Milde Strafe für reuigen Posträuber

Gerichtsurteil Ein Schweizer hat in St. Gallen zwei Poststellen überfallen. Dafür hat ihn das Kreisgericht jetzt zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt.

Claudia Schmid
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Bevor sich der 27-Jährige am 10. November 2015 auf den Weg machte, um die Poststelle Bruggen zu überfallen, konsumierte er laut Anklageschrift Kokain. Er packte eine Softair-Pistole, eine Sonnenbrille und Kleider zum Wechseln in einen Rucksack. Dann marschierte zu Fuss an die Zürcher Strasse.

Um 14.30 Uhr betrat er die Schalterhalle der Post Bruggen und tat so, als ob er etwas kaufen wolle. Er nahm einen Notizblock aus einem Verkaufsgestell, ging zu einem der Schalter und legte ihn auf die Theke. Als die Postangestellte die Schalterscheibe etwas öffnete, richtete er die Softair-Pistole auf sie und forderte Geld. Sie übergab ihm 2915 Franken aus der Kassenschublade.

Am 3. Dezember 2015 beschloss der Schweizer erneut einen Überfall. Diesmal suchte er sich die Poststelle an der Langgasse aus und ging ähnlich vor wie in Bruggen. Die Postangestellte händigte ihm diesmal 2810 Franken aus. Die Beute verwendete der Mann, um die Miete zu bezahlen und Kokain zu kaufen. Die Suche nach dem Täter blieb in den kommenden Wochen erfolglos.

In der Haft die Überfälle gestanden

Mitte Januar dieses Jahres rückte er in eine Strafanstalt ein. Weil er diverse Bussen nicht bezahlt hatte, sollte er als Ersatz eine Freiheitsstrafe von 26 Tagen verbüssen. Zwei Wochen später fühlte er sich von einem Angestellten der Strafanstalt bedroht. Den Namen des Mannes wusste er aber nicht. Er stieg aufs Dach einer Werkstatt und drohte hinunter zu springen. Er verlangte, dass die Mitarbeitenden nacheinander vor ihn treten. Schliesslich stieg er freiwillig wieder vom Dach.

Nach diesem Vorfall gestand er, dass er die Poststellen überfallen hatte. Seine Kokainsucht sei ihm zum Verhängnis geworden, begründete der 27-Jährige an der Verhandlung am Kreisgericht St. Gallen die Überfälle. Als er in Haft eine Zeit lang ohne Drogen gewesen sei, habe er gemerkt, dass es so nicht weitergehen könne. Er habe reinen Tisch machen wollen und alles gestanden. Er wisse, dass er den Postangestellten einen grossen Schock zugefügt habe. Dies tue ihm sehr leid.

Verurteilung im abgekürzten Verfahren

Der Staatsanwalt hatte den Beschuldigten im abgekürzten Verfahren angeklagt. Sowohl er als auch der Verteidiger betonten, dass der Beschuldigte seine Taten von sich aus offen gelegt habe, obwohl keine Verdachtsmomente gegen ihn bestanden hätten. Ausserdem habe er von sich aus die Suchtberatung aufgesucht und sich wieder eine Arbeit gesucht. Dies ermögliche es, ihn mit einer milden Strafe zu sanktionieren.

Das Gericht erhob die Anträge der Anklage zum Urteil. Der 27-Jährige wurde wegen mehrfachen Raubs, Nötigung und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes schuldig gesprochen. Die bedingte Freiheitsstrafe beträgt 22 Monate, die Probezeit zwei Jahre. Zudem muss er eine Busse von 200 Franken und die Verfahrenskosten von rund 11 800 Franken bezahlen. Die Zivilklagen der Post wurden geschützt. Sie betragen insgesamt 6725 Franken.