Millimeterarbeit am Ungetüm

Im Gossauer Unterwerk der SAK ist am Montag der zweite neue Transformator angeliefert worden. Der Transport des 80-Tonnen-Kolosses hatte seine Tücken. Bis die neuen Geräte in Betrieb gehen, dauert es noch.

Johannes Wey
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Um den 80 Tonnen schweren Transformator abzuladen, musste zuerst ein Hubgerüst aufgebaut werden. (Bilder: Urs Bucher)

Um den 80 Tonnen schweren Transformator abzuladen, musste zuerst ein Hubgerüst aufgebaut werden. (Bilder: Urs Bucher)

GOSSAU. Zum Schluss gibt es nochmals Millimeterarbeit. Der 80 Tonnen schwere und rund 700 000 Franken teure Koloss sinkt langsam auf die Schienen ab. Der Transformator für das SAK-Unterwerk in Gossau wurde schon bei der Herstellung mit Rädern ausgestattet. So kann das Gerät wesentlich einfacher in die eigens gebaute Halle gezogen werden.

Eine Kürzest-Bahnfahrt

Bevor der letzte von zwei neuen Transformatoren an diesem Montagmorgen in Gossau montiert wird, musste er eine lange, komplizierte Reise hinter sich bringen. Am Mittwoch hatte ein Spezialist für Schwertransporte das Gerät beim Hersteller im deutschen Regensburg abgeholt. In Gossau musste die Fracht zwischenzeitlich für wenige Meter auf einen Eisenbahnwaggon verladen werden, da Lastwagen und Fracht um ein Vielfaches zu schwer waren für die Brücke von der Mooswiesstrasse über die SBB-Linie. Und für das Queren der AB-Linie musste die Fahrleitung ausgeschaltet werden. Beim Um- und Abladen kam jedesmal ein Hubgerüst zum Einsatz, das mit einem zusätzlichen Lastwagen mitgeführt und während rund einer Stunde aufgebaut werden musste.

Doppelt so viel Leistung

Dass Projektleiter Fabio Suter erleichtert ist, jetzt da der Transformator wieder auf festem Boden steht, versteht sich von selbst. Die zwei neuen Transformatoren sollen einerseits drei alte Geräte ersetzen, deren Lebensdauer nach 45 Jahren abgelaufen ist, und anderseits der technischen Entwicklung Rechnung tragen. Denn ab diesem Herbst sollen Hochspannungsleitungen im Fürstenland mit 110 statt 50 Kilovolt betrieben werden. Dadurch lassen sich laut Suter die Verluste beim Transport reduzieren. Diese Spannung wird im Unterwerk auf Mittelspannung transformiert und von dort an die Gossauer Stadtwerke und ins Regionalnetz weitergeleitet. Ausserdem sind die neuen Transformatoren doppelt so leistungsstark wie ihre Vorgänger. Durch diese Reserve reduzieren sich die Energieverluste laut Suter weiter. Zudem sei man mit den neuen Transformatoren besser gerüstet für die zunehmende dezentrale Stromproduktion, etwa durch private Photovoltaikanlagen, da man auf Netzschwankungen flexibler reagieren könne.

Zusammen mit Gossau vollzieht auch das Unterwerk Flawil im Herbst die Spannungsumstellung. Für Flawil sind bereits zwei identische Geräte bestellt worden, sagt Suter. Die beiden Transformatoren werden nicht gleichzeitig, sondern abwechselnd laufen. So können im Notfall Defekte überbrückt werden.

Umstellung erst im Herbst

Während die Arbeit für die Spediteure nun erledigt ist, haben die Mitarbeiter der SAK noch bis am Nachmittag mit dem Transformator zu tun. Es werden Teile montiert, dann wird das schwere Gerät mit einem Seilzug in die Halle gebracht. Dass Transformatoren in gedeckten Räumen und nicht im Freien aufgestellt werden, ist laut Suter ebenfalls eine neuere Entwicklung. So sind sie besser vor Witterungseinflüssen geschützt. Auch zwei weitere Aspekte halfen der SAK dabei, sich für den Bau einer neuen Halle zu entscheiden: Das alte Fundament im Freien hätte das Gewicht der neuen Transformatoren nicht getragen. Und das Unterwerk liegt in einer Gewässerschutzzone, wodurch ebenfalls Aufwand entsteht. Im Boden der neuen Halle sind Wannen eingelassen, die auslaufendes Öl – beide Transformatoren enthalten je rund 14 Tonnen davon – notfalls auffangen sollen.

In Betrieb gehen die Transformatoren erst im Herbst. Bis dahin werden noch die Steuerungs- und Kontrollinstrumente im Unterwerk fertiggestellt. Wenn dann im Herbst die neuen Transformatoren ans Netz an- und die alten abgehängt werden, gibt es beim SAK-Unterwerk Gossau wieder Baulärm. Ab November werden nämlich die alten Geräte im Freien demontiert und weggebracht.

Fabio Suter Projektleiter SAK (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Fabio Suter Projektleiter SAK (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

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