Millionen Vollbäder versickern im Untergrund

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St. Gallen Auch die Stadt St. Gallen verliert Wasser. Viel Wasser. 500 Millionen Liter versickerten innerhalb eines Jahres im Untergrund. Zum Vergleich: Das entspricht über vier Millionen Vollbädern. Das Schwimmerbecken des Hallenbades Blumenwies könnte man damit immerhin 950 Mal auffüllen.

So eindrücklich diese Menge ist, im direkten Vergleich steht die Stadt dennoch gut da. Insgesamt verbraucht die Stadt 6,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser jährlich – das entspricht rund sechsmal dem Inhalt des Gübsensees. Der Wasserverlust beträgt damit 7,8 Prozent der gesamten Trinkwassermenge. Marcel Steiger, Bereichsleiter Netz, Gas und Wasser bei den St. Galler Stadtwerken ist denn auch zufrieden mit diesem relativen Wert. Schliesslich sei er seit 20 Jahren nie so tief gewesen, sagt er. Im Gegensatz zu den umliegenden Gemeinden hat St. Gallen die Statistik für das vergangene Jahr noch nicht erhoben; die Zahlen spiegeln das Jahr 2016.

100-jährige Leitungen verursachen Schäden

Steiger begründet den neuerlichen Tiefstwert mit dem Rückgang an Rohrbrüchen in der Stadt. Diese seien in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent zurückgegangen. Allein im Jahr 2015 brachen in der Stadt 130 Wasserleitungen. «Jeden dritten Tag bricht ein Rohr», lautete die Schlagzeile im «Tagblatt». Vor allem die Leitungen an der Rorschacher- und Zürcherstrasse waren anfällig für Schäden. Das überrascht wenig, lag ihr Baujahr bereits 100 Jahre zurück. Steiger spricht von «riesigen Wasseraustritten» und «unzumutbaren Schäden». Die Leitungen wurden deshalb fast vollständig ersetzt. Noch immer seien in der Stadt 100-jährige Leitungen im Einsatz – etwa jene von Goldach nach St. Gallen. Im Gegensatz zu ihren Zeitgenossen an der Zürcherstrasse funktioniere diese noch immer tadellos. In den vergangenen sieben Jahren sei viel saniert worden im St. Galler Untergrund. Das Durschnittsalter der Rohre betrage nunmehr 28 Jahre.

Rohrbrüche, Lecks, Löscheinsätze, Wasserdiebe

Das Wasser wird in St. Gallen auf einem Leitungssystem in der Länge von 320 Kilometern befördert – der Strecke von St. Gallen bis zum Genfersee. Der Wasserverlust auf dieser Strecke setzt sich laut Steiger aus vielerlei Faktoren zusammen. Nebst Rohrbrüchen können Lecks in der Leitung verantwortlich sein. Auch wenn Hydranten gespült werden, wird das Wasser in der Statistik als Verlust erfasst. Dasselbe gilt, wenn die Feuerwehr diese für Löscheinsätze anzapft. Zudem führen die Stadtwerke sogenannte Stresstests durch: Um Schwachstellen im Leitungsnetz zu ­identifizieren und gezielt zum Bersten zu bringen, wird der Druck in der Leitung erhöht. Und zum Schluss können auch Wasserdiebe am Werk sein. Das sei zwar selten, komme aber ebenfalls vor. (nh)

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