wir brauchen mindestens einen Umsatz von 25 000 bis 30 000 Franken, damit sich diese Ausgaben lohnen», rechnet Etterlin vor. Die erwartete Besucherzahl sei zwar riesig. Ob sich aber tatsächlich so viele Leute auf den Grüningerplatz verirren werden, daran hat Etterlin noch seine Zweifel.

Die Kritik und die Bedenken der Wirte kann Roger Tinner, Geschäftsführer des EMF, nicht verstehen. «Ich bin überzeugt, dass die Umsätze die Miete um ein Mehrfaches übersteigen.» Tinner steht deshalb zur Miete, die je nach Standort unterschiedlich hoch sei und ein paar tausend Franken betrage. «Die Stadt hat uns den öffentlichen Raum zur Verfügung gestellt», sagt er. Theoretisch hätte man den Boden vor den Gastrobetrieben auch an Auswärtige vermieten können. Doch Tinner hebt ausdrücklich hervor: «Wir wollen mit und nicht gegen das lokale Gastgewerbe arbeiten.» Das Musikfest sei auf Einnahmen angewiesen. «Die Alternative wäre eine Innenstadt ohne Fest», sagt Tinner.

Langjährige Praxis

Dass die Wirte in den Festzonen des Musikfestes eine zusätzliche Miete für die Nutzung des öffentlichen Raums bezahlen müssen, ist laut Polizeisprecher Benjamin Lütolf nichts Neues. «Das wird bei Grossanlässen schon seit Jahren so gehandhabt», sagt er und verweist auf das St. Galler Fest und das New Orleans Festival, bei denen die gleiche Regelung gelte. «Dass die Beizen während der Grossanlässe keinen Anspruch auf den öffentlichen Boden haben, ist auch in den Bewilligungsverträgen zwischen der Stadt und den Gastrobetrieben für die Strassencafés festgehalten», sagt Lütolf.

Auch Bruno Bischof, welcher das St. Galler Fest und das New Orleans Festival organisiert und für das EMF die Vermietung koordiniert, versteht den Ärger der Wirte nicht. «Die Beizer vergessen, dass sie am Eidgenössischen sechs Tage lang Umsatz machen können.» Die Mieten seien durchaus angemessen. Zudem gebe es grosse Unterschiede. So würden die Mieten für Betriebe ohne Alkoholausschank nur die Hälfte des Standardansatzes von 5000 Franken kosten. «Damit wollen wir verhindern, dass rundherum Alkohol verkauft wird», sagt Bischof.

Gespräche mit dem Stadtrat

Für das EMF werden die Wirte die Platzmieten wohl oder übel akzeptieren müssen. Für künftige Grossanlässe streben sie jedoch eine neue Regelung an. «Nach den Sommerferien werden wir Gespräche mit dem Stadtrat führen», sagt René Rechsteiner, Präsident von Gastro Stadt St. Gallen und Geschäftsführer des «Bierfalken» in der Spisergasse. Die Stadt habe inzwischen eingesehen, dass Handlungsbedarf bestehe.

Bild: tobias hänni

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