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MINUSTEMPERATUREN: Die Stadt im Gefrierschrank: Wie Skilifte, Voliere und VBSG mit der Kälte umgehen

Gratissuppe, Schneekanone und Weichenheizungen: Es sind die kältesten Tage dieses Winters. In der Stadt St. Gallen steigen die Temperaturen nicht über minus 10 Grad. Doch nicht allen macht die Kälte gleich zu schaffen.
Christoph Renn / Christina Weder
An der Beckenhalde in St. Georgen wird die Skipiste präpariert: Dank der Schneekanone liegt genug Schnee – nun fehlen nur noch die Skifahrer und Snowboarder. (Bild: Hanspeter Schiess)

An der Beckenhalde in St. Georgen wird die Skipiste präpariert: Dank der Schneekanone liegt genug Schnee – nun fehlen nur noch die Skifahrer und Snowboarder. (Bild: Hanspeter Schiess)

Vögel

Seit zwei Tagen klingelt das Telefon in der Vogelpflegestation im Stadtpark häufiger als gewöhnlich. «Die Kälte macht den Vögeln zu schaffen – vor allem den Greifvögeln», sagt Leiterin Dara Müller. Die Pflegestation ist so voll, dass sie kaum mehr wisse, wohin mit den Tieren. Bei ihr melden sich Spaziergänger, die einen unbeweglichen Mäusebussard gefunden haben oder einen entkräfteten Waldkauz vorbeibringen wollen. Soeben hat sie einen Anruf erhalten, dass zwei Schwäne im Bodensee eingefroren seien.

Die Kälte macht auch den Vögeln in der Voliere zu schaffen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Kälte macht auch den Vögeln in der Voliere zu schaffen. (Bild: Hanspeter Schiess)



Für die beiden kommt jede Hilfe zu spät. Viele Vögel, die derzeit in die Pflegestation gebracht werden, sind am Ende ihrer Kräfte, da sie im gefrorenen Boden keine Nahrung mehr finden. Prekär seien die Frosttage auch für Zugvögel wie die Stare, die zum Teil schon aus ihrem Winterquartier zurückgekehrt sind. Sie sind die Kälte nicht gewohnt.
In der Voliere gefrieren das Wasser in Trinkschalen und das Futter, das in den Teich geworfen wird. Kälteempfindlichere Vögel, wie die Säbelschnäbler bleiben im Innengehege. Weniger zu schaffen machen die Minustemperaturen den einheimischen Vögeln, die in der Voliere genug zu Fressen haben. Auch die Tiere im Wildpark Peter und Paul haben kein Problem mit der Kälte. Sie tragen ein dickes Winterfell.

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Skilift

Wohin er denn mit seinen Skiern gehe, wurde gestern ein Mann im Quartier St. Georgen gefragt. «Na, zur Beckenhalde», antwortete er. Tatsächlich ist der Skilift seit Samstag in Betrieb – auch wenn eigentlich zu wenig Schnee zum Skifahren liegt. Lediglich vier, fünf Zentimeter beträgt die Schneeschicht; 15 Zentimeter sollten es sein, damit der Skilift läuft. Da kommt es den Skiliftbetreibern gerade recht, dass es sich draussen anfühlt, als würde man sich in einem Eisschrank aufhalten. Dank der Minustemperaturen konnten sie die Schneekanone – die einzige in der Stadt – zum Einsatz bringen. Damit das möglich ist, dürfen die Wasser- und Lufttemperaturen zusammengerechnet null Grad nicht übersteigen.

Die Schneekanone in St. Georgen läuft. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Schneekanone in St. Georgen läuft. (Bild: Hanspeter Schiess)


Seit einer Woche ist die Schneekanone im Einsatz. Während in anderen Wintern bloss kritische Stellen ausgebessert wurden, wird diesmal die ganze Piste von oben bis unten beschneit. Es sei der zweitbeste Winter für die Schneekanone innert zehn Jahren, sagt Betreiber Marcel Hurter. Diese Woche läuft der Skilift nachmittags von 13.30 bis 16.30 Uhr und mittwochs zusätzlich von 18.30 bis 21 Uhr zum Nachtskifahren. Da kann Hurter nur noch hoffen, dass es den kleinen Wintersportlern nicht zu kalt ist, um die warme Stube zu verlassen.

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Gassenküche

In der Gassenküche im Linsebühlquartier herrschte gestern Mittag Hochbetrieb. Rund 50 Mittagessen wurden ausgegeben. Es gab Spaghetti Bolognese und – weil es so kalt ist – eine gratis Gerstensuppe dazu. Die Besucher der Gassenküche wüssten es zu schätzen, dass sie an die Wärme kommen könnten, sagt Jürg Niggli, Leiter der Stiftung Suchthilfe. Ein Klient habe ihm einmal gesagt, die Gassenküche sei für ihn wie eine warme Ofenbank im Winter. Bei Bedarf werden auch warme Socken und Wollsachen abgegeben.

Ein beliebter Zufluchtsort: Die Gassenküche im Linsebühl. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ein beliebter Zufluchtsort: Die Gassenküche im Linsebühl. (Bild: Hanspeter Schiess)



In Städten wie Bern und Zürich sind derzeit Kältepatrouillen unterwegs, um Obdachlose in die Notschlafstelle zu bringen. In St. Gallen sei man das ganze Jahr über mit der aufsuchenden Sozialarbeit im öffentlichen Raum präsent und kenne die Klienten gut, sagt Niggli. «Sie haben das ganze Jahr über kein einfaches Leben.» Allgemein hätten sie es lieber kalt als nass. Niggli kennt einen, der im Moment noch draussen übernachtet. Die meisten hätten aber ein Dach über dem Kopf. Die Unterkunft für Obdachlose an der Grünhaldenstrasse ist im Moment gut besucht. Die Personen, die hier Unterschlupf finden, sind zwischen 18 und 74 Jahre alt. Es herrsche der normale Winterbetrieb, heisst es auf Anfrage. Fast alle der 15 Betten sind besetzt.

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Drei Weieren

Das Natureisfeld auf dem Buebenweier in St. Georgen ist trotz klirrender Kälte noch nicht geöffnet. Die Eisdicke reicht nicht aus, um darauf sicher Schlittschuh laufen zu können. «Sie muss mindestens zwölf Zentimeter dick sein», sagt Gerald Hutter, Leiter des städtischen Strasseninspektorats. Und es muss sogenanntes schwarzes Eis sein, also solches, das sich allein durch Kälte und Wasser gebildet hat. Eis, das sich durch Niederschläge oder Schnee bildet, ist weniger tragfähig. Messungen haben gestern Morgen ergeben, dass das schwarze Eis lediglich rund sieben Zentimeter dick ist. «Wir werden das Eis in den nächsten Tagen weiter beobachten und jeweils am Morgen weitere Messungen durchführen.»

Trotz arktischer Temperaturen ist das Eis auf dem Mannenweier noch nicht dick genug. (Bild: Hanspeter Schiess)

Trotz arktischer Temperaturen ist das Eis auf dem Mannenweier noch nicht dick genug. (Bild: Hanspeter Schiess)


Damit der Buebenweier dieses Jahr noch zum Eislaufen freigegeben werden könnte, bräuchte es eine länger anhaltende Kälteperiode. Die Chance, dass es diesen Winter noch für eine dicke, kompakte Eisschicht reicht, ist angesichts der Wetterprognosen jedoch eher klein. Denn bereits gegen Ende dieser Woche werden die Temperaturen wieder steigen. Im Jahr 2009 konnte man den gefrorenen Buebenweier letztmals betreten und darauf Schlittschuh laufen. Damals war das Eis während 17 Tagen freigegeben.

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Öffentlicher Verkehr

Wer in diesen Tagen mit dem Zug oder dem Bus unterwegs ist, muss nicht frieren. Die Appenzeller Bahnen (AB) heizen die Waggons, welche über Nacht nicht im Depot stehen, vor ihrem Einsatz auf. Bei der VBSG findet die gesamte Flotte Platz im warmen Depot. So können sich die ÖV-Nutzer auf Temperaturen zwischen 18 und 22 Grad freuen, auch wenn draussen klirrende Kälte herrscht.
Weder die AB noch die VBSG müssen wegen des Kälteeinbruches spezielle Massnahmen ergreifen. Doch: «Wir haben während des ganzen Winters die Weichenheizungen eingeschaltet», sagt Thomas Baumgartner, Direktor AB. Für die Gleise sei die Kälte kein Problem. «Schwieriger wird es bei heissen Temperaturen, wenn sich das Material ausdehnt.»

Buspassagiere trotzten am Bahnhofplatz den eisigen Temperaturen. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Buspassagiere trotzten am Bahnhofplatz den eisigen Temperaturen. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))


Auch die VBSG-Flotte wird von der Kälte nicht auf die Probe gestellt. «Problematisch wird es erst, wenn noch Nässe dazu kommt», sagt Ralf Eigenmann, Leiter der VBSG. Zum einen werde es dann auf den Strassen rutschiger, zum anderen können die Fahrleitungen gefrieren. Ein Problem brachte die Kälte jedoch mit sich: Die Tafeln für die Extrabusse für das FCSG-Spiel am Sonntag konnten nicht aufgestellt werden, weil die Löcher, in die sie normalerweise eingelassen werden, zugefroren waren.

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